MeinungDie Anleihenrenditen steigen immer höher. Gleichzeitig notieren viele Aktienmärkte in der Nähe ihrer Allzeithöchst. Diese Diskrepanz lässt sich nur mit einer Flucht in Sachwerte erklären, die sich fortsetzen dürfte.Peter E. Huber09.09.2026, 04.11 UhrEs ist geschafft! Die Staatsverschuldung in den USA hat die gigantische Summe von 40'000 Mrd. $ überschritten. Und die Schuldenspirale dreht sich munter weiter. Neu erwächst den öffentlichen Händen zudem starke Konkurrenz, denn die Hyperscaler können den Bau ihrer gigantischen Rechenzentren nicht mehr aus dem freien Cashflow finanzieren und nehmen verstärkt den Kapitalmarkt in Anspruch. US-Finanzminister Scott Bessent reagiert auf die zunehmende Besorgnis der Anleger mit Rückkaufprogrammen für lang laufende Treasuries, finanziert natürlich durch die verstärkte Aufnahme kurzfristiger Schulden. Ob das reicht, um die Märkte zu beruhigen?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.US General Government Gross Debt per 31. August 2026, die Staatsschulden für 2026 entsprechen der IWF-Prognose.Quelle: Bloomberg, IWF, Taunus TrustWer glaubt, dass es in Deutschland und anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien oder in Japan besser läuft, unterliegt einem schwerwiegenden Irrtum. Überall explodieren die Staatsschulden in dem Bewusstsein, dass man sie ohnehin nicht zurückzahlen kann. Kein Wunder also, dass die Gläubiger misstrauisch werden und höhere Zinsen verlangen. So hat die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe inzwischen einen mehrjährigen Höchststand von fast 3,4% erreicht. Das ist immer noch lachhaft gering, wenn man berücksichtigt, dass nach Abzug der Steuern und der Inflation real nichts übrigbleibt.Quelle: Refinitiv, Taunus TrustDer nächste Crash geht von den Bondmärkten aus. Wir haben seit längerem auf diese Entwicklung hingewiesen. Die meisten Anleger sind erstaunt, dass sich vor diesem Hintergrund viele Aktienmärkte in der Nähe ihrer historischen Höchststände bewegen. Dies ist nur mit der Flucht in Sachwerte wie Aktien und Edelmetalle zu begründen. Auch auf diesen Melt-up-Boom machen wir seit Jahren aufmerksam.Allerdings haben viele Aktien inzwischen ein recht stolzes Bewertungsniveau erreicht. Unternehmen, deren Wachstumsaussichten negativ beurteilt werden, weisen dagegen oft einstellige Kurs-Gewinn-Verhältnisse und ordentliche Dividendenrenditen auf. Dazu zählen Namen aus den Branchen Autos, Chemie, Maschinenbau, Software, Pharma oder Öl und Gas.Zwei Szenarien für die BörsenEs sind derzeit deshalb zwei Szenarien denkbar: eine deutliche Korrektur an den Aktienmärkten oder eine Branchenrotation aus den hoch bewerteten in bisher vernachlässigte Bereiche. Auf jeden Fall wird das Börsenumfeld für die Anleger in den nächsten Monaten ruppiger.Nun aber zu einem ganz anderen Thema: Wir stehen vor einer technologischen Revolution.Mit der künstlichen Intelligenz (KI) schaffen wir ein Werkzeug, das mühelos Diagnosen stellt, Rechtsgutachten verfasst, Software schreibt und komplexe Strategien entwirft – und das alles zu Grenzkosten von nahezu null. Während Software dadurch immer günstiger wird, explodiert der Wert dessen, was KI am Laufen hält: Energie, Hardware, Chips, Wasser und Rohstoffe. Ärzte, Anwälte, Programmierer und Berater sehen sich plötzlich in einer Konkurrenzsituation mit einer Maschine, die nie müde wird und ständig dazulernt.Energie und Chips als wahre Gewinner von KIDie wahren Gewinner sind also nicht die Unternehmen, die die KI-Modelle entwickeln – sie werden sich in einem gnadenlosen Preiskampf gegenseitig unterbieten –, sondern die, die die Chips für die Rechenzentren produzieren und vor allem diejenigen, welche die Energie bereitstellen, die diese kolossalen Rechenleistungen verschlingt. Original-Ton eines Experten: «Jede KI-Anfrage ist im Kern nichts anderes als eine verbrannte Kilowattstunde». Und die Weltbevölkerung wird täglich Milliarden von Anfragen stellen.Doch nicht nur für Geistesarbeiter sieht die berufliche Zukunft düster aus. Kennen Sie Atlas? Das ist ein humanoider Roboter von Boston Dynamics. Der Mutterkonzern Hyundai Motors will in seinen Autofabriken Zehntausende dieser Kameraden einsetzen. Die Gewerkschaften sind so entsetzt, dass sie das Unternehmen in Korea radikal bestreiken und eine Arbeitsplatzgarantie fordern. Dabei ist der Fortschritt unaufhaltbar, denn auch andere Autokonzerne erproben solche Modelle.Peter E. HuberPeter E. Huber ist Gründer und Geschäftsführer der Huber Portfolio GmbH in Oberursel. Er ist spezialisiert auf antizyklische Investitionen an den Aktien- und Anleihenmärkten. Zuvor war er Partner und Fondsmanager beim Vermögensverwalter StarCapital, den er 2016 an die Bellevue Group verkaufte. Huber hat in Mannheim Betriebswirtschaft studiert und danach für die Privatbank SMH in Frankfurt gearbeitet, bevor er sich 1981 selbständig machte.