Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat beschlossen, für Weltkarten künftig nicht mehr die sogenannte Mercator-Projektion zu verwenden. Stattdessen wird ein erst 2018 publiziertes Verfahren zur Darstellung der Erdoberfläche auf einer zweidimensionalen Ebene empfohlen. Diese „Equal-Earth“-Kartenprojektion stammt von den beiden in Amerika tätigen Geographen Bojan Šavrič und Tom Petterson – Letzterer arbeitete bis zu seiner Pensionierung für den US National Park Service – sowie von Bernhard Jenny von der Monash University in Melbourne, und sie ist streng flächentreu: Das Verhältnis zweier Landflächen auf einer solchen Karte entspricht genau dem auf der Erdkugel.Diese Forderung, die man an eine Weltkartenprojektion stellen kann, ist bei der Mercator-Projektion tatsächlich grob verletzt: Je weiter ein Flächenstück dort vom Äquator entfernt ist, desto größer erscheint es. So ist etwa Skandinavien auf einer Mercator-projizierten Weltkarte etwa so groß wie Indien, dabei haben Norwegen, Schweden und Finnland zusammen nur ein Drittel der Fläche des Subkontinents.Nun hat der Geograph Gerhard Mercator (1512 bis 1594) die nach ihm benannte Projektion zwar in seiner Weltkarte von 1569 benutzt, aber sein Weltatlas von 1595 und der daraus hervorgegangene Mercator-Hondius-Atlas von 1606 verwenden sie nicht. Denn Mercator hatte sie 1569 „ad usum navigantium“, also zum Gebrauch durch Seefahrer, entwickelt. Mercator-Karten sind nämlich winkeltreu: Auf ihnen kann ein Kurs, der im konstanten Winkel zum geographischen Meridian verläuft, als gerade Linie eingezeichnet werden. Die Meridiane einer Mercator-Weltkarte sind Parallelen, mit dem praktischen Nebeneffekt eines rechteckiges Kartenprodukts – und dies, zusammen mit der Bedeutung der Seefahrt in den Jahrhunderten nach Mercator, war der Grund für die Popularität dieser Projektion, nicht die erniedrigende Verkleinerung äquatornaher Regionen im Interesse der Kolonialmächte in höheren Breiten.Als solche wurde die Verwendung der Mercator-Projektion aber irgendwann wahrgenommen, und die Equal-Earth-Projektion ist nun nicht der erste Versuch, das zu korrigieren. Bereits 1973 hatte der deutsche Historiker Arno Peters eine „gerechte“ Projektion vorgeschlagen, die bereits 1855 von dem Schotten James Gall konzipiert worden war. Diese sowohl flächentreue als auch ein rechteckiges Format ergebende Gall-Peters-Projektion setzte sich aber nie durch, weil sie die Formen insbesondere der äquatornahen Staaten in nordsüdlicher Richtung schlimm deformiert.Die Equal-Earth-Projektion ist demgegenüber zweifellos ein Fortschritt, doch auch sie verzerrt die Formen merklich, insbesondere in Afrika, Südostasien und Südamerika – jedenfalls wenn man sie mit der bereits 1963 entwickelten Robinson-Projektion vergleicht. Diese bevorzugt keine der mathematisch untereinander unvereinbaren Forderungen nach globaler Winkeltreue und globaler Flächentreue, bewahrt aber die Formen weitgehend und optimiert den ästhetischen Gesamteindruck. Aber die Betreiber der UN-Resolution bestanden ja auf unbedingte Flächentreue.