In Gambia stockt die Aufarbeitung der Gräueltaten der Diktatur Jammehs. Das liegt auch an dessen Nachfolger, dem Präsidenten des Landes, Adama Barrow.
Ganz in Weiß gekleidet, die Hand zum Gruß gehoben, winkt Präsident Adama Barrows Antlitz vom Dach eines mehrstöckigen Apartmenthauses auf eine der zentralen Kreuzungen von Gambias Hauptstadt Banjul herunter. Das Wahlplakat ist gigantisch, der Schriftzug ebenso: „Der Auserwählte“, prangt dort in großen Lettern neben dem Gesicht des Präsidenten.
Die Inszenierung des winkenden Barrow, noch dazu aus einem offenen Wagen heraus, hat etwas Päpstliches. Dabei ist Barrow Muslim, genauso wie etwa 95 Prozent der Bevölkerung Gambias. Göttlicher Beistand – ganz gleich welcher Konfession – dürfte jedoch spätestens im Dezember willkommen sein. Dann wählt Gambia einen neuen Präsidenten.
Während die Opposition zersplittert ist und nur mühsam ihre politischen Bündnisse auslotet, ist Barrow schon längst im Wahlkampf angekommen. Es ist das dritte Mal, dass der Politiker der National People’s Party (NPP) sich um das Amt an der Staatsspitze bewirbt. Unterstützt wird er dabei unter anderem ausgerechnet von der APRC, der Partei von Ex-Diktator Yahya Jammeh.
Im Dezember 2016 hatte Barrow überraschend gegen Jammeh gewonnen. Dessen 22-jährige Schreckensherrschaft war geprägt von schweren Menschenrechtsverletzungen, darunter Verschleppungen, sexuelle Gewalt, außergerichtliche Tötungen und willkürliche Inhaftierungen. Nach seiner Wahlniederlage flüchtete sich Jammeh im Januar 2017 ins Exil nach Äquatorialguinea, wo er bis heute lebt.











