Die politische Meinung anderer zu ertragen, fällt offenbar immer mehr Menschen immer schwerer. Der Wahlkampf zur Abgeordnetenhauswahl ist geprägt von Angriffen, Pöbeleien, Brandstiftungen, einer Fäkalien-Attacke – und einem Fall von Exhibitionismus.In der Nacht zu Dienstag zum Beispiel stellten Polizisten in Steglitz-Zehlendorf mehrere brennende Wahlplakate fest: Drei CDU-Plakate brannten am Osteweg, zwei in der Seehofstraße und eines in der Appenzeller Straße. In der Wismarer Straße und der Goerzallee standen ein Plakat der Linken und eines der SPD in Flammen.Seit dem 2. August dürfen Wahlplakate im öffentlichen Straßenraum aufgehängt werden. Doch innerhalb eines Monats, bis zum 2. September, zählte die Berliner Polizei 285 Fälle, bei denen 927 Plakate beschädigt oder zerstört wurden.Nach Angaben einer Polizeisprecherin wurden bis zum 26. August 121 AfD-Plakate in Mitleidenschaft gezogen, 61 der CDU, 39 der SPD, 20 der Linken, 15 der FDP und 14 von Bündnis 90/Die Grünen. Hinzu kommt die Schändung von Plakaten kleiner Parteien. Seit dem Wahlkampfstart registrierte die Berliner Polizei zudem 25 Angriffe auf Politiker oder Wahlkampfhelfer, die Plakate anbrachten.
Ein Auszug aus der Chronologie der Fälle:16. August: Am Elsflether Weg in Spandau werden AfD-Plakate heruntergerissen. Und in Zehlendorf beobachten Zeugen einen 15- und einen 16-Jährigen dabei, wie sie an der Andréezeile ein AfD-Wahlplakat stehlen wollen; der Jüngere steht auf einer Leiter an einem Laternenmast. Die Polizei nimmt die Jugendlichen fest und übergibt sie ihren Eltern.20. August: Am Vormittag werden Einsatzkräfte zu zwei abgerissenen AfD-Plakaten am Fürstenwalder Damm in Friedrichshagen alarmiert. Gegen 11 Uhr bemerken Zeugen zwei Männer in Lichtenberg, die ein AfD-Plakat von einer Laterne abnehmen, es in eine Tüte packen und damit verschwinden. Auch in den Neuköllner Ortsteilen Buckow und Gropiusstadt werden AfD-Plakate zerstört.21. August: Gegen 1.40 Uhr alarmiert ein Zeuge die Polizei nach Lichterfelde. Er hat mehrere Personen dabei beobachtet, wie sie am Platz des 4. Juli mit einer Leiter mehrere Wahlplakate von Laternen entfernen und in einem Auto verstauen. Die Beamten stellen einen 19-Jährigen und zwei 20-Jährige, die in zwei Autos unterwegs sind. Sie haben 18 gestohlene AfD-Wahlplakate, eine Leiter und eine Astschere dabei.Rund eine halbe Stunde später, gegen 2.15 Uhr, zerstört eine fünfköpfige Gruppe am Amalienpark in Pankow mehrere SPD- und CDU-Plakate.Gegen 4 Uhr stellen Einsatzkräfte in Schöneberg an einem Laternenmast an der Potsdamer Straße ein brennendes Wahlplakat der Partei Volt fest. In unmittelbarer Nähe treffen sie auf einen 35-Jährigen, der angibt, das Plakat angezündet zu haben. Kurz darauf teilen Passanten den Beamten mit, dass in einiger Entfernung zwei weitere Plakate gebrannt haben, die Passanten gelöscht haben. „Wegen der Verhaltensauffälligkeit des 35-Jährigen brachten ihn die Einsatzkräfte zur psychiatrischen Betreuung in ein Krankenhaus“, teilt die Polizei später mit. Ob der Tatverdächtige auch für die beiden weiteren Sachbeschädigungen verantwortlich ist, sei Gegenstand der Ermittlungen.







