Europa will seine Gasversorgung breiter aufstellen und russische Lieferungen bis Ende 2027 beenden. Doch auf dem LNG-Markt passiert derzeit etwas anderes: USA und Russland bauen gleichzeitig ihre Anteile aus, während andere Lieferländer zurückfallen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Norwegian Institute of International Affairs (NUPI).Im ersten Halbjahr 2026 stammten bereits 81 Prozent der LNG-Importe des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) aus den USA und Russland. Ein Jahr zuvor waren es noch 73 Prozent. Die Lieferungen aller anderen Staaten brachen zugleich von 19 auf 13 Milliarden Kubikmeter ein. Ihr gemeinsamer Marktanteil sank damit binnen eines Jahres von 27 auf 19 Prozent.
USA liefern fast fünfmal so viel LNG wie Russland
Die Forscher Raffaele Piria, Kacper Szulecki und Hannah Lentschig sprechen von einem „Diversifizierungsparadox“. Grundlage sind Daten der Denkfabrik Bruegel für das erste Halbjahr 2026. Anders als viele Analysen betrachten sie nicht nur die EU, sondern den gesamten EWR einschließlich Norwegens. Norwegisches Gas gilt dabei als heimische Produktion; ausgewertet werden Importe von außerhalb des EWR.
Die USA bleiben mit großem Abstand der wichtigste LNG-Lieferant. Ihre Ausfuhren in den EWR stiegen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 von 41 auf 44 Milliarden Kubikmeter. Ihr Anteil legte von 57 auf 62 Prozent zu. Russland lieferte trotz des für 2027 beschlossenen Gasausstiegs ebenfalls mehr: Die Mengen wuchsen von elf auf 13 Milliarden Kubikmeter, der Anteil von 16 auf 19 Prozent.






