Sven Schulze, der amtierende Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, wird die CDU-Fraktion im Magdeburger Landtag anführen. Schulze setzte sich gegen den bisherigen Fraktionschef Guido Heuer in einer Kampfabstimmung mit acht zu sieben Stimmen durch, wie die F.A.Z. erfuhr. Am Dienstagnachmittag trat die neu gewählte Fraktion, deren Mitgliederzahl von 40 auf 15 geschrumpft ist, zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Am Wochenende wird sie sich zu einer Klausurtagung im Harz treffen.Vor der Sitzung hieß es aus der Partei, dass die Posten an der Spitze der Fraktion begehrt seien und wild herumtelefoniert werde. Denn die sachsen-anhaltische CDU befindet sich nach ihrem 17,2-Prozent-Debakel in intensiven Machtkämpfen. Diese begannen schon am Montag.Ein anderes Amt gibt Schulze aufIn einer zweieinhalbstündigen Sitzung der erweiterten Führung wurde am Montagabend eine vorgezogene Neuwahl des Landesvorstands beschlossen. Der regulär erst Ende 2027 anstehende Parteitag soll so schnell wie möglich stattfinden, vermutlich im November oder im Dezember. Der bisherige CDU-Landesvorsitzende Schulze kündigte an, nicht wieder für dieses Amt zu kandidieren.Ein parteiinterner Rivale von Schulze kündigte hingegen seine Kandidatur an. Der 37 Jahre alte Bundestagsabgeordnete Sepp Müller trat nach der Sitzung am Montagabend vor die Presse, richtete seine Worte vor den Kameras aber explizit an die Mitgliedschaft seiner Partei. Müller beklagte, die CDU habe „Glaubwürdigkeit verloren“ und müsse ihre „Prinzipientreue“ beweisen. Die CDU dürfe weder mit der extremen Linken noch mit der extremen Rechten zusammenarbeiten.Diese Linie hatte Müller schon in den Tagen vor der Landtagswahl offensiv vertreten und im Hintergrund Anhänger um sich geschart. Zu ihnen gehörte auch der nun abgewählte Fraktionschef Guido Heuer und sein Umfeld. Dies wurde von vielen in der Partei allerdings als illoyales Verhalten gegenüber dem CDU-Spitzenkandidaten Sven Schulze gewertet, der nach der Wahl eine CDU-geführte Landesregierung anstrebte, die sich wie in Sachsen oder Thüringen informell auf die Linken stützt.Kanzler und Fraktionsvorsitzender rüffeln MüllerDie Empörung über das Verhalten Müllers beschränkt sich nicht auf Sachsen-Anhalt. Erst attackierte Bundeskanzler Friedrich Merz den stellvertretenden Vorsitzenden der Unionsfraktion in seiner Pressekonferenz zum Ausgang der Landtagswahl. Ohne ihn beim Namen zu nennen, warf Merz Müller vor, Schulze im Wahlkampf in den Rücken gefallen zu sein. Das habe er, Merz, zuvor auch in den Sitzungen der Parteigremien gesagt.Kurz darauf wurde der Vorsitzende der Unionsfraktion, Thorsten Frei, ebenfalls in einer Pressekonferenz auf das Verhalten Sepp Müllers angesprochen. Dieses sei „höchst problematisch“ und wäre „besser unterblieben“, sagte Frei. Konsequenzen kündigte er allerdings nicht an.Das wäre auch schwierig. Zum einen ist Müller für den Rest der Legislaturperiode gewählt. Zu deren Beginn hatte er sich in einer Kampfkandidatur durchgesetzt, nachdem eigentlich ein anderer Bewerber für sein Amt vorgesehen war. So etwas gibt einem Abgeordneten Kraft. Zum anderen wäre es für den frisch an die Spitze der selbstbewussten Fraktion gewählten Frei möglicherweise nicht gut, entstünde der Eindruck, er ginge gegen Müller vor, kaum dass der Kanzler ihn gerügt hat. In der Fraktionssitzung am Montag spielte die Angelegenheit nach Aussage zweier Quellen keine Rolle mehr.Wer kandidiert in Sachsen-Anhalt gegen Müller?Auch in der Sitzung der Landes-CDU am Montagabend erfuhr Müller nach Angaben von Teilnehmern nur wenig Rückhalt. Sein Manöver in den Tagen vor der Wahl hat etliche CDU-Funktionäre verärgert, auch wenn Müller unter ihnen weiterhin Anhänger hat.Noch ist offen, wer auf dem Parteitag gegen Müller antritt. Genannt wurde bereits am Wahlabend der stellvertretende Landesvorsitzende André Schröder, Landrat in Mansfeld-Südharz. Schröder hatte für lange Zeit Spitzenämter in Magdeburg inne und galt als Reiner Haseloffs erster Kronprinz, bevor er in der CDU-Fraktion in Ungnade fiel. Der 56 Jahre alte Politiker gilt als ausgleichend und wurde im Wahlkampf dem Schulze-Lager zugerechnet.Unter Kommunalpolitikern der Union besteht der Wunsch, dass ihre Ebene künftig eine „größere Rolle“ spielt. Auf die gegenwärtige Zerrüttung der Partei wird allerdings mit Entsetzen geblickt. „Es ist ein fürchterliches Chaos, in dem niemand mehr weiß, wo die Linien verlaufen“, sagt eine langjährige Führungskraft.
CDU in Sachsen-Anhalt: Sven Schulze wird Fraktionschef
Nach dem Wahldebakel ordnet die CDU in Sachsen-Anhalt die Führung neu. Sven Schulze wird Chef der CDU-Fraktion. Und Sepp Müller wirbt mit dem Ruf nach „Prinzipientreue“ für sich.











