Die EU-Außenbeauftragte Kallas scheitert mit ihrem Vorhaben, ein Verteidigungsgremium zu gründen – auch dank Berlin. Es geht um Macht und Kompetenzen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Kaja Kallas, EU Außenbeauftragte beim EU Gipfel in Brüssel am, 19.6.2026

Nicolas Landemard/Le Pictorium/imago

In Washington nimmt sie keiner ernst, für Moskau ist sie ein rotes Tuch, in Jerusalem wurde sie sogar zur Persona non grata erklärt: An Kaja Kallas, der Chefdiplomatin der EU, scheiden sich die Geister. Bisher hat sich die 49-jährige Estin davon nicht beeindrucken lassen. Sie halte an einem konstruktiven Dialog fest, erklärte Kallas nach den Attacken von Israels Außenminister Gideon Saar. Doch nun kommt auch Widerstand aus Berlin, Paris und Rom.

Deutschland und Frankreich haben verhindert, dass Kallas eine Expertengruppe für die Verteidigung aufstellen konnte. Die Berater, darunter Militärexperten aus Großbritannien und der Ukraine, sollten sich am Montag zu einer konstituierenden Sitzung in Brüssel treffen. Doch das offenbar schlecht vorbereitete Treffen wurde in letzter Minute abgesagt. Kallas habe ihre Kompetenzen überschritten, hieß es. Die Verteidigung fällt nämlich in die Zuständigkeit der EU-Staaten. Außerdem gibt es seit 2024 einen europäischen Verteidigungskommissar – Andrius Kubilius aus Litauen.