Sahra Wagenknecht wird zur Königsmacherin: Das BSW könnte dem ersten AfD-Ministerpräsidenten ins Amt verhelfenDem BSW drohte nach dem verpassten Einzug in den Deutschen Bundestag und Dauerstreit das politische Aus. Jetzt wird die von vielen schon abgeschriebene Partei in Sachsen-Anhalt zu einem Machtfaktor.08.09.2026, 12.09 Uhr4 LeseminutenDie BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht bei einer Veranstaltung in Aschersleben im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt.Jan Woitas/dpaSahra Wagenknecht war fast schon in der politischen Versenkung verschwunden. Das von ihr gegründete BSW machte in den vergangenen Wochen mit Chaos, Streit und Auflösungsbestrebungen einzelner Landesverbände von sich reden. Wahlniederlagen reihten sich aneinander. Politisch galt die erst 2024 gegründete Partei bei vielen schon als abgeschrieben. Doch jetzt könnte die Wiederauferstehung folgen. Im Schatten des erdrutschartigen Wahlsiegs der AfD in Sachsen-Anhalt triumphiert ausgerechnet die ehemalige Linkenpolitikerin Wagenknecht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dem BSW ist mit 5,1 Prozent der Stimmen nicht nur der ersehnte Sprung in den Magdeburger Landtag geglückt. Die fünf Abgeordneten könnten jetzt auch zu Königsmachern werden und dem ersten AfD-Ministerpräsidenten in Deutschland ins Amt verhelfen. Dafür hat das BSW bereits einen Fahrplan entworfen.«Die Mehrheit der Menschen in Sachsen-Anhalt wünscht sich kein Weiter-so», sagt Wagenknecht in der Talkshow bei Markus Lanz am Montagabend. «Diese Mehrheit will das BSW nutzen, um das Leben der Menschen zu verbessern.» Was genau das bedeutet, lässt sie offen.Den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund werde das BSW «natürlich» nicht zum Ministerpräsidenten wählen, betont die BSW-Gründerin, die sich vor knapp einem Jahr von der Parteispitze zurückgezogen hat. Die Strategie, die Wagenknecht schon vor Wochen öffentlich gemacht hat, ist eine andere. «Wir haben immer gesagt, wir wünschen uns einen überparteilichen Ministerpräsidenten», wiederholt sie auch jetzt. Einen Namen will das BSW bald präsentieren.Allerdings, und das weiss auch Wagenknecht, wird sich der Wahlsieger AfD auf solch ein Manöver nicht einlassen. Warum sollte die Rechtspartei auch die Macht abgeben?BSW will sich im dritten Wahlgang enthaltenBei «Markus Lanz» sitzt Tino Chrupalla neben Wagenknecht und lächelt nur, als sie erneut diesen Plan vorstellt. «Ich würde dieser Phantasie ja ein Stück weit folgen, hätte das BSW 20 Prozent und wir 30. Aber wir haben 44 Prozent», kontert der AfD-Vorsitzende.Somit könnte eine andere Variante wahrscheinlicher werden. Bei der Abstimmung über den künftigen Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt will sich das BSW im dritten Wahlgang enthalten und damit der AfD die notwendige einfache Mehrheit ermöglichen. In den ersten beiden Wahlgängen ist eine absolute Mehrheit der Stimmen erforderlich, die die AfD im Landtag nicht hat.Ob sich der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund allerdings auf solch ein Manöver einlässt, ist noch offen. Siegmund betonte, er werde sich nur bei «stabilen Mehrheiten» der Wahl zum Ministerpräsidenten stellen. Er setzt dabei vor allem auf Überläufer aus der CDU-Fraktion.Viele Gemeinsamkeiten mit der AfDIm Wahlkampf in Sachsen-Anhalt ist das BSW vor allem als Friedenspartei aufgetreten. Waffenlieferungen an die Ukraine lehnt die Partei ab, die Wirtschaftssanktionen gegen Russland will sie beenden – genau wie die AfD. In einem «Sofortprogramm» kündigte das BSW in Sachsen-Anhalt bereits an, eine Bundesratsinitiative gegen Militärhilfe für die Ukraine auf den Weg zu bringen. Eine Mehrheit soll mit der AfD zustande kommen.Wagenknecht will, dass wieder preiswertes Öl und Gas aus Russland importiert werden, damit Energie- und Spritpreise sinken. Diese Forderung findet nicht nur die AfD gut, sondern vor allem eine Mehrheit der Menschen in Sachsen-Anhalt. Schnittmengen mit der AfD gibt es auch für eine härtere Migrations- und Abschiebepolitik, die Wagenknecht schon lange fordert. In «Sachfragen» werde es eine Zusammenarbeit mit der AfD geben, sagen auch die beiden BSW-Spitzenkandidaten aus Sachsen-Anhalt, Thomas Schulze und Claudia Wittig.Der Flirt mit der AfD kam im BSW in Sachsen-Anhalt nicht bei allen Mitgliedern gut an. Der Landesvorstand zerstritt sich, zahlreiche Mitglieder traten aus. Der Machtkampf gipfelte in einem Sonderparteitag im vergangenen Jahr, auf dem die Kritiker abgewählt wurden. Die Wagenknecht-Getreuen haben den Machtkampf für sich entschieden. Der Landesvorstand wurde auf Linie gebracht.BSW in Sachsen-Anhalt rebelliert nicht gegen BundesparteiThüringer Verhältnisse wird es also in Magdeburg so schnell nicht geben. Die BSW-Fraktion im Erfurter Landtag löst sich nach einem ermüdenden Richtungsstreit gerade auf und torpedierte damit auch den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt. Die beiden Lager reden nicht mehr miteinander.Eine Regierungsbeteiligung wie in Thüringen hatte Wagenknecht immer kategorisch abgelehnt. Daran hielt sich der aufmüpfige thüringische Landesverband nicht und bildete zusammen mit CDU und SPD eine Koalition. Nach Lesart von Wagenknecht sind die Thüringer damit dafür verantwortlich, dass das BSW an Glaubwürdigkeit und damit Zustimmung verloren hat.Jetzt wartet in Magdeburg eine neue Chance. Wie und ob der von Wagenknecht ausgerufene Kurs einer Annäherung an die AfD gelingt, steht allerdings in den Sternen. Seine starke Position kann das BSW aber ausspielen – nach allen Seiten.Passend zum Artikel
Sachsen-Anhalt: Sahra Wagenknecht könnte zur Königsmacherin werden
Dem BSW drohte nach dem verpassten Einzug in den Deutschen Bundestag und Dauerstreit das politische Aus. Jetzt wird die von vielen schon abgeschriebene Partei in Sachsen-Anhalt zu einem Machtfaktor.














