Das Raumfahrtunternehmen Isar Aerospace hat am Samstagabend Geschichte geschrieben, als die Trägerrakete Spectrum im zweiten Testflug den Orbit erreicht und dort Satelliten aussetzen konnte. „Das sind die Momente, für die wir arbeiten“, sagte der Chef und Gründer des Start-ups, Daniel Metzler, am Sonntag auf der Pressekonferenz. Der 34 Jahre alte Österreicher wirkte zufrieden, aber überschwängliche Freude war ihm nicht anzusehen. Er setzt auf Bodenhaftung und legte den Fokus auf die anstehenden Aufgaben.„Jetzt heißt es, Produktion hochfahren, Aufträge abarbeiten und der weltweit wachsenden Nachfrage gerecht werden.“ Damit ließ er sich schon in der Pressemitteilung zitieren. Metzler ist kein Lautsprecher. Er will nicht als „Ankündigungs-Weltmeister“ gelten, sondern liefern. Das ist ihm nun acht Jahre nach Gründung von Isar Aerospace geglückt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der gegenwärtig wenig Grund zur Freude hat, würdigte den Durchbruch im All als den „Beginn einer neuen Ära“.Fehlversuche gehören zum LernprozessDafür ist Metzler nun das Gesicht. Der erfolgreiche Testflug ist ein wichtiges Signal für den Industrie- und Technologiestandort. „Deutschland kann Raumfahrt“; so formulierte es die Bundesforschungsministerin Dorothee Bär. Umso wichtiger ist es, dass Metzler und sein Team von Isar Aerospace nach Rückschlägen weiter an ihrer Vision gearbeitet haben. Der zweite Testflug war schon im Januar geplant, musste aber wegen eines fehlerhaften Ventils abgesagt werden. Es folgten drei weitere Fehlversuche, die für Metzler aber wichtige Schritte im Lernprozess darstellten.Um die Probleme zu bewältigen, zog er auch die Experten von der Europäischen Weltraumbehörde ESA zurate. Das war eine richtige Entscheidung, wie sich am Samstagabend beim Testflug zeigte. Möglicherweise war das Marketingrad, das Anfang des Jahres vor dem zweiten Testflug gedreht wurde, dann doch etwas zu groß. Für Metzler war das eine Gratwanderung. Denn er bevorzugt das beharrliche Arbeiten am Erfolg, aber nicht die lauten Töne. Doch die sind nötig, wenn er die Öffentlichkeit für seine Vision begeistern will.Mit WeitblickNun kann er die Ärmel hochkrempeln, der dritte Raketenstart befindet sich in der finalen Vorbereitungsphase. Auch die Flüge vier bis sieben dürften im kommenden Jahr abheben. Dazu steht dem Unternehmen in Parsdorf eine Produktionsfläche zur Verfügung, die zehnmal so groß ist wie die im alten Werk in Ottobrunn. Den Vertrag für das neue Werk hat Isar Aerospace schon vor vier Jahren unterzeichnet. Angesichts der damit verbundenen Verzehnfachung der Produktionsfläche war das ein mutiger Schritt. Es zeigt aber auch, mit welchem Weitblick Metzler das Unternehmen steuert.Es ist ihm zuzutrauen, dass er sein Ziel erreicht, bis 2030 in Parsdorf 40 Raketen im Jahr herzustellen. Als er im Jahr 2018 zusammen mit dem 35 Jahre alten Technologievorstand Josef Fleischmann und Markus Brandl Isar Aerospace gründete, war er noch belächelt worden. Inzwischen hat Metzler gezeigt, dass er für die Ambitionen Europas und Deutschlands, eine eigene Infrastruktur im All zu errichten, einen entscheidenden Beitrag liefern kann.Kaderschmiede der TU München durchlaufenEr und Fleischmann haben die wissenschaftliche Kaderschmiede der Technischen Universität München (TUM) durchlaufen. Nachdem Metzler an der Technischen Universität in Wien sein Bachelorstudium in Maschinenbau abgeschlossen hatte, wechselte er für den Masterstudiengang Luft- und Raumfahrttechnik im Jahr 2016 an die TUM. Metzler, Fleischmann und der dritte Gründer Markus Brandl lernten sich in der studentischen Gruppe WARR (Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt) kennen.Dort leitete Metzler ein Team aus 40 Personen, mit dem er eine Höhenforschungsrakete entwickelte. Die Aufnahme in das Business Incubation Center der Europäischen Weltraumbehörde ESA folgte. Metzler und sein Team stellten dort erste Prototypen von Triebwerkskomponenten her und zogen erste Investoren an. Im Jahr 2018 folgte die Gründung von Isar Aerospace. Heute zählt das Raumfahrtunternehmen 500 Mitarbeitende, bis Ende des Jahres sollen es 600 sein. In Finanzierungsrunden wurden knapp 800 Millionen Euro eingesammelt.Zu den Investoren zählen der NATO-Innovationsfonds und der Volkswagen-Großaktionär Porsche Automobil Holding. Einen Börsengang plant Metzler derzeit noch nicht, aber das Interesse der Investoren ist mit dem Durchbruch im All gestiegen. In der jüngsten Finanzierungsrunde ist Isar Aerospace mit zwei Milliarden Euro bewertet worden, inzwischen dürfte der Wert gestiegen sein. Doch der Abstand zu SpaceX, dem amerikanischen Raumfahrtunternehmen von Elon Musk, mit einem Börsenwert von zwei Billionen Dollar ist immer noch sehr groß.Doch zeigt SpaceX, welches Potential die Investoren der Raumfahrt zutrauen. Die Infrastruktur im Weltraum wird für die Verteidigung, die Kommunikation und die Navigation immer wichtiger. Deshalb will Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius bis 2030 rund 35 Milliarden Euro in die Sicherheitsinfrastruktur investieren. Von dem Kuchen will sich auch Isar Aerospace ein Stück abschneiden. Für den Formel-1-Fan und begeisterten Skifahrer Metzler dürfte die Freizeit in Zukunft eher knapp bemessen sein. Aber das dürfte dem Visionär mit Bodenhaftung recht sein.
Daniel Metzler: Isar Aerospace erreicht den Orbit
Für Daniel Metzler, Chef und Gründer des Raumfahrtunternehmens Isar Aerospace, ist der erfolgreiche Testflug eine wichtige Bestätigung. Rückschläge schrecken ihn nicht.















