Nach monatelangen Verzögerungen: Die Deutsche Isar-Aerospace-Rakete ist erfolgreich ins All gestartetEs ist ein grosser Schritt für Europas Raumfahrtindustrie: Ein erst 2018 gegründetes bayerisches Start-up schiesst beim zweiten Test eine Rakete ins All.06.09.2026, 01.53 Uhr3 LeseminutenDie Spectrum-Rakete erreichte nach knapp vier Minuten Flugzeit das All.Isar Aerospace/Franziska Kegel/Handout(dpa) Die Spectrum-Rakete des deutschen Herstellers Isar Aerospace ist erfolgreich zu ihrem zweiten Testflug ins All gestartet. Die Rakete hob um 22 Uhr 12 vom norwegischen Weltraumbahnhof Andöya ab, wie auf einem Livestream zu sehen war. Nach zehn Minuten riss die Videoübertragung zum Boden ab, nachdem die Rakete die maximale Reichweite der Verbindung überschritten hatte. Beim ersten Versuch im März 2025 war die Rakete nach 30 Sekunden abgestürzt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das in Ottobrunn bei München ansässige Unternehmen feierte damit nach monatelangen Verzögerungen und viermaliger Verschiebung des zweiten Testflugs einen grossen Erfolg. Laut Angaben der Moderatoren bei der Live-Übertragung erreichte die Rakete knapp vier Minuten nach dem Start eine Flughöhe von etwa 100 Kilometern über dem Erdboden. Sie überschritt damit die sogenannte Karman-Linie, die die gedachte Grenze zum All markiert. Bei der Live-Übertragung zu sehen war unter anderem das Abstossen der ersten Stufe. Als Nutzlast hatte die Spectrum-Rakete fünf wissenschaftliche Satelliten mehrerer Universitäten und ein wissenschaftliches Experiment geladen. Ob auch die Satelliten erfolgreich in die Umlaufbahn ausgesetzt wurden, war nicht unmittelbar klar.Ursprünglich hätte die Spectrum-Rakete bereits im Januar abheben sollen. Doch der erste Termin wurde wegen eines defekten Ventils verschoben. Beim zweiten Anlauf im März kam ein norwegischer Fischer dazwischen, der mit seinem Boot die Sicherheitszone in den Gewässern vor der Startbasis nicht rechtzeitig verlassen hatte. Im April wurden die Startvorbereitungen wegen eines leckenden Druckbehälters abgebrochen, im Juni gab es erneut ein Problem. Isar Aerospace will in diesem Jahre weitere Starts folgen lassen, der Bau der dritten Spectrum-Rakete ist bereits weit fortgeschritten.Der Start im norwegischen Andöya verlief nach monatelangen Verzögerungen ohne Probleme.Isar Aerospace/Franziska Kegel/HandoutErfolg des Unternehmens von strategischer Bedeutung für EuropaDie Spectrum soll nach der Serienreife zivile und militärische Satelliten in erdnahe Umlaufbahnen wenige hundert Kilometer über dem Erdboden bringen. Geplant ist die Produktion von 40 Raketen im Jahr. Sowohl die deutsche Regierung als auch die EU und andere europäische Staaten haben ein strategisches Interesse am Erfolg des Unternehmens mit seinen gut 400 Mitarbeitern. Isar Aerospace hat laut Firmenangaben bislang über eine halbe Milliarde Euro Investorengelder eingeworben. Zuletzt hatte das Jungunternehmen einen Vertrag über 200 Millionen Euro mit der Europäischen Weltraumbehörde ESA unterzeichnet – Teil eines ESA-Programms, das die Entwicklung europäischer Trägerraketen beschleunigen soll.Abhängigkeit von US-Technik und SpaceX soll schwindenGrund ist die derzeitige weitgehende Unfähigkeit Europas, Satelliten mit eigener Technik ins All zu schiessen. Seit langem wird die grosse Mehrheit der europäischen Satelliten von SpaceX ins All befördert. Das ist bei europäischen Raumfahrtunternehmen nicht zuletzt deswegen unpopulär, weil die Auftraggeber in den USA die technischen Spezifikationen ihrer Satelliten offenlegen müssen. Laut Angaben von Isar Aerospace starteten die USA im vergangenen Jahr 198 Raketen, Europa lediglich acht.Rund 60 Prozent der Anfragen an Isar Aerospace kommen mittlerweile aus dem militärischen Bereich, wie Vorstandschef Daniel Metzler im Frühjahr berichtet hatte. Laut dem Unternehmen ist Isar Aerospace jetzt schon mit Aufträgen über mehrere hundert Millionen Dollar bis zum Jahr 2028 ausgebucht, obwohl die Rakete nicht serienreif ist. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte das Gelände in Andöya am 13. März gemeinsam mit dem norwegischen Regierungschef Jonas Gahr Støhre besucht.Grössere Nutzlasten wird die bayerische Spectrum-Rakete jedoch auch dann nicht befördern können, wenn sie eines Tages die Serienreife erreicht. Das kann bisher nur die französisch-deutsche ArianeGroup, die in diesem Jahr insgesamt sieben bis acht Raketen des jahrelang verzögerten Typs Ariane 6 starten lassen will. Bisher gab es nach Zählung des Fachportals «European Spaceflight» vier Ariane-Starts in diesem Jahr. Anders als die Spectrum ist die Ariane eine grosse Trägerrakete, die weit schwerere Nutzlast auch in geostationäre Umlaufbahnen knapp 36 000 Kilometer über dem Erdboden befördern kann.Passend zum Artikel