In Halle gingen zwei Wahlkreise an Kandidaten der Linken. Warum die Freude am Tag nach dem AfD-Erfolg trotzdem getrübt ist.

Wenn Mamad Mohamad über den Ausgang der Landtagswahl spricht, dann fällt oft das Wort „hätte“. Am Montagmittag sitzt er in einem Hinterhof in Halle an der Saale, vor sich einen Laptop, daneben das Handy. Mohamad ist Geschäftsführer des Landesnetzwerks der Migrantenorganisationen in Sachsen‑Anhalt. Am Sonntag ist er über die Liste der Grünen in den Landtag gewählt worden. Aber freuen könne er sich nicht, sagt Mohamad.

Neben dem Grünen-Politiker steht ein Handystativ. Eigentlich wolle er die ganze Zeit schon ein kurzes Video aufnehmen, um die Wahl einzuordnen. Aber das hat noch nicht geklappt. Den ganzen Tag spreche er schon mit Menschen, die ihn fragen, wie es jetzt für sie weitergehe. Viele seien verunsichert. Sollen sie ihre Koffer packen? Ihren Laden schließen? Lohnt sich ihr Schulabschluss noch, wenn die AfD ihn ohnehin aberkennt?

Mohamad schüttelt den Kopf und seufzt. „Eigentlich haben wir etwas Tolles geschafft.“ Seine Partei stand vor wenigen Monaten in Umfragen noch bei 3 Prozent. Jetzt hat sie beinahe 9 Prozent bekommen. Er schaut kurz zu Boden. „Dass bei der AfD vorn eine 4 steht, das tut sehr weh.“