Stabil einstellig – das ist nicht unbedingt eine Erfolgsmeldung. Bedenkt man aber, dass die CDU mehr als halbiert wurde, und ein SPD-Ergebnis unter zehn Prozent schon fast das neue Normal darstellt dann steht die Verbesserung der Grünen um die Hälfte auf knapp neun Prozent in anderem Licht dar. Die nur verhaltene Freude der Parteiführung ist freilich verständlich: Es ist nicht ganz einfach, Schlüsse daraus zu ziehen nach einer Wahl, in der es offenbar vollkommen egal war, wen die AfD in den Wahlkreisen aufstellte – sie fuhr fast alle haushohe Siege ein.Was die Grünen könnenDen Grünen gelang es offenbar, sich gezielt als Alternative zu einer Machtübernahme durch die Alternative ins Spiel zu bringen. Auch das ist eine Leistung in der Diaspora. Eine Leistung, die freilich auch nicht ohne Weiteres etwa auf Mecklenburg-Vorpommern übertragbar ist, denn dort regiert eine recht populäre SPD-Ministerpräsidentin. Immerhin schaffen es die längst etablierten Grünen, wie nicht zuletzt Baden-Württemberg zeigt, auch Konservative anzuziehen.Das ist aber nur dann von Erfolg gekrönt, wenn man Kurs hält. Deswegen verwundert die Aussage von Ministerpräsident Cem Özdemir, das Ergebnis von Sachsen-Anhalt bedeute für alle demokratischen Kräfte, „dass nichts mehr bleiben kann, wie es ist“. Nein. Gerade jetzt darf nicht panisch alles über den Haufen geworfen werden. Gerade jetzt zeigt sich, wer über Werte und einen Kompass verfügt. Der wird auch die Oberhand behalten gegen jene, die alles infrage stellen.