Das BSW in Sachsen-Anhalt ist stramm auf Linie von Parteigründerin Sahra Wagenknecht – die eine Koalition mit den etablierten Parteien strikt ablehnt, aber nicht jede Form der Zusammenarbeit mit der AfD ausschließt. Nach einigen Querelen im vergangenen Jahr setzte sich dieses Lager im Land durch; Teile des Landesvorstands traten danach ab.Wer blieb: Spitzenkandidat und Landeschef Thomas Schulze und sein Ko-Landesvorsitzender John Lucas Dittrich. Beide sind nun in den Landtag eingezogen, so wie drei weitere BSW-Kandidaten. Der kleinsten Fraktion im künftigen Landtag fällt eine Schlüsselrolle bei der Regierungsbildung zu. Wer sind die fünf Abgeordneten?Thomas SchulzedpaThomas SchulzeDer Merseburger, Jahrgang 1964, war einer der Spitzenkandidaten für das BSW. Er leitet eine Landeserstaufnahmeeinrichtung in Stendal, zuvor hatte er Stationen in der Geschäftsstelle einer Justizvollzugsanstalt und als Restaurantleiter. Gelernt hatte er in der DDR Koch. Schulze setzte im Wahlkampf thematisch auf Meinungsfreiheit und die Stärkung des ländlichen Raums. Bei der Friedenspolitik liegt er ganz auf Wagenknechts Linie, zu deren Team er sich im Machtkampf im Landesverband loyal verhielt. Er will eine Außen- und Sicherheitspolitik, „die auch in der Lage ist, russische Sicherheitsinteressen mitzudenken“.Claudia WittigdpaClaudia WittigDie 43 Jahre alte Historikerin lehrt an der Martin-Luther-Universität in Halle. Dieses Arbeitsumfeld gab ihr auch den Anstoß, sich politisch beim BSW zu engagieren. Sie findet, dass es um Wissenschaftsfreiheit nicht gut bestellt sei, etwa, weil sie dort in einen Konflikt geriet, als sie eine Veranstaltung zu Gaza organisierte. Ihr Leib- und Magenthema sei die Debattenkultur. Die müsse besser werden. Der F.A.Z. hatte sie im Wahlkampf gesagt, eine Koalition mit der AfD sehe sie „nicht kommen“. Nun teilte sie mit, „zunächst Gespräche mit allen“ zu führen. Wittig war vor ihrer Ko-Spitzenkandidatur beim BSW eine Zeitlang bei der Linken aktiv gewesen. Sie hatte sich auch schon einmal beim Auswärtigen Amt um eine Stelle beworben – den Test bestand sie aber nicht. Nach eigenen Angaben fiel sie bei einer Analyse der BRICS-Staaten durch, so erzählte sie es der „Mitteldeutschen Zeitung“.Margitta KriebelBSW Landesverband Sachsen-AnhaltMargitta KriebelAuf Listenplatz drei steht Margitta Kriebel. Sie ist laut einem Bericht der „Mitteldeutschen Zeitung“ Diplom-Forstingenieurin und kommt aus dem Landkreis Börde. Sie ist bisher kaum politisch in Erscheinung getreten. Auf dem Internetauftritt des BSW gibt es ebenfalls keine Informationen über sie.Michael ReimBSW Landesverband Sachsen-AnhaltMichael ReimMichael Reim, Jahrgang 1983, hatte kaum politische Vorerfahrung, bevor er zum BSW kam. Bei seiner Bewerbung um einen Listenplatz gab er an, zuvor sogar immer „ungültig“ gewählt zu haben. Denn der IT-Berater ist mit den anderen Parteien unzufrieden. Einen Schwerpunkt legt er auf die Friedenspolitik des BSW. Er pflege internationale Freundschaften und sehe, „wie machtlos der durch die etablierte Politik gesäte Haß doch ist, wenn Menschen entgegen der dummen Parolen ganz überwiegend trotzig weiter am Ziel der Völkerverständigung festhalten“. Nach eigenen Angaben hat er vier Kinder.John Lucas DittrichdpaJohn Lucas DittrichEine besondere Erscheinung ist der gerade einmal 22 Jahre alte John Lucas Dittrich, der bereits Landesvorsitzender des BSW in Sachsen-Anhalt ist. Der Lehramtsstudent für die Fächer Deutsch und Sozialkunde an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg hat sich einen „Signature look“ zugelegt: Dittrich trägt sein langes Haar zum Zopf gebunden und präsentiert sich gern in hellen Anzügen mit weißem Rollkragenpullover. Von 2018 bis 2023 war er Mitglied in der Linkspartei und dort auch im Bundesausschuss.Im Oktober 2023 verließ Dittrich die Partei gemeinsam mit Wagenknecht und war Gründungsmitglied des BSW. Dittrich gilt bis heute als treuer Gefolgsmann von Wagenknecht. Er leitete auch den Parteitag des sachsen-anhaltischen BSW Ende 2025 im Sinne der Parteigründerin, auf dem die mit dem Thüringer Kurs sympathisierenden Strömungen aus ihren Führungsämtern gedrängt wurden. Der gebürtige Magdeburger trat dabei selbstbewusst auf und ging taktisch geschickt gegen die Wagenknecht-Gegner vor.