Nach der Zeitenwende von Magdeburg: Zwei Parteien, zwei Welten in der Bundespressekonferenz

Nach dem Urnengang in Sachsen-Anhalt prägen zwei Haltungen die Hauptstadt: Die Siegerpartei tritt selbstsicher auf, während die Linke nach ihrer Basis sucht. Grüne, SPD und CDU schweigen eisern.

Wer an diesem Montag in der Bundespressekonferenz zwischen zwei Welten pendeln wollte, brauchte dafür nur anderthalb Stunden Geduld und denselben Saal. Um 10.15 Uhr betrat die AfD-Spitze ein Podium, vor dem sich Kamerateams drängten und Journalisten auf den hinteren Plätzen die Köpfe reckten. Um 11.45 Uhr, als die Linke denselben Raum bespielte, war das Publikum merklich ausgedünnt. Die Stuhlreihen hatten Lücken, die Kameras waren weniger geworden. Selten hat die Architektur einer Pressekonferenz die Kräfteverschiebung in der deutschen Politik so beiläufig und doch so unerbittlich abgebildet wie an diesem Tag nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.Bemerkenswert war dabei nicht nur der Kontrast zwischen den beiden Auftritten, sondern auch das, was fehlte. Denn es waren ausgerechnet nur diese beiden Parteien, die den Weg in die Bundespressekonferenz fanden: die mit 43,8 Prozent und einem Plus von 23 Punkten triumphierende AfD – und die mit einem Minus von 2,4 Punkten auf 8,4 Prozent zurückgefallene Linke, die mit diesem Ergebnis durchaus zu den Wahlverlierern des Abends zählt, sich aber mit drei gewonnenen Wahlkreisen gegen den Abwärtstrend stemmte. CDU, SPD und Grüne verzichteten an diesem Morgen vollständig auf diese öffentliche Plattform. Keine Analyse, keine Erklärung, kein Auftritt vor der versammelten Hauptstadtpresse. Die drei Parteien, die zusammen die Bundesregierung und den größten Teil der bisherigen Landesregierung in Sachsen-Anhalt stellten, überließen die Deutungshoheit über den Wahlabend kampflos jenen, die sich als Gewinner beziehungsweise als entschlossenste Opposition verstanden wissen wollten.