Was macht es mit einem Ort, wenn Nachbarn nicht mehr miteinander reden können, weil die eine Hälfte AfD wählt und die andere angstvoll schweigt? Ein Heimatbesuch.

A n der Bushaltestelle in Eimersleben hält in der Regel kein Bus in den nächstgrößeren Ort. Nur der Schulbus fährt hier regelmäßig, morgens und mittags, an Werktagen. Wer Arzttermine wahrnehmen will, einkaufen oder zum nächsten Bahnhof muss, fährt selbst. So wie immer. Schon immer.

Etwa 475 Menschen leben hier, im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt. Eine Bockwindmühle von 1848 steht westlich des Dorfes auf einer Anhöhe, und die Bundesstraße 1 führt mitten durch den Ort, als wäre das Dorf ein Zwischenstopp auf dem Weg von Braunschweig nach Magdeburg. Für einige Menschen ist er das vielleicht auch.

Es gibt keinen Supermarkt, keinen Bäcker, keine Dorfkneipe. Nur im Sportlerheim trifft man sich hin und wieder sonntags ab 10 Uhr morgens auf ein Bier, liest Bild-Zeitung oder redet über das Leben, die Familie und den Sport. Das ist der Mittelpunkt, wenn es einen gibt. Wer mehr braucht, fährt weg. Wer bleibt, bleibt, weil es halt Zuhause ist.

Die besagte Bushaltestelle kenne ich gut. So gut, wie man eben einen Ort aus der Kindheit kennt. Ich bin hier aufgewachsen, in Eimersleben, einem Ortsteil der Gemeinde Ingersleben. Es war eine schöne Kindheit. Die Leute waren nett zueinander, es gab Dorffeste, einen Sportverein und eine Freiwillige Feuerwehr, bei der sich das halbe Dorf regelmäßig traf und bei Wahlen seine Stimme abgab. So auch diesmal.