Der erste Band steht immer noch auf der Bestsellerliste: Das Kochbuch „Simple“ von Yotam Ottolenghi und seinem Test-Kitchen-Team hat sich allein im deutschsprachigen Raum mehr als eine halbe Million Mal verkauft. An diesem Donnerstag, fast genau auf den Tag acht Jahre später, erscheint die Fortsetzung: „Simple Too“.Statt einer sind nun zwei Zitronen auf dem Cover – „Zitrone bringt Gerichte für mich zum Singen“, hat Ottolenghi mal der „New York Times“ gesagt. Und auch der Preis ist mehr geworden. 34,95 Euro muss man für „Simple“ bezahlen. Bei „Simple Too“ sind es – trotz fast gleich vieler Gerichte – 5 Euro und fünf Cent mehr.40 Euro für ein Kochbuch – das kann Ottolenghi verlangen, weil er nicht nur einer der beliebtesten Köche der Welt ist, sondern, mit oft großem Abstand, auch einer der besten Kochbuchautoren.Vier Jahre hat er an „Simple Too“ gearbeitetDas Genre ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht. Viele Kochbücher leiden unter einer unübersichtlichen Aufmachung, schlechter Bilder, viel zu viel Blabla und Gerichten, die völlig unrealistisch sind. Oft werden die Bücher ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht, weil der Autor oder die Autorin versucht hat, sie schnell nebenbei zu schreiben.Liebt Zitronen, Knoblauch und Olivenöl: Starkoch Yotam Ottolenghi.Jonathan LovekinOttolenghi betreibt das Verfassen von Kochbüchern dagegen mit großer Ernsthaftigkeit. Obwohl der 57-Jährige als Unternehmer mit Restaurants, Feinkostläden und einer „Guardian“-Kolumne noch tausend andere Dinge zu tun hat. Vier Jahre haben er und sein Team in seiner Testküche im Norden von London an „Simple Too“ gearbeitet. 135 Rezepte sind dabei entstanden.Sie halten, was der Titel des Buchs verspricht. Auch wenn man für die meisten von ihnen deutlich länger braucht als angegeben. Für die „Wochenend-Pfannkuchen mit Dattelsirup-Butter“ etwa benötige ich eine halbe Stunde anstatt zehn Minuten. In einem Interview mit der F.A.Z. hat Ottolenghi gerade erst erklärt, dass die Zeitangaben in seinen Büchern oft grobe Schätzungen sind – zu weit sei er als Profi von den Hobbyköchen im Alltag entfernt. Das merkt man bei „Simple Too“.Auch Ottolenghi hat oft nur noch Reste im KühlschrankIm Vorwort versucht Ottolenghi sich trotzdem als „einer von uns“ vorzustellen, als jemand, der oft nur noch Reste im Kühlschrank hat (bei ihm sind die Reste eben hausgemachte Salsa, Frühlingszwiebelöl und selbst eingelegte Auberginen) und oft schnell etwas kochen muss: „Ich bin Vater, Sohn, Freund, Kollege. Ich bin jemand, der Dienstagabends um sieben Hunger hat und eine Antwort braucht auf die Frage ‚Was essen wir?‘.“Die Gerichte aus „Simple Too“ sehen auch in der eigenen Küche gut aus. Hier das „Kräuter-Sodabrot mit Za'atar“ vor dem BackenSarah Obertreis„Simple Too“ schlägt dann zum Beispiel einen „Salat aus geröstetem Mais“ vor, „Süßkartoffel-Fritters“ – also vegetarische Frikadellen – oder gebackene „Za'atar-Tomaten mit Mascarpone“. Das alles schmeckt wirklich sehr gut und sieht im echten Leben auch fast genauso ansprechend aus wie auf den Fotos von Jonathan Lovekin, der schon die Bilder für „Simple“ gemacht hatte.Aber es gibt auch Gerichte, die nicht gelingen wollen und die es nicht wert sind, dass man – typisch Ottolenghi-Rezept – vier Lebensmittelmärkte abklappern muss, bevor man die eine fehlende Zutat findet. Der „Kokosspinat mit Scotch Bonnet und Eiern“ bleibt auch nach dreifacher Kochzeit wässrig und klumpig. Selbst die Eier schaffen es nicht, zu stocken. Die „Frühstückskartoffeln“ sind am Ende zu hart und zu weich gleichzeitig. Und sie triefen vor Öl, ohne Geschmack entwickelt zu haben.Zu ölig, zu käsig oder zu süßGenerell sind viele Gerichte einen Tick zu ölig, zu käsig oder zu süß. Nimmt man jeweils ein Drittel weniger, schmecken sie noch besser und entsprechen eher dem Anspruch, den Ottolenghi an seine Mitmenschen hat: gesünder zu essen. Überhaupt bewusster zu leben und statt der eigenen Handysucht wieder mehr soziale Beziehungen zu pflegen. „Simple Too“ präsentiert Kochen als Auszeit vom ständigen Onlinesein und aufs Smartphoneschauen. Ottolenghi schreibt von „allgemeiner Hektik“ und von der Sehnsucht nach Entspannung.„Simple“ klang dagegen mehr nach humorvoller Praktikabilität. Der Starkoch ist nämlich gar nicht schlecht darin, über sich selbst zu lachen: „Falls jemand jetzt ins Grübeln kommt: Nein, ‚Simple – Das Kochbuch‘ ist kein Widerspruch in sich!“, schrieb er 2018. „Ich habe die Witze gehört. Etwa den über den Leser, der glaubte, ein Rezept sei unvollständig, weil er alle erforderlichen Zutaten schon im Haus hatte. Oder diesen hier: ‚Ich geh mal schnell zum Laden um die Ecke, die Zeitung, Milch, schwarzen Knoblauch und Sumach holen.‘“Acht Jahre später ist Ottolenghi, was die Zutaten betrifft, etwas milder geworden. Der F.A.Z. hat er gerade gesagt: Es störe ihn gar nicht, wenn man bei seinen Rezepten auch mal etwas weglasse.Ottolenghi verwendet für seine Version der „Parmigiana“ Kürbis statt Aubergine.DK Verlag/Jonathan LovekinRezept für Butternuss-„Parmigiana“Vorbereiten: 20 MinutenGaren: 50 MinutenZutaten für 4 Personen:- 1 großer Butternuss-Kürbis (etwa 1,3 kg), ungeschält längs halbiert und entkernt- 105 ml Olivenöl- 4-5 Eiertomaten, gerieben, Häute entsorgt (380 g)- 1 EL Tomatenmark- 1 kräftige Prise gemahlener Piment- 1⁄2 TL gemahlener Kreuzkümmel- 1 kräftige Prise gemahlener Zimt- 1⁄4 TL Zucker- 25 g Panko- 1 Knoblauchzehe, zerdrückt- 2 TL Za'atar- 4 Stengel Oregano, plus ein paar Blätter zum Garnieren- 125 g Taleggio (oder Brie/Mozzarella), dünn geschnitten- feines Meersalz- schwarzer PfefferZubereitung:1. Den Backofen auf 220 °C (Umluft) vorheizen.2. Die Kürbishälften in je drei lange Spalten schneiden und diese in eine große hohe Auflaufform legen. Rundherum mit 2 EL Öl, 1⁄2 TL Salz und nicht zu wenig Pfeffer einreiben. Das Ganze etwa 35 Minuten im Ofen backen, bis die Kürbisspalten gebräunt und durchgegart sind.3. In einer kleinen Schüssel die Tomaten mit Tomatenmark, Gewürzen, Zucker, 3 EL Öl, 2 EL Wasser und 1⁄2 TL Salz mischen. Beiseitestellen.4. In einer zweiten Schüssel Panko mit Knoblauch, 1⁄2 TL Za'atar und 1 EL Öl mischen.5. Den Kürbis aus dem Ofen nehmen und mit Tomatensauce angießen, die Oreganostengel dazwischenstecken. Den Käse gleichmäßig auf dem Kürbis verteilen, mit der Panko-Mischung bestreuen und mit dem restlichen Öl (1 EL) beträufeln. Den Auflauf noch 10–15 Minuten im Ofen garen, bis alles gebräunt ist und die Sauce brodelt. Mit dem restlichen Za'atar (1½ TL) sowie den Oreganoblättern bestreuen und servieren.
Yotam Ottolenghi: Simple Too im Kochbuch-Test
Sein erster Band wurde weltweit millionenfach verkauft. Nun ist das Kochbuch „Simple Too“ von Yotam Ottolenghi erschienen. Es hält fast alles, was es verspricht.








