Wie kleine Uhrenmarken wie MB&F oder Vanguart die Branche aufmischenUnabhängige Hersteller begeistern mit ungewöhnlichen Entwürfen und ziehen selbst die amerikanische Tech-Elite an. Den etablierten Häusern fehle dagegen oft der Mut zum kalkulierten Risiko, sagt der Präsident der Geneva Watch Days.05.09.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenWer kaufen darf, entscheidet das Los: die neue M.A.D.3 von Max Büsser.PDWas Max Büsser herstellt, läuft kaum Gefahr, zum Ladenhüter zu werden. Der Schweizer Gründer von MB&F – kurz für Maximilian Büsser and Friends – gehört zu den bekanntesten Köpfen der unabhängigen Uhrenszene. Seine futuristischen, sogenannten Horological Machines erinnern an Flugzeuge, Rennwagen oder Roboter. Die runden Legacy Machines interpretieren die traditionelle Uhrmacherei auf eigenwillige Weise. Beide Linien kosten fünf- bis sechsstellige Beträge.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Büssers M.A.D. Editions sind günstiger und weniger exzentrisch. Wie begehrt die Uhren sind, zeigt sich dieser Tage an der Messe Geneva Watch Days. Dort hat er die M.A.D.3 vorgestellt. Sie kostet 2900 Franken. Interessenten hinterlegen ihre Zahlungsdaten; dann entscheidet das Los, wer eines der rund 1500 Exemplare erhält. Am Freitagmorgen lagen bereits 10 500 Anmeldungen vor. Die Frist endet am Montag um 15 Uhr.Mit ihrem runden, rund 40 Millimeter grossen Gehäuse wirkt die M.A.D.3 beinahe konventionell. Ungewöhnlich ist die Zeitanzeige: Die Stunde erscheint in einem Fenster, das über das Zifferblatt wandert; seine Position gibt zugleich die Minuten an. Die Idee stammt von Vincent Calabrese, der sie 1990 für sein Modell Baladin entwickelte. Die M.A.D.3 ist eine Hommage an den heute 82-jährigen unabhängigen Uhrmacher.An der siebten Ausgabe der Geneva Watch Days, die noch bis Sonntag dauert, nehmen 71 Marken teil. Anders als an der Watches and Wonders im Frühling stehen hier nicht Rolex, Patek Philippe und Co. im Vordergrund, sondern viele kleine Independents und Mikromarken. Zu den wenigen grossen Teilnehmern gehören die Messemitgründer Bulgari, Breitling und Ulysse Nardin.Der Erfolg des Uhrenunternehmers Max Büsser steht beispielhaft für die Polarisierung der Branche. Während die Nachfrage nach Schweizer Uhren insgesamt schwächelt und die Exportmenge binnen zehn Jahren auf gut die Hälfte geschrumpft ist, können einzelne unabhängige Marken längst nicht alle Interessenten beliefern.Im obersten Preissegment sorgt auch die amerikanische Tech-Elite für Schub. Der Meta-Gründer Mark Zuckerberg trägt inzwischen Uhren von exklusiven Westschweizer Manufakturen wie F. P. Journe, Greubel Forsey oder De Bethune. Der Open-AI-Chef Sam Altman bestellte laut dem «Wall Street Journal» beim kleinen Genfer Hersteller Vanguart sieben Sonderanfertigungen des Modells Orb – eine für sich und sechs für Mitarbeitende. Schon das Basismodell kostet 180 000 Franken.Ein Schaufenster für unabhängige Uhrenhersteller: An den Geneva Watch Days in Genf präsentieren sich dieses Jahr 71 vorwiegend kleine Marken.PDDoch Originalität gibt es auch zu günstigeren Preisen. Marken wie Farer, Studio Underdog, Christopher Ward oder Kollokium verbinden ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis mit markantem Design. Dieses kann modern und überraschend sein, aber ebenso gut klassisch.Ein Beispiel für Letzteres ist Furlan Marri. Die junge Genfer Marke stellt Uhren her, die aussehen wie edle Chronografen der 1940er Jahre. Dass sie dennoch nur 600 bis 700 Franken kosten, liegt am Mechaquarz-Werk: Es verbindet ein batteriebetriebenes Quarzwerk mit einem mechanischen Modul, das den Chronografen- und den Sekundenzeiger fliessend laufen lässt. So spricht Furlan Marri Menschen an, die Uhrenklassiker mögen, sich diese aber (noch) nicht leisten können – oder sie aus Angst vor Diebstahl nicht öffentlich tragen wollen.Jean-Christophe Babin, Mitgründer und Präsident der Geneva Watch Days, hält junge Marken für äusserst wichtig. Sie seien meist innovativer, engagierter und risikofreudiger als etablierte Häuser. Deshalb biete man ihnen mit dieser Messe ein günstiges Schaufenster.Babin war bis Ende Juni CEO von Bulgari und ist heute Verwaltungsratspräsident der Marke, die zu LVMH gehört. Unter seiner Ägide machte sich die Schmuckmarke mit innovativen Uhrenmodellen einen Namen. Babin rät den grossen Marken, sich von kleinen etwas abzuschauen. Etablierte Häuser seien naturgemäss risikoscheuer, könnten es sich aber leisten, mehr zu wagen.«Die Kosten eines Misserfolgs sind sehr viel kleiner als der mögliche Gewinn eines Erfolgs», sagt er. Das Luxusgeschäft arbeite mit hohen Margen: Komme ein Modell nicht an, lasse sich die Produktion stoppen, ohne dass ein einzelner Fehlgriff die Marke gefährde. Stillstand sei gefährlicher.Entscheidend ist für Babin allerdings die Unterscheidung zwischen Ergänzung und Ersatz. Eine gewagte Idee solle zunächst zusätzlich zum bestehenden Sortiment lanciert werden, statt einen Bestseller zu verdrängen. So lasse sich die Nachfrage testen, ohne das Kerngeschäft zu gefährden. Als warnendes Beispiel nennt Babin den Sportwagenhersteller Porsche, der den Verbrenner-Macan durch ein Elektromodell ersetzte – und nun die Baureihe mit Milliardenaufwand wieder durch einen Verbrenner ergänzt.Besonders beschäftigt Babin die junge Käuferschicht. «Wir haben eine Generation, die extrem gut ausgebildet ist, aber wenig Geld hat», sagt er. In den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren werde jedoch viel Vermögen von den Babyboomern an Millennials oder Angehörige der Generation Z übergehen. Viele könnten sich dann plötzlich auch eine teure Uhr leisten.Wie können Luxusmarken sie schon heute erreichen, ohne ihre Positionierung zu verwässern? Mode- und Schmuckhäuser haben oft Parfums oder Kosmetik als Einstiegsprodukte. Uhrenmarken fehlt eine solche erschwingliche Kategorie.Umso mehr überzeugt Babin die Zusammenarbeit von Audemars Piguet (AP) und Swatch, die im Mai lanciert wurde. Die Royal Pop verbindet ab 350 Franken die Formensprache des Modells Royal Oak von AP mit der modularen Pop-Idee von Swatch.Die meistbeachtete Lancierung des Jahres: die Royal Pop, eine Kollaboration von Audemars Piguet und Swatch.Lisi Niesner / ReutersBabin nennt sie «brillant». Die Kooperation habe enorme Aufmerksamkeit erzeugt, ohne die Identität von AP zu beschädigen. Und Swatch profitiere von der Begehrlichkeit der Royal Oak. Für Babin ist die Royal Pop beispielhaft: Sie ersetzt keinen Klassiker, sondern überträgt dessen Reiz auf ein neues Produkt für ein neues Publikum.Dass dies gelingen kann, zeigt auch Max Büsser. Die M.A.D. war ursprünglich als Dankeschön für Lieferanten und Sammler gedacht, die MB&F unterstützt hatten – nicht als neues Geschäft. Inzwischen erreicht Büsser mit der erschwinglicheren Linie sein grösstes Publikum.Passend zum Artikel
Geneva Watch Days 2026: Warum kleine Uhrenmarken so gefragt sind
Unabhängige Hersteller begeistern mit ungewöhnlichen Entwürfen und ziehen selbst die amerikanische Tech-Elite an. Den etablierten Häusern fehle dagegen oft der Mut zum kalkulierten Risiko, sagt der Präsident der Geneva Watch Days.








