Beim Branchentreffen in Genf legt die Uhrenindustrie die Richtung für das ganze Jahr fest. Die vergangenen zwölf Monate waren von einer mittelmäßigen Nachfrage geprägt. Die meisten Manufakturen entwickeln diesmal Klassiker weiter.Die Messe Watches and Wonders ist für die Uhrenindustrie der bei weitem bedeutendste Termin des Jahres. Beinahe alle großen Hersteller präsentieren hier in Genf ihre wichtigsten Neuheiten des Jahres. Was früher erst im Herbst in die Geschäfte kam, ist nun zumindest theoretisch in der Regel sofort verfügbar – manche Manufakturen kommen mit der Produktion besonders gefragter Modelle nicht hinterher. Darüber hinaus fungiert das Event auch als Nachrichtenbörse und Möglichkeit, mit vielen Verantwortlichen zusammenzukommen. Was der Marktführer Rolex vorlegt, lesen Sie hier.Hier die wichtigsten Uhren des Jahres 2026: Patek Philippe Cubitus 5840P-001Die Manufaktur feiert in diesem Jahr 50 Jahre ihres Erfolgsmodells Nautilus. Wie erwartet gibt es dazu limitierte Editionen. Weitaus überraschender aber ist, was Marken-Präsident Thierry Stern als Neuheit der Cubitus-Kollektion präsentiert: Mit einem Ewigen Kalender zeigt er, wie vielfältig sich die neueste Kollektion des Hauses präsentieren kann. Von schlichter Dreizeigeruhr hin einer Uhr wie dieser, mit großer Komplikation. Das skelettierte Kaliber trifft auf ein durchbrochenes Zifferblatt, dessen Liniendekor mit dem quadratischen Gehäuse harmoniert und mit der Ästhetik geschlossener Cubitus-Blätter spielt. Dieser Anblick ist fast noch spektakulärer als der anspruchsvolle Kalender-Mechanismus. Dazu kombiniert man bei Patek Philippe einen Großmond-Mechanismus, in dem sich der Betrachter verlieren kann. Es ist davon auszugehen, dass diese 173.816-Euro-Uhr von der Uhrengemeinschaft kontrovers diskutiert werden wird. Ebenso fest steht: Dieser Look ist neu. Und die 45-Millimeter-Uhr ein starkes Statement.Vacheron Constantin „Overseas Automatik extraflach“Die „Overseas“ ist eine der populärsten Kollektionen des Genfer Hauses – und genau diese Produktfamilie wird nun um ein ganz besonderes Modell erweitert: Eine auf 270 Exemplare limitierte, aus Platin gefertigte, extraflache Edition. Diese fällt mit ihrer schlanken Silhouette ebenso auf wie mit ihrem lachsfarben satinierten Zifferblatt. Das Gehäuse mit einem Durchmesser von 39,5 Millimetern beherbergt ein lediglich 2,4 Millimeter hohes Uhrwerk mit einer Kombination aus Mikrorotor, schwebendem Doppelfederhaus und kompaktem Räderwerk auf einer Ebene. Es macht dieses Modell zur flachsten „Overseas“, die je die Boutiquen erreicht hat. Man muss also nicht einmal um die Popularität von hellen Metallen in Kombination mit roséfarbenen Zifferblättern wissen, um zu ahnen: Diese schlichte Zweizeiger-Uhr wird bei Sammlern große Begehrlichkeiten auslösen.Chopard „L.U.C 1860 Chronometer“Ein eisblaues Statement. Dies ist nicht die lauteste Neuheit aus dem Unternehmen von Familie Scheufele. Aber es ist eine der schönsten, am besten ausgewogenen Dreizeigeruhren auf dem Markt: Stahlgehäuse mit 36,5 Millimeter Durchmesser, ein vom Fluss Areuse inspirierter Blauton als Zifferblattfarbe, und dieses Blatt ist von Hand guillochiert und hat eine kleine Sekunde auf sechs Uhr. Dazu passt das graue Armband aus genarbtem Kalbsleder perfekt. Noch wichtiger aber: Dieser Zeitmesser feiert 30 Jahre Chopard-Manufaktur in Fleurier, und selbst ein Hingucker wie dieses Modell kann mit seinen Proportionen und Farbcodes den Kraftakt kaum ausdrücken, der nötig war, um eine Werkstätte dieser Qualität aus dem Nichts zu erschaffen. Aber ein Blick auf das Uhrwerk mit Schwanenhalsfeinregulierung und Stoppsekundenfunktion hilft. L.U.C Modelle aus Fleurier gelten aus gutem Grund heute als mindestens ebenbürtig mit den Konkurrenten.Lesen Sie auchGrand Seiko „Spring Drive U.F.A. Ushio 300 Diver“Geben wir uns bei dieser Gelegenheit nicht Binsenweisheiten über den immer pünktlichen Shinkansen-Schnellzug hin, über die berühmt-berüchtigte japanische Disziplin und eine fest in der Kultur verankerte Sehnsucht nach Perfektion. Oh, schon zu spät! Halten wir also fest: Dass in dieser Uhr verbaute „Ultra Fine Accuracy“-Kaliber setzt in Sachen Ganggenauigkeit Maßstäbe. Seine jährliche Abweichung beträgt gerade einmal +/- 20 Sekunden! Was rund drei Sekunden pro Monat entspricht. Andere Uhren schaffen das, und noch wesentlich mehr, an einem einzigen Tag. Das Kaliber mit dem Grand-Seiko-eigenen Antrieb mit Quarzoszillator bringt die Vorteile von Quarz- und mechanischer Uhr zusammen. Hier arbeitet es in einer 40,8-Millimeter-Taucheruhr aus Titan. Deren wahlweise grünes oder blaues Zifferblatt ist von den Gewässern des japanischen Archipels inspiriert, wird aber auch in der Nordsee, am Mittelmeer-Strand oder jeder Dachterrasse fantastische Dienste verrichten (12.500 Euro).IWC „Big Pilot‘s Watch Perpetual Calendar ProSet Le Petit Prince“Diese Uhr ist ein Generationswechsel: 1985 präsentierten die Schaffhausener den von ihrem damaligen Chefuhrmacher Kurt Klaus konstruierten Ewigen Kalender. Dass dieser allein über die Krone zu stellen war, galt zu Recht als Sensation. Es war dieses Werk, das bis heute die Marke und alle folgenden Kaliber mit dieser Funktion prägte. In drei verschiedenen Versionen der „Big Pilot‘s Watch“ wurde nun das neue ProSet-Kaliber 82665 lanciert, am klassischsten präsentiert sich die 42-Millimeter-Stahlversion mit blauem Blatt (Referenz IW329601, 38.300 Euro). Anders als beim Klaus-Uhrwerk lässt sich dieses auch rückwärts stellen, was den Bedienungskomfort noch einmal erhöht. Insgesamt zehn Jahre arbeitete das Entwicklungsteam rund um R&D-Leiter Stefan Ihnen daran. Das Ergebnis ist ein neuer Mechanismus, der komplett auf Räder setzt – statt auf die Kombination von Rädern und Hebel. Der inzwischen 92-Jährige Kurt Klaus ist übrigens über diesen Generationswechsel informiert – und freut sich mit dem IWC-Nachwuchs.Bulgari „Octo Finissimo 37“Mit der größeren 40-Millimeter-Schwester dieser Uhr hat sich das italienische Schmuckhaus innerhalb eines einzigen Jahrzehnts einen festen Platz in der Uhrenwelt geschaffen. Das Design der „Octo Finissimo“ gilt schon jetzt als einzigartiger Designklassiker, gleichzeitig ist es kein Geheimnis: Das ebenso schmale wie quadratische Gehäuse dieht eigentlich nur an ebenso großen wie flächigen Handgelenken perfekt aus. Die neue 37-Millimeter-Variante ist darum eine smarte Ergänzung, die nur durch ein neues Kaliber mit Mikrorotor zum Selbstaufzug möglich wurde. Die drei Basis-Versionen, davon zwei in Titan (einmal sandgestrahlt für 17.700 EUro, einmal satinpoliert für 18.500 Euro) und eine Variante in Gelbgold (50.700 Euro) werden sowohl an weiblichen als auch männlichen Handgelenken Grandezza ausstrahlen.Jaeger-LeCoultre „Master Hybris Inventiva Gyrotourbillon à Stratosphere“Die erneut von Jérôme Lambert geführte Manufaktur aus der Richemont-Gruppe tritt in diesem Jahr mit diversen Neuheiten in unterschiedlichsten Segmenten maximal selbstbewusst auf. Hier soll das oberste Ende der Kollektion im Fokus stehen: Diese Uhr wird als nächste Generation des Mehr-Achsen-Tourbillons präsentiert. Der ellenlange Name des Modells schraubt die Erwartungen hoch, doch diese werden nicht enttäuscht: Diese ultrakomplexe Uhr kommt aus dem Experimentallabor in Le Sentier, und Kaliber 178 steht in einer langen Tradition auf dem Gebiet der fliegenden Tourbillonkäfige. Dieser ist nunmehr dreiachsig und meistert den Schwerkraftausgleich besser als bisherige Tourbillons. Es ist letztlich ein Tourbillon im Tourbillon im Tourbillon. Ein Blick auf die Platinuhr lohnt also, zumal sie ein seltener Anblick bleiben wird: Nur 20 Exemplare werden gefertigt (715.000 Euro).TAG Heuer „Monaco“Das bekannte Äußere darf in diesem Fall nicht vom Inneren ablenken: Der eckige Chronograph mit der Krone auf der linken Gehäuseseite ist künftig mit dem Manufaktur-Kaliber TH20-11 ausgestattet. Obendrein wurde das Gehäuse mit viel Feingefühl überarbeitet, die Kanten verschärft und gleichzeitig der Tragekomfort verbessert: Ein runder Mittelteil wölbt sich nun zu den Rändern und verbessert die Ergonomie am Handgelenk. Auch die Ablesbarkeit des Zifferblattes, das es zum Start in den Farben Blau, Dunkelgrün und Schwarz geben wird, ist optimiert (ab 9.300 Euro). Steve McQueen, der in den späten 1960er-Jahren das Original trug, würde die Interpretation vermutlich gefallen.Lesen Sie auchNomos Glashütte „Tangente Neomatik 38 Update Gold“Die sächsische Marke ist dem Bauhaus-Stil verpflichtet, und dieser neigt bekanntermaßen nicht zu Opulenz. Entsprechend sind Uhren aus Edelmetall innerhalb der Nomos-Kollektion dann auch eher die Ausnahme. Dabei zeigt diese Variante der „Tangente“, wie gut sich klare Linien und Gold vertragen. Auch in dieses Metall gekleidet bleibt sie eine äußerst diskrete Erscheinung, schließlich gilt bei Nomos nach wie vor, dass weniger immer mehr ist – entsprechend schlank präsentiert sich das 38,5-Millimeter-Gehäuse. Es gibt zwei verschiedene Versionen, eine mit gebläuten Zeigern und eine Doré-Version mit – was sonst? – goldenen Zeigern (beide 12.400 Euro). Technische Besonderheit bei diesem Modell ist die Datumsanzeige, die über einen Skalen-Ring am Gehäuserand erfolgt. Hublot „Big Bang Reloaded“Die Frage ist nachvollziehbar: Die kennt man doch, oder? Die Antwort muss darauf lauten: Ja – und nein! Denn natürlich ist das „Big-Bang“-Design vertraut, hier nun aber ist die Variante mit dem hauseigenen, skelettierten Unico-Kaliber noch einmal grundlegend neu gestaltet. Farbe und Kontraste bringen die Architektur des Uhrwerks noch besser zur Geltung. „Reloaded“ halt, also noch einmal scharf gemacht. Gleichzeitig zitieren die 44-Millimeter-Modelle einige der berühmtesten Designs und nutzen typische Hublot-Materialien: Den Mix aus Titangehäuse und Keramiklünette (23.500 Euro), „All Black“ in schwarzer Keramik (24.700 Euro) und dem hauseigenen „Magic Gold“, dieser kratzfesten Legierung aus Keramik und Gold, mit ihrem im besten Sinne matt und zurückhaltenden Look (43.600 Euro). Cartier „Santos Chronograph“Die Stoppfunktion feiert in der Santos-Kollektion ein Comeback. Das ist insofern bemerkenswert, als dass Cartier in den vergangenen Jahren vor allem mit zierlicheren Modellen von „Tank“ bis „Panthère“ Erfolge feierte. Gleichzeitig gehört die „Santos“ mit ihrem vergleichsweise sportlichen Auftritt zu den ewigen Bestsellern des Hauses, sie ist die Uhr für fast jede Gelegenheit. Der neue Chronograph ist ein durchaus stattliches Exemplar, mit Maßen von 47 x 40 Millimetern. Die drei Hilfszifferblätter benötigen schließlich Raum, während die Drücker des Chronos mit viel Gefühl in das Santos-Design integriert wurden. Das Ergebnis ist ebenso elegant wie dynamisch, egal ob in Stahl (14.300 Euro), Gelbgold (71.500 Euro) oder Bicolor (17.900 Euro). Lesen Sie auchDem Modell wird gern eine große optische Nähe zur „Cosmograph Daytona“ von Rolex nachgesagt, die man einst mit Zenith-Uhrwerken ausstattete. Fakt aber ist: Die neue „Skeleton“ gibt der „Chronomaster“ eine unverwechselbare Erscheinung. Durch das Saphirzifferblatt, das vom schwarzen Rand aus gen Mitte immer transparenter wird, sind Einblicke in das Hochfrequenz-Kaliber möglich. Dieses kann auf die Zehntelsekunde genau messen, weil der Sekundenzeiger bei ausgelöster Stoppfunktion alle zehn Sekunden eine volle Drehung vollzieht, während Standard-Chronos dies in einer Minute machen. Das Modell gibt es künftig in vier Varianten: Zwei davon sind in Roségold, und eine davon mit 50 Diamanten im Baguettschliff und vollgoldenem Armband versehen (31.200 und 111.400 Euro). Deutlich mehr „Tool Watch“ aber sind die Stahlversionen: Eine mit schwarzer Keramikünette und den Totalisatoren im Markentypischen Dreischlag Grau, Anthrazit und Blau sowie die vielleicht coolste Version mit grüner Keramiklünette und Hilfszifferblättern in Grau-Tönen (beide 16.500 Euro). A. Lange & Söhne „Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender Lumen“Die sächsische Manufakur aus dem Richemont-Konzern präsentiert jedes Jahr nur ein, zwei Neuheiten – aber diese erheben dann auch immer den Anspruch in Sachen Uhrwerk, Finissierung und Exklusivität allererste Liga zu sein. Das ist in diesem Jahr nicht anders: Die „Lange 1“ ist die wohl bekannteste Uhrenfamilie des Hauses, und diese gibt es nun mit einem Tourbillon mit Sekundenstopp sowie einem Ewigem Kalender – und dann auch noch dem bei Lange maximal begehrten, semitransparenten Lumen-Zifferblatt, das stets limitierten Modellen vorbehalten ist. Dessen besonderer Charme ist das dunkle Blatt, das sich dennoch auch im Dunklen ablesen lässt. Denn die darunter liegenden Elemente sind luminiszierend, sammeln also bei Tageslicht die Energie um später dann auch ohne Licht auszukommen. Jede der 50 Platinuhren dürfte trotz des Preises von selbstbewussten 550.000 Euro schnell ausverkauft sein.Tudor Black Bay CeramicNeben der Black Bay 58 GMT mit rot-schwarzer Lünette, Spitzname „Coke“, die sich Uhrenfans als GMT-Master-II-Neuheit beim Mutterkonzern Rolex erhofft hatten, ist diese Uhr ein großer Auftritt: Eine Taucheruhr komplett in schwarzer Keramik, mattschwarz, komplett monochrom gehalten – und mit 6.980 Euro ein durchaus kompetetives Angebot. Schließlich sind vergleichbare Keramikuhren von Wettbewerbern oft deutlich kostenintensiver. Es sind Modelle wie diese, mit denen Tudor sein Image als wagemutiges Testlabor innerhalb der Rolex-Welt pflegt.