PfadnavigationHomeRegionalesHamburgStreit um SchulbegleitungenZwei Hamburger Sonderschulen setzen Schulpflicht ausStand: 04.09.2026Lesedauer: 3 MinutenQuelle: Jonas Güttler/dpaNach der umstrittenen Neuausrichtung der Bewilligungspraxis für Schulbegleitungen melden mehrere Hamburger Sonderschulen Probleme im Schulalltag. Eltern wurden teils gebeten, Kinder zu Hause zu betreuen. Die Schulbehörde weist Kritik zurück.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenDie Folgen der umstrittenen Neuausrichtung bei der Bewilligung von Schulbegleitungen zeigen sich nun an Hamburgs speziellen Sonderschulen. Nach Informationen des NDR haben mehrere Einrichtungen Eltern mitgeteilt, die Schulpflicht vorübergehend nicht mehr oder nur eingeschränkt durchzusetzen. Als Grund wurden Sicherheitsbedenken infolge fehlender Unterstützung für besonders betreuungsintensive Schüler genannt.Die Debatte beschäftigt die Hamburger Bildungspolitik bereits seit Monaten. Schulbegleitungen unterstützen Kinder und Jugendliche mit Behinderungen oder besonderem Unterstützungsbedarf im Schulalltag, etwa bei der Orientierung, in sozialen Situationen oder bei alltäglichen Aufgaben. Vor den Sommerferien war ein Konflikt darüber entbrannt, weil die Schulbehörde bei den Anträgen für das neue Schuljahr nicht in allen Fällen die beantragten Leistungen bewilligte. Ein Grund: Die Kosten für Schulbegleitungen sind in den vergangenen Jahren jeweils deutlich höher gestiegen als die durchschnittlichen Steigerungsraten des städtischen Haushalts. Lesen Sie auchEltern, Schulen, Träger und Verbände sprachen deshalb – trotz weiterhin leicht steigender Ausgaben – von einem fatalen Sparkurs und warnten vor Einschränkungen für betroffene Schüler. Die Behörde sprach dagegen von einer Weiterentwicklung des Systems, um die Unterstützung passgenauer zu gestalten und vorhandene Ressourcen wirksamer einzusetzen. Nach Protesten wurden in den Ferien mehrere Hundert Fälle erneut geprüft und teilweise nachbewilligt.Nun berichten Schulen von konkreten Folgen. Die Schule Kielkamp in Altona informierte Eltern laut NDR schriftlich darüber, die Schulpflicht zunächst nicht mehr zu kontrollieren, solange sich die Situation nicht deutlich verbessere. Die Schulleitung begründete dies demnach damit, dass wegen fehlender Schulbegleitungen die Sicherheit von Schülern und Beschäftigten nicht in jedem Fall gewährleistet werden könne. Auch an der Schule Bekkamp in Jenfeld wurden Eltern stark pflegebedürftiger Kinder nach NDR-Informationen gebeten, ihre Kinder vorübergehend zu Hause zu betreuen. Beide gehören zu den speziellen Sonderschulen für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung oder Mehrfachbehinderungen.CDU spricht von „unhaltbaren Zuständen“Die Opposition sieht sich dadurch in ihrer seit Monaten anhaltenden Kritik bestätigt. CDU-Bildungsexpertin Birgit Stöver sprach von einem „unhaltbaren Zustand“. Wenn spezialisierte Sonderschulen wegen fehlender Schulbegleitungen die Schulpflicht nicht mehr kontrollieren könnten und Eltern aufgefordert würden, ihre Kinder zu Hause zu betreuen, bestätigten sich die Befürchtungen der CDU. Vor den Ferien hatte Stöver gewarnt, dass die striktere Vergabepraxis mit dem Schulstart zu Schwierigkeiten führen würde. Noch schärfer reagierte die Linke. Fraktionschef David Stoop sprach von „katastrophalen Folgen“ und erklärte, die Aufweichung der Schulpflicht an Sonderschulen sei „nicht hinnehmbar“. Seine Fraktion fordert eine Sondersitzung des Schulausschusses. Der inklusionspolitische Sprecher Thomas Meyer erklärte, damit sei genau das eingetreten, wovor Schulen, Eltern und Schulbegleitungen vor den Sommerferien gewarnt hätten.Lesen Sie auchDie Schulbehörde weist die Vorwürfe zurück. „Selbstverständlich müssen alle Schulen den Unterricht und die Teilnahme aller Kinder sicherstellen, auch die speziellen Sonderschulen“, sagte Behördensprecher Peter Albrecht. Die Behörde sei „mehr als irritiert“ über entsprechende Aussagen einzelner Schulen gewesen und habe die Einrichtungen angewiesen, die Teilnahme aller Kinder sicherzustellen. Die Schulleitungen hätten dies zugesagt. Die Schulpflicht gelte uneingeschränkt, auch und insbesondere für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Zudem habe jedes Kind unabhängig von einer Schulbegleitung das Recht auf Schulbesuch. Albrecht verwies außerdem darauf, dass die Ausstattung mit Schulbegleitungen im Sommer erneut überprüft und teilweise nachgebessert worden sei. An der Schule Kielkamp seien derzeit zwölf von 18 bewilligten FSJ-Stellen besetzt. Auch bei den Schulbegleitungen habe sich die Personalsituation zuletzt leicht entspannt.juve
Streit um Schulbegleitungen: Zwei Hamburger Sonderschulen setzen Schulpflicht aus - WELT
Nach der umstrittenen Neuausrichtung der Bewilligungspraxis für Schulbegleitungen melden mehrere Hamburger Sonderschulen Probleme im Schulalltag. Eltern wurden teils gebeten, Kinder zu Hause zu betreuen. Die Schulbehörde weist Kritik zurück.






