In Diktaturen wie Russland können kleine Inseln relativer Freiheit viel bedeuten für Menschen, die sich – wenn schon Widerstand nur noch unter hohem Risiko möglich ist – wenigstens innerlich nicht anpassen wollen. Die Goethe-Institute in Russland konnten solche Zufluchtsorte sein in einem Land, in dem die Zensur inzwischen auch die Bibliotheken erreicht. Die Schließung der Institute ist deshalb wirklich eine schlechte Nachricht.Die Existenz des Russischen Hauses war unterträglichTrotzdem wäre es falsch gewesen, wegen dieser erwartbaren Reaktion des Putin-Regimes auf die Schließung des Russischen Hauses in Berlin zu verzichten. Dass diese Institution auch viereinhalb Jahre nach dem Überfall auf die Ukraine im Zentrum der deutschen Hauptstadt noch Propaganda des Aggressors verbreiten konnte, war ein unerträglicher Zustand.Ohnehin hing die Existenz der schon mit starken Einschränkungen arbeitenden Goethe-Institute in Russland nur noch von der Willkür der Machthaber ab. Dass die keine Skrupel haben, auch scheinbar unpolitische kulturelle Verbindungen zu kappen, haben sie bei vielen Gelegenheiten bewiesen, etwa als sie Anfang des Jahres den Deutschen Akademischen Austauschdienst zur „unerwünschten Organisation“ erklärt haben. Sosehr man das Ende der Goethe-Institute nach mehr als dreißig Jahren Präsenz in Russland auch bedauern mag: Der politische Schaden wäre größer, hätte Berlin auf den Drohnen-Anschlag von Leipzig nicht reagiert.