Acht Jahre nach dem Start und neun Milliarden zurückgelegten Kilometern hat die europäisch-japanische Raumsonde BepiColombo ihr Reiseziel erreicht: den Planeten Merkur. Zwei Jahre wird BepiColombo, die aus zwei einzelnen Orbitern besteht, den innersten Planeten unseres Sonnensystems observieren und eingehend untersuchen. An diesem Donnerstagnachmittag werden sich nach gemeinsamer Reise der europäische Planetenorbiter MPO und der japanische Magnetosphärenorbiter MPO vom Transfermodul MTM, das bis dahin für den Antrieb gesorgt hat, trennen. Die europäische Raumfahrtagentur ESA überträgt das Manöver per Livestream hier von 13.45 Uhr an.Die beiden Sonden werden von heute an im Verbund ohne eigenen Antrieb – nur angezogen von Merkurs Schwerkraft – in eine Umlaufbahn einschwenken und den sonnennächsten Planeten gemeinsam auf einer elliptischen Bahn umkreisen. Dabei nähert sich das Duo Merkur bis auf 670 Kilometern. Das gesamte Manöver wird langsam ablaufen und bis Anfang Dezember dauern. In einer Höhe von 590 Kilometern werden dann die europäische und die japanische Sonde endgültig getrennte Wege gehen und Merkur auf verschiedenen Umlaufbahnen umkreisen.Illustration des AbkoppelmanöversESA/ATG medialab, NasaWenn die beiden Orbiter jeweils ihre Umlaufbahnen erreicht haben, kann die eigentliche wissenschaftliche Mission von BepiColombo starten. Der Messbeginn beider Sonden ist für Anfang April kommenden Jahres geplant.Merkur – Planet der ExtremeDer Planetenorbiter wird dann von einer niedrigen polaren Umlaufbahn aus vor allem die Oberfläche des Merkurs mit einer hohen Auflösung vollständig kartographieren und ein Höhenprofil erstellen. Er soll zudem die chemische Beschaffenheit des Planeten analysieren und in das Innere des Planeten blicken. MPO soll auch die Bahn Merkurs um die Sonne exakt vermessen und relativistische Effekte aufgrund der Nähe zu unserem Zentralgestirn und dessen starker Gravitationswirkung präzise untersuchen. Die Beobachtung der seltsamen Periheldrehung der Merkurbahn war eine Bestätigung der Allgemeinen Relativitätstheorie Albert Einsteins und der vorhergesagten Krümmung des Raumes.Der Magnetosphärenorbiter MMO wird den Merkur weiter entfernt auf einer stark elliptischen Bahn umkreisen. Er wird vor allem das Magnetfeld des Merkurs und dessen Wechselwirkung mit dem Sonnenwind untersuchen.Zwar wurde Merkur in der Vergangenheit bereits von zwei amerikanischen Sonden observiert – von Mariner 10 von 1974 bis 1975 und Messenger von 2011 bis 2015. Diese haben aber längst noch nicht alle Geheimnisse des Gesteinsplaneten gelüftet. Warum hat Merkur wie die Erde ein Magnetfeld, obwohl er viel kleiner ist? Wie ist der Planetenkern beschaffen? Gibt es tatsächlich Eis in den Kratern, so wie es Messenger seinerzeit beobachtet hat, und wie sind Merkurs Exosphäre und Magnetosphäre beschaffen? Die beiden Sonden sind für ihre Aufgaben mit zahlreichen Instrumenten ausgerüstet worden. MPO verfügt allein über elf Geräte, die kleinere Sonde MMO hat fünf Instrumente an Bord.BepiColombo, gestartet am 20. Oktober 2018 mit einer Ariane 5, gilt als die bisher anspruchsvollste Mission der europäischen Weltraumagentur ESA. Nicht nur, weil die Reise ins Zentrum des Sonnensystems eine Herausforderung war. Um das Transfermodul mit den beiden Orbitern abzubremsen, waren insgesamt neun Flyby-Manöver an der Erde, der Venus und Merkur notwendig. Auch die extremen Bedingungen auf Merkur werden den beiden Raumsonden zu schaffen machen. Die Temperaturen schwanken zwischen minus 180 Grad und plus 480 Grad. Der Planetenorbiter MPO muss sich so drehen, dass er nicht der direkten Strahlung ausgesetzt ist. Dabei muss die Antenne stets in Richtung Erde gerichtet sein. Es wird also äußerst kompliziert, um den Merkur zu kreisen. Mit dem heutigen Tag ist das Etappenziel erreicht.
BepiColombo erreicht Merkur: ESA Mission tritt in neue Phase
Die europäisch-japanische Mission tritt heute in die entscheidende Phase ein. Nach acht Jahren gemeinsamer Reise schwenken die beiden Orbiter in eine Umlaufbahn um den sonnennächsten Planeten ein.












