Das Krisen-Spital von Wetzikon will sich lieber von der Spitalgruppe des Kantons Thurgau retten lassen als von Privaten. Das sei finanziell für alle das BesteDer Plan geht nur auf, wenn die Gläubiger mitmachen, denen das Spital eine Menge Geld schuldet. Ob sie das tun, zeigt sich schon bald.02.09.2026, 20.46 Uhr4 LeseminutenDer bis heute nicht fertiggestellte Neubau hat das Spital Wetzikon in die Krise gestürzt.Karin Hofer / NZZDie Zeit drängt: Im Oktober entscheidet sich, ob das Spital Wetzikon eine Zukunft hat. Seit über zwei Jahren stemmt sich seine Führung gegen den Untergang, weil ein teurer Neubau akute Finanznot auslöste. Mitten in dieser schwierigen Phase tauchten im Sommer zwei Angebote auf, mit denen das Spital gerettet werden soll. Das eine stammt von einer amerikanischen Investmentgesellschaft, welche das Spital mit einer privaten Schweizer Spitalgruppe übernehmen will. Das andere kommt von der öffentlichen Hand: Die Thurgauer Spitalgruppe Thurmed will sich in Wetzikon beteiligen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nun haben das Spital und seine Eigentümergemeinden entschieden, welchen Weg sie gehen wollen: Sie halten das Angebot der Thurmed für das beste, wie sie am Mittwochabend bekanntgegeben haben. Mit diesem sei eine «wirtschaftlich tragfähige Sanierung» möglich.Zudem würde dabei am meisten für die Gläubiger herausschauen. Das ist zentral, denn diese müssen das Geschäft gutheissen. Mit dem bisherigen Sanierungskonzept hätten sie auf rund zwei Drittel ihrer Forderungen verzichten müssen, also auf bis zu 180 Millionen Franken. Viele waren vehement dagegen und wollten das Spital lieber Konkurs gehen lassen.Mit dem Engagement der Thurmed-Gruppe würden die Gläubiger laut dem Spital bis zu 47,5 Prozent ihrer Forderungen zurückerhalten. Je nach Geschäftsgang wären sogar weitere Rückzahlungen möglich, heisst es in einer Mitteilung. Das wäre für die Gläubiger attraktiver als ein Konkurs, bei dem sie gemäss Berechnungen des Spitals nur rund einen Fünftel ihres Kapitals zurückbekämen.Die Thurmed will beim Geschäft 35 Millionen Franken einschiessen. Zudem würde sie dem Spital ein Darlehen über weitere 35 Millionen geben, um den Neubau zu vollenden, der erst im Rohbau steht. Im Gegenzug würde die Thurmed in Wetzikon die Aktienmehrheit übernehmen. Den Aktionärsgemeinden blieben 49 Prozent.Damit wären die elf Gemeinden einverstanden, und sie stehen hinter dem Angebot. Ein Aktionärsbindungsvertrag stelle sicher, dass sie bei strategischen Entscheidungen mitbestimmen könnten, wenn etwa ein Verkauf von Grundstücken zum Thema würde.Die Gemeinden tragen ihrerseits zur Sanierung des Spitals bei. Sie schiessen 50 Millionen Franken ein. Das Geld der Gemeinden und der Thurmed-Gruppe fliesst allerdings nur, wenn die Gläubiger im Oktober dem sogenannten Nachlassvertrag zustimmen.Die Thurmed würde sich mit eigenen Mitteln in Wetzikon beteiligen, es fliesse kein staatliches Geld, schreibt die Gruppe in einer Mitteilung. Mit dem Engagement im Zürcher Oberland erhofft sich die Thurmed Effizienzgewinne. Schon heute hat sie in ihren Spitälern zentrale Aufgaben gebündelt und ist damit finanziell erfolgreich.Im Thurgau ist das Engagement allerdings nicht unumstritten. Kantonsparlamentarier sprachen von einem «Hochrisiko-Investment». Über die Beteiligung entscheidet jedoch nicht das Parlament, sondern der Thurgauer Regierungsrat.Die Wetziker Spitalführung hat neben dem Angebot der Thurmed auch zwei Angebote von privaten Firmen prüfen lassen. Eines war das erwähnte mit amerikanischer Beteiligung, das andere ist im Sommer dazugekommen und war der Öffentlichkeit bisher nicht bekannt. Beide sind nach dem Urteil der Spitalführung aber weniger vorteilhaft.Beim ersten hätte die amerikanische Investmentgesellschaft die Immobilien übernommen und das Swiss Medical Network (SMN), die zweitgrösste private Klinikgruppe der Schweiz, den Spitalbetrieb. Dieser Plan krankte daran, dass das SMN den kantonalen Leistungsauftrag vom heutigen Spital hätte übernehmen müssen. Es fehlte eine Garantie, dass dies nach einem Verkauf des Spitals tatsächlich passieren würde. Ohne Leistungsauftrag hätte der Betrieb zu wenig Einnahmen.Das andere private Angebot war wohl eine Folge des gescheiterten ersten, denn dahinter steht der gleiche Unternehmer, der Walliser Investor Antoine Hubert. Er kontrolliert mit einem Partner über die Dachgesellschaft Aevis Victoria nicht nur das Swiss Medical Network, sondern auch die auf Spitalbauten spezialisierte Immobilienfirma Infracore. Diese machte das Angebot, die Wetziker Bauten zu kaufen und sie dann an einen Spitalbetreiber zurück zu vermieten – zum Beispiel an die heutige Wetziker Spital AG.Mit dem operativen Geschäft hätte Infracore also nichts zu tun gehabt – und darum keine Probleme mit dem Leistungsauftrag. Nach dem gleichen Modell ist die Firma im Sommer schon beim See-Spital in Horgen eingestiegen, wo sie ebenfalls die Bauten übernahm. Fast gleichzeitig ging sie an die Börse, wo sie rund 200 Millionen frisches Kapital löste – Geld, das sie in Wetzikon hätte investieren können.Die Prüfung des Infracore-Angebots durch den Finanzberater PricewaterhouseCoopers kam laut der Wetziker Spitalführung aber zu einem unvorteilhaften Ergebnis. Es sei kein Szenario ersichtlich, das für die Spitalbetreiberin finanziell tragbar wäre und zugleich den Gläubigern eine höhere Rückzahlung gesichert hätte. Kommt hinzu, dass die Aktionärsgemeinden in diesem Fall kein zusätzliches Kapital in Millionenhöhe eingeschossen hätten.Der Ball liegt nun bei den Gläubigern. Sie werden im Oktober entscheiden, welcher Vorschlag ihnen am besten passt. Oder gar die radikalste Variante wählen: den Konkurs.Wieso steckt das Spital Wetzikon in der Krise?Der Anfang der Krise des Spitals reicht weit zurück. 2014 hatte das Spital am Markt eine Anleihe über 170 Millionen Franken aufgenommen. Geld, das es für einen Neubau benötigte – der noch heute nicht fertiggestellt ist. Eigentlich hätte das Spital das Geld im Juni 2024 zurückzahlen müssen. Doch es war dazu nicht in der Lage. Weder fand es dazu das nötige Kapital am Markt, noch war der Kanton bereit, das in Not geratene Spital zu retten – selbst wenn dies sein Ende bedeuten sollte. Seit Ende April 2024 befindet sich das Spital in Nachlassstundung.
Spital Wetzikon: Gemeinden und Spital sprechen sich für Thurgauer Rettungsangebot aus
Der Plan geht nur auf, wenn die Gläubiger mitmachen, denen das Spital eine Menge Geld schuldet. Ob sie das tun, zeigt sich schon bald.






