Der September an der Börse beginnt unruhig: sieben Entwicklungen, die die Finanzmärkte nervös machenSteigende Renditen, teures Öl und der unersättliche Geldbedarf für KI – alles Probleme, für die keine schnelle Lösung in Sicht ist. Eine Übersicht, worauf Anleger sich einstellen müssen.02.09.2026, 16.02 Uhr5 LeseminutenDie Prioritäten von Donald Trump stossen an der Börse auf Skepsis, insbesondere bei den wachsenden Staatsausgaben.Jacquelyn Martin / APAmerikanische Staatsanleihen gelten als die weltweit sicherste Form der Geldanlage. Doch die «Treasuries» erleben einen Ausverkauf, wie es ihn lange nicht gegeben hat – obwohl die Welt derzeit ziemlich unsicher erscheint. Können sich Anleger an Finanzmärkten auf nichts mehr verlassen?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Zumindest müssen sich Investoren auf einen unruhigen September gefasst machen. Die Börsen stehen im Bann mehrerer Probleme, für die es keine schnelle Lösung gibt. Eine Übersicht über die wichtigsten Schwierigkeiten und Zusammenhänge.1. Investoren verabschieden sich von den USAAm auffälligsten ist der Kurszerfall am Markt für Staatsanleihen, besonders bei Obligationen der USA. Spiegelbildlich zu den fallenden Notierungen klettern die Renditen. Amerikanische Staatsanleihen mit 30 Jahren Laufzeit rentieren mit knapp 5,3 Prozent. Das ist der höchste Wert seit fast 20 Jahren. Papiere mit 10 Jahren Laufzeit notieren auf einem Dreijahrehoch.Hinter dem Ausverkauf stecken Sorgen in Bezug auf die immer grössere Schuldenlast der weltgrössten Volkswirtschaft. Wegen Bedenken bei der Tragbarkeit der Verbindlichkeiten verlangen Investoren höhere Risikoprämien, besonders für längere Laufzeiten.Eher verstärkt als gemildert wurden diese Bedenken durch die Ankündigung des amerikanischen Finanzministeriums, eigene Staatsanleihen am Markt zurückzukaufen. Das würde zwar die Nachfrage nach den Papieren und damit die Kurse erhöhen, aber nur das Symptom bekämpfen – nicht die Ursache der Zweifel an Amerikas Fiskalpolitik.2. Der Rest der Welt gerät in den StrudelAnleger können die Unruhe als amerikanisches Problem abtun, hätte sie sich nicht längst auf andere Länder übertragen. In Japan rentieren Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit erstmals seit 1996 mit mehr als 3 Prozent. 30-jährige Papiere werfen so viel ab wie nie zuvor.Das hat auch eine Rückwirkung auf den amerikanischen Anleihemarkt, an dem japanische Investoren traditionell stark engagiert sind. Die Auslandsanlage wird für sie unattraktiver, wenn auch in der Heimat die Rendite steigt. Ausserdem verteuert der schwache Yen für sie den Kauf amerikanischer Staatsanleihen, was die Nachfrage nach diesen Papieren und damit die Kurse zusätzlich belastet.Auch in Europa geben die Kurse von Staatsanleihen nach. Ausgeprägt ist das Phänomen in Frankreich, aber auch deutsche Papiere mit 10 und 30 Jahren Laufzeit rentierten so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Viele Euro-Länder müssen selbst grosse Schuldenberge schultern. Hinzu kommt die internationale Signalwirkung der vielbeachteten «Treasuries»: Die amerikanischen Risikoaufschläge seien ein wichtiger Treiber für den Ausverkauf in Europa gewesen und würden es kurzfristig bleiben, erwartet die Bank of America.3. Steigende Preise führen zu steigenden ZinsenEin weiterer Grund für die Kursverluste an den Anleihemärkten in den USA, Japan und Europa ist die Teuerung. Die Inflation im Euro-Raum war im August auf mehr als 3 Prozent geklettert. Damit wachsen die Chancen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in der kommenden Woche die Leitzinsen erhöht. Der wesentliche Grund waren höhere Energiekosten, getrieben durch die Turbulenzen an den Erdöl- und Erdgasmärkten aufgrund des Iran-Kriegs.Ähnliches gilt für die amerikanische Notenbank Fed, die Mitte Monat über das Zinsniveau entscheiden wird. Der Fed-Chef Kevin Warsh hatte die Inflation erst vor wenigen Tagen als seine grösste Sorge benannt. Steigende Zinsen machen die bereits existierenden Anleihen gegenüber neuen Papieren unattraktiver, und die Inflation nagt an den Coupons.4. Der Iran-Krieg flammt auf, Sprit bleibt teuerIn der Nacht auf Mittwoch führte das amerikanische Militär neue Schläge gegen Ziele in Iran aus, während Iran amerikanische Ziele in Jordanien und im Irak beschoss. Die Kämpfe waren am Sonntag eskaliert, nachdem zuvor einen Monat lang relative Ruhe geherrscht hatte. Das Regime in Teheran kündigte an, es habe «unvergessliche Lektionen» für Amerika vorbereitet.In der Folge hat der Ölpreis zugelegt und steht nun für ein Fass der Referenzsorte Brent bei rund 94 Dollar. Anfang Juli, als ein Frieden zwischen den USA und Iran greifbar schien, notierte er bei 70 Dollar. Die Rohölexporte aus der Golfregion bleiben eingeschränkt, weil weiterhin keine stabile und sichere Regelung für die Durchfahrt der Tanker durch die Strasse von Hormuz gefunden ist.Gleichzeitig arbeiten die Raffinerien am Persischen Golf, aber auch in Russland nicht auf voller Leistung. Russland war ein wichtiger Exporteur von Treibstoffen, insbesondere für Diesel, doch die dortige Produktion leidet unter ukrainischen Angriffen. Die Angebotslage für die verarbeiteten Treibstoffe habe sich schlechter entwickelt als beim Rohöl, hält die Investmentbank Goldman Sachs fest. Die Analysten erwarten bis 2027 höhere Preisaufschläge.5. Der Handelsstreit greift um sichAls wenn die Treibstoffkosten die Weltwirtschaft nicht genug belasteten, drohen auch die Barrieren im Welthandel weiter zu wachsen. Ein Schlaglicht darauf warf das Treffen der Finanzminister der G-20, eines Forums der grössten Wirtschaftsnationen. Die Zusammenkunft in den USA endete am Dienstag ohne gemeinsame Abschlusserklärung. Laut dem amerikanischen Finanzminister Scott Bessent haben sich nur 19 der 20 Teilnehmer auf ein Communiqué verständigt. Es kritisiert Länder mit einem exzessiven Handelsbilanzüberschuss, die für ihr Wirtschaftswachstum stark auf Exporte angewiesen sind.Diese Formulierung war gegen China gerichtet, das dieser Erklärung denn auch nicht zustimmte. Bessent rief andere Länder dazu auf, sich vor chinesischen Waren zu schützen, die aufgrund der amerikanischen Zölle neue Abnehmer auf den Weltmärkten suchten. Damit wächst das Risiko, dass der von Präsident Trump losgetretene Handelskrieg protektionistische Nachahmer findet. Auch das könnte die Importpreise und damit die Teuerung erhöhen.6. KI-Investitionen machen Staatsanleihen KonkurrenzPreissteigerungen durch Energiekosten sowie Zölle und Handelsbarrieren belasten auch die Aussichten für Unternehmen und damit die Aktienmärkte. Viele Aktienindizes haben ihren Aufwärtstrend im August gestoppt. Nur eine Branche schien lange Zeit immun gegen Bedenken: der amerikanische Tech-Sektor, getrieben von Milliardeninvestitionen in KI und Datenzentren.Obgleich manche Investoren auch hier skeptischer werden, ist der Geldbedarf der Tech-Konzerne ungebrochen. Die jüngste Meldung: Der KI-Entwickler Anthropic habe in dieser Woche ein Abkommen zum Bau von Datenzentren im Wert von 35 Milliarden Dollar geschlossen, berichten amerikanische Medien.Solche Investitionen bringen ein neues Problem für den Anleihenmarkt: Die Tech-Unternehmen finanzieren sie immer öfter über Bonds mit längerer Laufzeit. Diese Obligationen konkurrieren mit den Staatspapieren um das Kapital der Anleger. Wenn die KI-Investitionen hoch blieben, könnte das weiteren Druck auf die Kurse der Staatsanleihen ausüben, konstatiert die UBS. Die höheren Renditen der Obligationen reflektierten nicht nur fiskalische Sorgen, sondern auch den Finanzbedarf des Privatsektors.7. Partners Group zeigt: Alternative Anlagen sind kein SelbstläuferAuch Anbieter nichtkotierter Anlagen kämpfen mit der angespannten Stimmung an den Märkten. Bestes Beispiel: Partners Group. Die Aktien der Zuger Private-Equity-Gesellschaft verloren am Dienstag mehr als 7 Prozent an Wert, nachdem das Unternehmen vor geringeren Erträgen gewarnt hatte. Die Zahlen zum ersten Halbjahr enttäuschten die Erwartungen, vor allem der Ausblick zu den Einnahmen aus sogenannten Performance-Gebühren.Diese Gebühren werden unter anderem fällig, wenn die Finanzgruppe Beteiligungen verkauft. Doch manche dieser Verkäufe könnten sich ins Jahr 2027 verschieben. Zwar sprach das Management noch von einem einigermassen intakten Verkaufsumfeld – aber die Zweifel reichten aus, um die Anleger in die Flucht zu schlagen.Passend zum Artikel