Ron Wood als Bandleader bei seinem Konzert in ZürichDer Stones-Gitarrist gab im Volkshaus ein beseeltes, aber sehr beschränktes Konzert.Jean-Martin Büttner02.09.2026, 13.47 Uhr3 LeseminutenRonnie Wood macht nicht als Solist die beste Figur, sondern als Begleitmusiker.Matthew Baker / Getty«No, Ronnie», sagte Keith Richards einmal zu Ron Wood. «We don’t want to be happy all the time.» Der Rolling-Stones-Gitarrist Ron Wood ist von einer nicht zu bändigenden Lebensfreude, ein warmherziger Mensch aus einem Roma-Clan. In seinen 79 Jahren hat er zwei schwere Krebserkrankungen überlebt, mehrere Alkoholentzüge gemacht, war süchtig nach Kokain und Nikotin.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wood verlor beinahe sein Leben, nie aber seinen Humor. Damit hat er auch schwierige Künstler wie Bob Dylan für sich gewinnen können. «Bob Dylan gave me that song», erklärt Ron Wood am Dienstagabend bei seinem Auftritt im Zürcher Volkshaus und stimmt dann das grossartige Lied «Seven Days» an; es handelt von einem Mann, der seine Geliebte am Bahnhof kaum erwarten kann.Breites Ärmelkanal-LachenEs ist wahrscheinlich unmöglich, Ronnie Wood nicht zu mögen. Seine Arme flattern wie Schmetterlinge, seine Stimme raspelt in einem tiefen Cockney, sein Lachen ist fast so breit wie der Ärmelkanal. Sein Charme, sein dezentes Gitarrenspiel und seine Leidenschaft für die Musik haben das Zürcher Publikum durch ein zweistündiges Konzert getragen, das vor allem eines belegte: dass Ron Wood, wie alle Musiker der Rolling Stones, einen exzellenten musikalischen Geschmack hat.So bekam man nicht nur einige Songs seiner Solokarriere zu hören, sondern auch «Chain of Fools» von Aretha Franklin, «River Deep, Mountain High» von Ike and Tina Turner sowie die Blues-Klassiker «Spoonful» und «Baby What You Want Me to Do». Allerdings genügen sympathisches Auftreten und ein attraktives Repertoire nicht für ein überzeugendes Konzert. Man muss das Zeug auch spielen können.Und in dieser Hinsicht gab es Probleme. Ronnie Wood brachte eine tolle Band mit – mit Ausnahme des Schlagzeugers, der sein Gerät mit dem Feingefühl eines Betonmischers bediente. Mit Wehmut dachte man an den Stones-Schlagzeuger Charlie Watts zurück, den vor fünf Jahren an Krebs verstorbenen, cool swingenden Jazz-Mann mit dem Buster-Keaton-Gesicht. Und wenn der Rock’n’Roll nicht swingt, wie das am Dienstag passierte, klingt er wie tot.Erschwerend kam hinzu, dass Ronnie Wood als Gitarrist zwar weiss, wie man Stimmung und Spannung erzeugt, als Sänger aber oft hoffnungslos überfordert ist. Weil ihm das immerhin bewusst ist, hat er auf seine Tournee die irische Sängerin Imelda May mitgebracht, die mit inbrünstigem Gospelgesang die klaffenden Mängel ihres Bandleaders kompensiert.Als Gitarrist bei den Faces und den Rolling Stones war Ron Wood nie mehr als ein Begleiter, dem zum Bandleader das fehlt, worüber der Stones-Sänger Mick Jagger im Übermass verfügt: vokale Stärke, Autorität und die Fähigkeit, alle Blicke auf sich zu ziehen. Dass das Konzert mit Ticketpreisen zwischen 177 und 267 Franken lange nicht ausverkauft war, belegt auf seine Art, dass ein netter Typ wie Ron Wood in der Bühnenmitte nicht genügt.Glückliche BegleitungAls Wood vor neun Jahren das letzte Mal in Zürich auftrat, stand er mit den Rolling Stones auf der Bühne des ausverkauften Letzigrund-Stadions. Die Band gab damals ein Konzert von brennender Intensität. Daran erinnert man sich nun, wenn Ron Wood mit «Can’t You Hear Me Knocking» aus dem zum Klassiker gewordenen Stones-Album «Sticky Fingers» (1971) für den Höhepunkt des Abends sorgt.Auf der Originalaufnahme spielte noch Mick Taylor die Leadgitarre. Der hatte zwar nicht Ronnie Woods Humor, war ihm aber am Instrument weit überlegen. Trotzdem hofft man nun, dass der sympathische Ron Wood bald wieder dorthin zurückkehrt, wo er am besten hinpasst: zu den Rolling Stones, der besten Rockband, als Begleitmusiker, aber happy all the time.Passend zum Artikel