Der weltweite Ausverkauf von Anleihen ging am Dienstag weiter und trieb die Kreditkosten in Großbritannien und Japan auf die höchsten Werte seit Jahrzehnten. In Großbritannien stieg die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen britischen Staatsanleihen um 0,08 Prozentpunkte auf 5,23 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit der globalen Finanzkrise im Jahr 2008. Die Renditen 30-jähriger Staatsanleihen kletterten sogar um 0,12 Prozentpunkte und erreichten zum ersten Mal seit Ende der 1990er-Jahre 5,9 Prozent.

In Japan ist die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen erstmals seit 30 Jahren auf 3 Prozent gestiegen. Auch die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg um 0,03 Prozentpunkte auf 4,78 Prozent, und die zinssensitive Rendite zweijähriger Anleihen erreichte mit 4,38 Prozent den höchsten Stand seit Anfang 2025. In Deutschland stehen die Anleihen ebenfalls unter Druck: So stieg die Rendite zehnjähriger Anleihen am Montag auf den höchsten Stand seit 15 Jahren.

Die Turbulenzen sind offenbar eine Reaktion auf das erneute Aufflammen des Konflikts im Nahen Osten und die wachsende Erwartung steigender Leitzinsen. Anleger gehen davon aus, dass die Zentralbanken die durch höhere Energiepreise angeheizte Inflation mit Zinserhöhungen eindämmen wollen.Überträgt sich die schlechte Stimmung vom Anleihemarkt auf Aktien?„Steigen die Renditen ruckartig weiter, kann sich daraus schnell eine Situation entwickeln, in der sich die schlechte Stimmung vom Anleihemarkt auf Aktien überträgt“, sagte Jochen Stanzl, Analyst der Consorsbank. In Deutschland werde die Situation dadurch erschwert, dass der Anstieg der europäischen Gaspreise mit unterdurchschnittlich gefüllten Gasspeicher zusammentreffe. „Das Wiederauffüllen der Gasspeicher wird also teuer – die Angst vor der nächsten Heizkostenabrechnung wächst.“ Am Dienstag verbuchte der Dax zuletzt mehr als ein Prozent Verlust.