Die Bank von Japan (BOJ) hat am Dienstag ihren Leitzins auf 1 Prozent angehoben und damit auf den höchsten Stand seit 1995. Damit will die Zentralbank einer weiter steigenden Inflation zuvorkommen und den schwachen Yen stützen. Es ist die fünfte Zinserhöhung, seit die Notenbank im März 2024 aus ihrer jahrzehntelangen ultralockeren Geldpolitik ausgestiegen ist. Der Aktienmarkt in Tokio erhielt durch die Entscheidung einen weiteren Schub, nachdem schon die Einigung im Irankonflikt am Vortag den Leitindex Nikkei 225 auf ein Rekordniveau gehoben hatte. Am Dienstag durchbrach das Börsenbarometer erstmals in seiner Geschichte die Marke von 70.000 Punkten. Die japanische Währung Yen reagierte dagegen kaum, sie schwächte sich sogar noch etwas weiter ab gegenüber dem Dollar.Der Notenbank-Gouverneur Kazuo Ueda konnte selbst nicht an der zweitägigen Sitzung teilnehmen, weil er in der vorigen Woche wegen einer infizierten Leberzyste ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Die Verkündung der Entscheidung sowie die Begründung in der anschließenden Pressekonferenz übernahm daher erstmals der Vizegouverneur Shinichi Uchida. Der Beschluss zur nächsten Zinserhöhung wurde mit sieben Stimmen zu einer Gegenstimme gefällt und war von den Märkten nach entsprechenden Andeutungen der Geldpolitiker in den vergangenen Wochen erwartet worden.Notenbank sieht Wirtschaft stabilIn ihrer Erklärung erläuterte die Bank von Japan, dass trotz höherer Energiepreise infolge des Irankriegs hohe Unternehmensgewinne sowie eine Verbesserung der Beschäftigungs- und Einkommenslage die japanische Wirtschaft gestützt hätten. Zudem nannte die Notenbank das Programm der Regierung zum Abfedern der stark gestiegenen Energiepause für die Privathaushalte und andere Stützungsmaßnahmen. Zugleich warnte die Bank, es bestehe das Risiko, dass die Verbraucherpreisinflation über das Preisstabilitätsziel von 2 Prozent steigen könnte.Eine Gefahr dafür sieht die BOJ etwa durch die Weitergabe der gestiegenen Energiepreise für Unternehmen. „Die Weitergabe der gestiegenen Rohölpreise auf die Preise im Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen schreitet relativ rasch voran“, hieß es von der Notenbank, und dass sich dieser Trend „auf einen Anstieg der Verbraucherpreise bei einer breiten Palette von Gütern ausweiten könnte“.Die Bank von Japan kündigte am Dienstag außerdem an, dass sie von April 2027 an ihre Anleihekäufe nicht mehr weiter zurückfahren wolle. Zur ultralockeren Geldpolitik der Notenbank zählten neben den Niedrigzinsen auch umfangreiche Käufe japanischer Staatsanleihen, die sie über die Zeit zum größten Staatsfinanzierer anwachsen ließ. Mit der Straffung der Geldpolitik im Jahr 2024 hatte Notenbankgouverneur auch ein schrittweises Zurückfahren dieser Käufe eingeleitet. Bis zum Zeitraum Januar bis März nächsten Jahres will die BOJ die Käufe weiterhin jedes Quartal um 200 Milliarden Yen (1,1 Milliarden Euro) verringern. Danach will sie monatlichen Käufe bei rund 2 Billionen Yen stabil halten.Die Anleihen des hoch verschuldeten japanischen Staates waren in den vergangenen Monaten unter Druck geraten. Im Mai stiegen die Renditen der richtungsweisenden zehnjährigen Staatsanleihen auf mehr als 2,8 Prozent, was es zuletzt ebenfalls in den Neunziger Jahren gegeben hatte. Die Skepsis der Anleiheinvestoren spiegelte eine wachsende Sorge um Japans Staatsfinanzen.