Im Berliner Brecht-Haus stellten Autor:innen neue kurze Texte vor. Neben Familie und Romantik ging es um verworrene Politik und Beziehungen in der Zukunft.
Luca Mael Milsch las über ein verstorbenes Kind
Anne Jahn
Eine Lesungswoche zum Thema „Beziehungen“, das ist, als würde man eine Stadt auf der Karte erkunden: Man sucht die wichtigsten Verbindungsstraßen, legt den Finger auf den zentralen Platz und behält im Blick, wo im Kreisverkehr gefahren wird. Der Stadtplan setzt sich in diesem Fall aus Nahaufnahmen zusammen, die zwanzig Autorinnen und Autoren vergangene Woche im Berliner Literaturforum im Brecht-Haus vorstellten. Zum Kurze-Texte-Festival waren sie eingeladen, bislang unveröffentlichte Erzählungen zu lesen.
Dilek Güngör stellte eine Fortsetzung ihrer in der Berliner Zeitung erschienen Kolumnen über Ömer und Hatice vor. Unterhaltsam, ohne sich lustig zu machen, schreibt Güngör aus der Perspektive der älter werdenden Hatice, die sich über den Alltag in der Wohnung mit ihrem Ehemann Ömer beschwert: „Es dauert einen Moment, bis er reagiert. Bis sich die Worte durch sein Ohr geschlängelt haben und in seinem Gehirn angekommen sind. So lange steht er mit dem Korb da wie eine Statue. Man könnte es für Zögern halten oder meinen, er denke nach. Doch bei ihm ist es wie bei der Waschmaschine. Wenn sie anschaltet, dauert es einen Moment, bis das Wasser einläuft. Dazwischen: nichts.“








