Was heißt antifaschistische Literatur und was lernen wir aus ihr? Im Berliner Brecht-Haus wurde eine Woche lang über Literatur und Widerstand diskutiert.

Die Schriftstellerin Irmgard Keun

Brigitte Friedrich/ullstein bild

Wenn im Brecht-Haus die Vorhänge geöffnet sind, muss man sich gut konzentrieren. Draußen vor den Fenstern des Veranstaltungssaals zieht die Nacht in die Berliner Chausseestraße ein. Es ist windig, Schauer wechseln sich mit den letzten Strahlen der Abendsonne ab. Haare wehen, Straßenbahnen ruckeln vorbei, ein Herr mit schwarz-rot-goldenem Schirm guckt herein. Nach und nach verdunkelt sich das Gesamtbild.

„Sie haben das neue Deutschland nicht begriffen“, liest Ronya Othmann auf dem Podium ein Zitat der „Tant Adelheid“ vor. Es ist der zweite Abend des „Lesefestivals antifaschistischer Literatur“, das das Literaturforum im Brecht-Haus mit Mitteln des Landes Berlin ausrichtet. Die beiden Schrift­stel­le­r:in­nen Ronya Othmann und Domenico Müllensiefen wurden gebeten, ein Lesetagebuch zur Lektüre eines antifaschistischen Buches zu schreiben.