PfadnavigationHomeRegionalesSachsen-AnhaltWie Kampagnen und Spenden die Wahl beeinflussen könnenStand: 13:22 UhrLesedauer: 4 MinutenStrategisch wählen, taktisch wählen, AfD verhindern: Mehrere Kampagnen rufen im aktuellen Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt gezielt zu einem bestimmten Wahlverhalten auf. (Symbolbild)Quelle: Sebastian Gollnow/dpaCampact investiert mehr als 620.000 Euro, um die AfD im Landtag zu verhindern – wie beeinflussen solche gezielten Kampagnen das Wahlergebnis wirklich?Im laufenden Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt sind es nicht nur die politischen Parteien, die für oder gegen Wahlentscheidungen werben. Auch politische Organisationen, Prominente, Religionsvertreter und Verbände machen Wahlempfehlungen oder rufen zumindest zu einer möglichst hohen Wahlbeteiligung auf.Doch wie einflussreich sind solche Aufrufe tatsächlich? Das sei in höchstem Maße abhängig von den Umständen einer Wahl, sagt Thorsten Faas, Politikwissenschaftler und Wahlforscher an der Freien Universität Berlin. Die Aufrufe verschiedener Interessengruppen wie Kirchen, Gewerkschaften und auch Prominenter zur Wahlbeteiligung gehörten zu den «Klassikern», so der Experte. «Neuer sind Kampagnen, die sich für die Demokratie einsetzen und die damit auch mindestens implizit gegen einzelne Parteien gerichtet sind.»Experte: Strategisches Wählen kann Wahlausgang beeinflussenEin Beispiel: Mehrere Kampagnen in Sachsen-Anhalt sprechen sich für das strategische Wählen bestimmter Parteien aus, um eine AfD-Mehrheit im neuen Landtag zu verhindern. Unter anderem wirbt die Organisation Campact in ihrer Kampagne «Strategisch Wählen» derzeit gezielt für Zweitstimmen für SPD und Grüne. Dafür investiert die Organisation nach eigenen Angaben 620.000 Euro, finanziert aus privaten Spenden.Das könne durchaus Einfluss aufs Wahlergebnis haben, meint Wahlforscher Faas. «Taktisches Wählen braucht ja letztlich Koordination von vielen Einzelentscheidungen und genau das können diese Kampagnen leisten.» Zu den Erfolgsaussichten verweist Campact auf den Landtagswahlkampf in Sachsen 2024. Damals hatte die Organisation zum strategischen Wählen der Linken aufgerufen, um eine Sperrminorität der AfD im Dresdner Landtag zu verhindern.Die Linke verpasste die Fünf-Prozent-Hürde, schaffte den Einzug aber über den Gewinn mehrerer Direktmandate. Unklar ist, ob die Campact-Kampagne damals tatsächlich einen entscheidenden Unterschied gemacht hat. Im laufenden Wahlkampf liegt die SPD letzten Umfragen zufolge bei acht bis neun Prozent, die Grünen liegen bei etwa sechs Prozent.Die Grünen begrüßen die Kampagne. Die SPD gibt sich auf Nachfrage eher zurückhaltend. Man nehme das Engagement zur Kenntnis, erklärte Sprecher René Wölfer. Taktisch wählen sei nichts Neues. Auch 2021 hätten die Menschen «taktisch CDU gewählt». Die AfD konnte ihre Umfragewerte damals nicht in gleicher Höhe in ein Wahlergebnis verwandeln. Deutlich kritischer sieht die FDP, die nach aktuellen Umfragen mit rund drei Prozent der Stimmen aus dem Landtag zu fliegen droht, die Aufrufe zum strategischen Wählen.Es werde «schon sehr massiv in den Wahlkampf eingegriffen», findet FDP-Spitzenkandidatin und Infrastrukturministerin Lydia Hüskens insbesondere angesichts der Summe von 620.000 Euro, die allein Campact erklärtermaßen investiert.Promis und Influencer – enge Beziehung als WahlkampfargumentIn einer Multimedia-Kampagne mit dem Titel «Wahre Heimatliebe ist» haben sich zahlreiche Akteure gegen eine absolute Mehrheit der AfD ausgesprochen, darunter auch die international renommierte Thüringer Schauspielerin Sandra Hüller. «Bei Prominenten ist natürlich immer die Idee, ihre Bekanntheit, aber auch Beliebtheit – in der Regel aus anderen Kontexten – in die Politik zu exportieren», erklärt Wahlforscher Faas. Das könne besonders gut im Social-Media-Bereich funktionieren. Das zeige nicht nur das Beispiel von Prominenten. Besonders «Influencer» pflegten mit ihren «Followern» auf Plattformen wie Instagram und TikTok eine fast vertrauensvolle Beziehung.«Das macht übrigens auch Verstärkungen von Kampagnen aus dem persönlichen Umfeld heraus oft wirkungsvoller», erklärt der Experte weiter. Wie das aussehen kann, zeigt das Beispiel von Ulrich Siegmund: Knapp 600.000 Menschen folgen dem Account des AfD-Spitzenkandidaten auf Instagram. Noch einmal mehr – über 800.000 – sind es auf TikTok.Social Media gehört zu den entscheidenden Wahlkampfinstrumenten Siegmunds. Mehrfach täglich postet er Beiträge. Sein stets lächelndes Gesicht prägt den Wahlkampf der Partei. Auf den Veranstaltungen der Partei zeigt sich ein regelrechter Personenkult um den Mann aus Tangermünde. In langen Schlangen warten Anhänger, um Selfies, einen Handschlag und ein paar nette Worte von ihm zu bekommen. Etliche tragen T-Shirts mit Siegmunds Konterfei, die in ihrer Aufmachung an Barack Obamas «Yes, we can!»-Kampagne im Jahr 2008 erinnern.Was die Parteien zu Spenden im laufenden Wahlkampf sagenIhre Wahlkampagnen kosten die Parteien viel Geld. In einem zunehmend umkämpften und zersplitterten Wettbewerb ohne klassische Wählerloyalitäten verwenden die Parteien zudem mehr finanzielle Ressourcen im Wahljahr als bislang.Das zeigt eine Analyse der Politikwissenschaftler Jan Pollex und Marc S. Jacob in der wissenschaftlichen Zeitschrift «Party Politics». Die beiden Forscher von der Universität Osnabrück und der ETH Zürich haben die Angaben der Parteien zu Einnahmen und Ausgaben auf Bundes- und Landesebene für die Jahre 2009 bis 2017 untersucht. Demnach zeige sich in zersplitterten Parteiensystemen so ein Konzentrationseffekt stärker als anderswo.Wie viel Geld über Spenden in die Kampagnen der Parteien fließt, ist nur teilweise bekannt. Die AfD Sachsen-Anhalt mache zur Menge und Höhe der Spenden keine Angaben, sagte Sprecher Patrick Harr auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Ähnlich äußern sich SPD und CDU. Die CDU verweist auf die Kreisverbände, die ihre Rechenschaftsberichte erst bis März kommenden Jahres vorlegen müssten. Die FDP erklärt lediglich, um Spenden zu werben.Von höheren Einnahmen als bei den vergangenen Landtagswahlen spricht die Linke. Einzig die Grünen werden konkret: Bislang hat die Partei demnach rund 300.000 Euro aus 1.250 Einzelspenden erhalten. Anzeigepflichtige Großspenden über 50.000 Euro gab es den Angaben zufolge bei keiner Partei.dpa-infocom GmbH
Wie Kampagnen und Spenden die Wahl beeinflussen können - WELT
Campact investiert mehr als 620.000 Euro, um die AfD im Landtag zu verhindern – wie beeinflussen solche gezielten Kampagnen das Wahlergebnis wirklich?








