Wer „klassische deutsche Turniermannschaft“ googelt, landet immer noch bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Ach, Google, wach auf! Der Weltmeistertitel ist zwölf Jahre her, der EM-Gewinn 30 Jahre. In diesen drei Jahrzehnten haben die deutschen Hockeymänner viermal die Weltmeisterschaft, fünfmal die Europameisterschaft und zweimal Olympiagold gewonnen. Am Sonntag schlossen die Hockeymänner mit einem 1:0-Sieg im Endspiel gegen Spanien nicht nur zu den vier WM-Titeln der deutschen Fußballer auf, sondern auch zum Hockey-Rekordweltmeister Pakistan. Dessen letzter WM-Titel ist allerdings schon 32 Jahre her. Auch Pakistans Hockeytruppe, ganz ehrlich, ist schon lange keine klassische Turniermannschaft mehr.Den deutschen Hockeymännern können in dieser Kategorie aktuell allenfalls die deutschen Basketballer das Wasser reichen. Sie sind, genau wie die Hockeyspieler, aktueller Welt- und Europameister. Während die Hockeymänner seit Sonntagabend auch wieder Weltranglistenerster sind, stehen die Basketballer im World Ranking auf Platz zwei hinter den USA. Allerdings gewannen die Korbjäger Ende vergangenen Jahres die renommierte deutsche Athleten- und Journalistenwahl „Sportler des Jahres“ in der Teamkategorie und halten damit aktuell gewissermaßen drei Titel. „Team des Jahres“ waren die deutschen Hockeymänner zuletzt 2008 als Olympiasieger. Als sie diesen Titel 2012 verteidigten, wurde der Ruder-Achter zum „Team des Jahres“ gewählt. Hockey verliert sukzessive Anteile in der öffentlichen Gunst. Das WM-Endspiel am Sonntag wurde, wenn auch kostenfrei, nur von Magenta-TV übertragen.Binnen vier Jahren wurde die Auswahl Weltmeister 2023, Olympia-Zweiter 2024, Europameister 2025 und jetzt wieder WeltmeisterDabei wird die Erfolgsserie der Hockeymänner unter dem seit fünf Jahren amtierenden Bundestrainer André Henning, 42, immer unheimlicher. Henning selbst adelt sein Team voller Hochachtung als „klassische deutsche Turniermannschaft“. Binnen vier Jahren wurde die Auswahl Weltmeister 2023, Olympia-Zweiter 2024, Europameister 2025 und jetzt wieder Weltmeister 2026. In diesem Zeitraum vollzog sich, wohlgemerkt, zugleich ein Generationswechsel. Der Siegtorschütze vom Sonntag, Michel Struthoff aus Mönchengladbach, ist 23 Jahre alt und WM-Debütant. Die deutsche U21-Hockey-Nationalmannschaft ist mit acht WM-Titeln mit großem Vorsprung Rekordweltmeister. Beim Deutschen Hockey-Bund ziehen sie aus der Nachwuchsarbeit seit Jahren einen Joker nach dem anderen hervor.Struthoff landete am Sonntagabend außer seinem Siegtor noch einen weiteren Treffer. Im allgemeinen Jubel nach der Schlusssirene näherte er sich einer TV-Kamera und rief hinein: „Weltmeister samma, den Pott hamma!“ Das war keine spöttische Verhohnepipelung der gleichlautenden Thomas-Müller-Worte nach dem bislang letzten WM-Titel der Fußballer 2014. Nennen wir es lieber eine Hommage, eine Ehrerweisung.Wer „klassische deutsche Turniermannschaft“ googelt, sollte mittlerweile eigentlich bei den deutschen Hockeymännern landen. Klar wird Hockey nie auch nur annähernd die Popularität des Fußballs erreichen und auch nicht die Gunst des Basketballs. Kein Ding! Die Leistungen vom Verband, dem Bundestrainer Henning und den Nationalspielern aber verdienen höchste Anerkennung. Womöglich reicht das in vier Monaten sogar mal wieder zum „Team des Jahres“ samt Auftritt auf der großen Bühne in Baden-Baden und live im ZDF. Nach 18 Jahren voller Titel und Triumphe wäre das absolut angemessen.