Kurz nach dem 2:1-Halbfinalsieg am Freitagabend gegen Argentinien hatte der Bundestrainer André Henning noch auf dem Feld im Kreis der Mannschaft mal wieder eine seiner suggestiven Zukunftsvorhersagen gewagt. „Leute, in zwei Tagen rutschen wir hier mit einem Weltmeisterpokal über den Platz!“, hatte der 42-Jährige unter dem Jubel der deutschen Hockeynationalspieler prophezeit. 44 Stunden später, am frühen Sonntagabend, war der Moment der Wahrheit gekommen.Und wirklich: Der Hellseher Henning hat schon wieder Recht behalten. Das WM-Endspiel gegen Spanien gewannen die deutschen Hockeymänner in Wavre im Südosten Brüssels mit 1:0 (0:0) und rutschten anschließend mit einem Weltmeisterpokal über den Platz. Sie verteidigten ihren Titel von 2023, damals in Indien. Zum sechsten Mal stand eine deutsche Männermannschaft im Hockey-WM-Finale, zum vierten Mal triumphierte sie. Den Siegtreffer erzielte Michel Struthoff in der 44. Minute. Mehrfach parierte der Torwart Jean-Paul Danneberg und hielt das deutsche Tor sauber.Hockey-WM:„Sie machen es herausragend“Das deutsche Hockey-Männerteam steht auch deshalb im WM-Halbfinale, weil sich die nächste Generation an Talenten nahtlos einfügt. Gegen Argentinien soll noch nicht Schluss sein.Die deutschen Hockeymänner bleiben somit Welt- und Europameister (2025) und erobern mit dem Finalsieg zudem den ersten Platz in der Weltrangliste. Als bester junger Spieler der WM wurde Justus Warweg, 19, ausgezeichnet. Es war der einzige Einzel-Award für eine deutsche Mannschaft, die als Kollektiv glänzte.Nach der Schlusssirene als erlösendes Ende auch einer aufopferungsvollen Abwehrschlacht lagen sich die deutschen Männer völlig erschöpft und selig in den Armen. Siegtorschütze Struthoff, gebürtiger Mönchengladbacher, raunte bei Magenta-TV in die Kamera: „Weltmeister samma, den Pott hamma!“ Er bediente sich dabei gewissermaßen am Weltmeister-samma-Zitat von Thomas Müller aus dem Jahr 2014, als die deutsche Fußball-Nationalelf den vierten WM-Titel gewonnen hatte.Für so einen Moment haben die Spieler jahrelang gearbeitet und sind jeden Morgen früh aufgestanden.Bundestrainer André Henning„Es war eine absolute Traumreise“, schwelgte Henning nach dem Finaltriumph, „und die fühlt sich gerade an wie fünf Wochen, nicht wie zwei, so intensiv war es.“ Die dokumentarischen Aufnahmen, die der übertragende Sender Magenta-TV am Rande der WM drehte, würden ganz sicher „den Oscar“ gewinnen, witzelte der Bundestrainer. „Für so einen Moment haben die Spieler jahrelang gearbeitet und sind jeden Morgen früh aufgestanden“, sagte Henning kurz wehmütig.Nach 2002, 2006 und 2023 war es der vierte Titel. Gegen Spanien war es die Revanche für eine 1:2-Niederlage neun Tage zuvor im Zwischenrundenspiel; diese Niederlage hätte den deutschen Männern beinahe den ersehnten Einzug ins Halbfinale zunichtegemacht.Doch dies sollte im Laufe der WM die einzige Niederlage bleiben. Das deutsche Team besiegte im Turnier den Weltranglisten-Ersten Belgien 2:1, den Weltranglisten-Vierten Australien 4:2, am Freitagabend im Halbfinale den Weltranglisten-Siebten Argentinien 2:1 und am Sonntag den Weltranglisten-Sechsten Spanien 1:0. Das deutsche Team dominierte bei dieser WM nahezu alle Spitzenteams, die einzelnen Ränge im World Ranking bedeuten ohnehin allenfalls minimale qualitative Abstufungen.„Es war eine absolute Traumreise“: Die deutsche Nationalmannschaft mit ihrem Prunkstück, dem WM-Pokal.Geert Vanden Wijngaert/APDurch den Triumph schließt Deutschland nach Titeln zum Rekordweltmeister Pakistan auf. Dessen letzter WM-Gewinn ist zwar 32 Jahre her (1994), aber seither hatte keine Nation die Asiaten einholen können. Nun führen Deutschland und Pakistan das ewige Ranking mit jeweils vier Titeln gemeinsam an. Danach folgen mit je drei WM-Titeln Australien und die Niederlande.1982 hatte Deutschland das WM-Endspiel gegen Pakistan verloren, 2010 gegen Australien. Häufiger in einem WM-Finale, nämlich siebenmal, haben nur die Niederlande gestanden. Doch sie verpassten diesmal ausgerechnet als WM-Mitgastgeber nicht nur den Einzug ins Endspiel. Nach zuvor vier WM-Medaillen in Serie gewannen die Männer diesmal gar keine Medaille, sie verloren das Spiel um Bronze am Sonntag gegen Argentinien mit 1:2.Henning hatte seinen Spielern vor dem Finale verboten, mit den Spaniern „Salsa zu tanzen“. Man setzte robuste „deutsche Tugenden“ dagegen. Schon früher im Turnier hatte der Bundestrainer seine Mannschaft als „klassische deutsche Turniermannschaft“ geadelt. Die Torschützen dieser Mannschaft im Turnier waren Justus Weigand (4), Paul-Philipp Kaufmann (2), Justus Warweg (2), Jakob Brilla (2), Michel Struthoff (2), Hannes Müller, Christopher Rühr und Hugo von Montgelas.Von einem „Mentalität-Marathon“ hatte Henning nach dem Halbfinalsieg gegen Argentinien gesprochen, aber letztlich galt dies für die ganze, sieben deutsche Spiele binnen zwei Wochen umfassende WM. Seine Mannschaft habe einfach „das richtige Mindset“ für diesen Titelgewinn mitgebracht, lobte Henning. Dann wurde erst mal gefeiert. Auch darin sind die Hockeymänner versiert. Die nächsten Stationen auf dem langjährigen deutschen Mentalitäts-Marathon sind die Europameisterschaft 2027 in London und die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles.
Hockey-WM: Deutschland ist Weltmeister, Struthoff wird gegen Spanien zum Matchwinner
Deutschlands Hockey-Männer gewinnen zum vierten Mal in der Geschichte den WM-Titel und sind nun zusammen mit Pakistan Rekord-Champion.










