Es ist erst ein paar Jahre her, da wähnte sich der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) auf dem direkten Weg in die Weltspitze. Olympiasilber 2018, WM-Halbfinale 2021, WM-Silber 2023. Und dann erst die Erfolgsgeschichten in der Eliteliga NHL: Leon Draisaitl wurde mit Preisen überhäuft, Tom Kühnhackl, Philipp Grubauer und Nico Sturm gewannen den Stanley Cup, mit Moritz Seider und Tim Stützle kamen neue Jungstars nach.Nun ist die Laune eine ganz andere: Das Vorrundenaus nach einem biederen Auftritt bei der WM in Zürich ist das zweite in Serie, zwischendurch wurde der „beste deutsche Kader aller Zeiten“ mit vielen NHL-Stars im Olympia-Viertelfinale von der Slowakei vorgeführt. Ein Jahr vor der Heim-WM, die mit einem großen Spiel in der Arena auf Schalke eröffnet werden soll, ist die Begeisterung verflogen.„Man kann einen Trend sehen“, sagte Kapitän Moritz Seider, der in Zürich nicht nur auf dem Eis voranging, sondern auch verbal. Während Bundestrainer Harold Kreis von einer „stabilen, soliden Gruppenphase“ sprach und DEB-Sportvorstand Christian Künast die WM als „Momentaufnahme“ abtat. Zwar seien zuletzt Ziele verfehlt worden, aber Deutschland stehe halt zwischen Platz sieben und zwölf in der Welt, da reiche es nicht immer fürs Viertelfinale.Dieses Mal habe es am Über- und Unterzahlspiel gelegen, sagt Künast. Das war in der Tat grauenhaft, aber allein taugt es nicht als Erklärung. Das deutsche Eishockey hängt strukturell hinterher. Denn bis heute sind alte Probleme nicht gelöst: die wenigen Eishallen (nicht mal 200), die wenigen Aktiven (rund 25.000), die mangelnde Nachwuchsförderung. Viele Talente gehen schon früh ins Ausland. Die U20 hat jüngst nur knapp den Abstieg in die B-WM verhindert, die U18 ist sogar abgestiegen. Und in der NHL sind deutsche Talente kaum noch gefragt.Zu wenig NachwuchsförderungMoritz Müller, der eigentliche DEB-Kapitän, der in der Schweiz als TV-Experte auftritt, wünscht sich nun eine große Runde mit Verband, Ligen und Spielern. Denn obwohl stets Einigkeit beschworen wird, werkelt jeder für sich herum. DEL und DEL2 jubeln zwar jedes Jahr über neue Zuschauerrekorde, aber sportlich passiert woanders deutlich mehr. Gerade was die Nachwuchsförderung angeht.Nun haben beide Ligen Ausländer-Beschränkungen und Vorgaben für U-Spieler. Aber beides wird zuverlässig umgangen: kein Team, das ohne eingebürgerte Profis spielt. Kaum eins, das junge Spieler in entscheidenden Phasen aufs Eis schickt. Es gibt nun mal zu wenige deutsche Trainer oder Manager. Das sind meist Nordamerikaner, die nur ans nächste Spiel, maximal an die nächste Saison denken. Folglich waren unter den 20 Topscorern der DEL-Saison genau sechs Deutsche, nur zwei sind unter 30 Jahre alt. In der DEL2, die sich als Ausbildungsliga sieht, sind es noch weniger – unter 30 ist davon gar keiner.Doch woher sollen die Spieler kommen? Das wiederum fällt in die Verantwortung des Verbands, der mehr in die Ausbildung investieren muss – auch in die von Trainern. Der alte DEB-Vorstand hatte mit dem Projekt „Powerplay 26“ zwar etwas angestoßen, aber das war nur die Grundlage, das Zieljahr 2026 außerdem jetzt erreicht. Laut Künast soll die neue Vision auf der nächsten Mitgliederversammlung vorgestellt werden. Da müssten sie auch „unbequeme Dinge einleiten“. Das ist bitter nötig.
Aus bei Eishockey-WM: Deutschland hängt strukturell hinterher
Noch vor drei Jahren blickte das deutsche Eishockey in eine vermeintlich rosige Zukunft. Doch die nächste Enttäuschung bei der WM zeigt: Es liegt einiges im Argen.












