Moritz Seider redet nicht lange um den Brei herum. Der 25-Jährige ist Verteidiger bei den Detroit Red Wings in der National Hockey League, einer der besten Abwehrspieler der Welt in der besten Eishockey-Liga der Welt. In der NHL sind die Spielfelder kleiner als in Europa, das Spiel ist noch schneller, man hat noch weniger Zeit. Also beherzt rein mit dem Löffel in den Brei, solange er heiß ist, Klartext: „Wir haben gegen die USA ordentlich gespielt“, sagte der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft. „Aber wenn du das nur ein Mal im Turnier schaffst, dann wird es schwierig, unter die top Acht zu kommen.“Das Team des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) hatte am Montagabend in seinem letzten Gruppenspiel bei der WM in der Schweiz 6:3 gegen den Auf- und Absteiger Großbritannien gewonnen, so wie zuvor gegen Österreich und Ungarn (jeweils 6:2). Diese Siege, damit ja keiner etwas missverstehe, seien zwar schön, so sei diese WM „nicht komplett verschenkte Zeit“ gewesen: „Aber sie sollten nicht unser Maßstab sein“, sagte Seider. Der Anspruch müsse ein Platz unter den besten acht Mannschaften der Welt sein, „das ist auch absolut machbar“. Zumindest „glaube ich, dass wir alle diesen Anspruch haben.“Weltmeisterschaft in der Schweiz:Spielplan der Eishockey-WM 2026: Alle Spiele und ErgebnisseNach Olympia ist vor der WM: Am 15. Mai startet die Eishockey-Weltmeisterschaft in der Schweiz. Der Spielplan mit den deutschen Spielen und allen Ergebnissen.So ganz sicher kann man sich da nicht mehr sein, wenn man DEB-Sportvorstand Christian Künast am Montag hörte, der einen Platz „zwischen sieben und zwölf“ in der Weltrangliste für realistisch hält. Es wäre jedenfalls „sehr viel mehr drin gewesen“, sagte Seider. Aber weil es zu Turnierbeginn ein „großes Down“ gegeben habe – nach dem ärgerlichen 1:3 gegen „schlagbare“ Finnen meinte er vor allem die 0:2-Niederlage gegen Lettland und das 3:4 gegen die USA nach 3:2-Führung bis kurz vor Schluss – „stehst du jetzt da und bibberst“.Theoretisch war die Qualifikation fürs Viertelfinale trotzdem noch möglich, falls die Ungarn die Letten in der regulären Spielzeit schlagen sollten. Der Kopf, sagte Seider, schaue „gerade so wieder raus“ aus dem Loch, das sie sich selbst gegraben hätten. Aber dem Kopf war auch klar, dass diese WM nicht mehr zu retten sein würde. „Ich weiß auch nicht, ob es verdient wäre. So ehrlich muss man sein.“Allzu lange bibbern mussten sie dann nicht. Am Dienstagnachmittag schlugen die Letten in Zürich die Ungarn ohne Umschweife 8:1 und zogen damit an Deutschland in der Tabelle der Gruppe A vorbei, womit schon vor dem abschließenden Gruppenspiel zwischen Titelverteidiger USA und Österreich feststand: Deutschland verpasst das Viertelfinale dieser WM, so wie 2025.Fragen nach der Zukunft von Bundestrainer Kreis wehrt DEB-Sportvorstand Künast ab: „Beantworte ich nicht.“Nimmt man die Olympischen Spiele im Februar in Mailand dazu, wo das Team mit allen NHL-Profis um Leon Draisaitl zwar ins Viertelfinale kam und Platz sechs belegte, hinterher aus der Mannschaft aber von einer „großen Enttäuschung“ die Rede war, so stehen nun drei unbefriedigende Turniere in Serie in der Vita von Bundestrainer Harold Kreis. In Zürich wirkten die Entscheidungen und das Auftreten des 67-Jährigen nicht immer souverän. Dabei hatte der ehemalige Nationalspieler zum Einstand mit der Mannschaft vor drei Jahren die WM-Silbermedaille gefeiert.Ein Jahr vor der Heim-WM werden nun Stimmen vernehmlich, die über Kreis’ Zukunft Auskunft verlangen. Seinen Vertrag hatte der DEB im Dezember vorzeitig bis 2027 verlängert. Fragen dazu wehrte Sportvorstand Künast am Montag ab: „Das beantworte ich nicht“, sagte er, solange er nicht gemeinsam mit Kreis die WM analysiert habe. Das werde erst nach dem Turnier geschehen, das noch bis Sonntag andauert. Für die deutsche Nationalmannschaft aber war die WM bereits am Dienstag beendet.
Eishockey-WM: Ungarische Schützenhilfe bleibt aus - Deutschland verpasst Viertelfinale
Wie schon im vergangenen Jahr scheitert das DEB-Team in der WM-Vorrunde. Ein Jahr vor der Heim-WM übt Kapitän Seider deutliche Selbstkritik, auch an Bundestrainer Kreis mehren sich die Zweifel.










