Messung von Farblicht : Wie hell ist hell?31.08.2026, 06:00Lesezeit: 2 Min.Forscher der Justus-Liebig-Uni Gießen stellen die klassische Photometrie von Farblicht infrage. Ihre Studie zeigt: Helligkeit lässt sich offenbar einfacher vorhersagen als bisher angenommen.Wie hell ist eine farbige Lichtfläche tatsächlich? Seit rund 100 Jahren ist Candela die internationale Einheit der Lichtstärke und Basis der Photometrie. „Candela ist die einzige SI-Einheit, die nicht auf reiner Physik, sondern auf der menschlichen Wahrnehmung beruht“, sagt der Gießener Wahrnehmungsforscher Karl Gegenfurtner.Doch gerade bei farbigem Licht weicht die klassische Photometrie – also die Bewertung von Licht anhand der menschlichen Hellempfindlichkeit – offenbar deutlich davon ab, wie hell Menschen eine Lichtfläche wahrnehmen. Das zeigt eine Studie der Uni Gießen und eines internationalen Forschungsteams, die nun im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“ veröffentlicht wurde. Gesättigte Farben und insbesondere blaues Licht erschienen den Studienteilnehmern heller, als es die klassische photometrische Messung erwarten ließ.Die Forscher entwickelten deshalb einen anderen Ansatz. Die Teilnehmer sortierten 144 farbige Felder nach ihrer wahrgenommenen Helligkeit. Die Reihenfolge blieb bei einer Wiederholung nach mehr als einem halben Jahr nahezu unverändert. Auch auf nicht kalibrierten Bildschirmen zu Hause zeigte sich dasselbe Muster. Neben 45 Testpersonen im Labor bearbeiteten 486 weitere Personen die Aufgabe online.Was die neue Regel bedeuten könnteDie Auswertung führte zu einer überraschend einfachen Regel: Für die wahrgenommene Helligkeit ist demnach vor allem der jeweils höchste Wert der gewichteten Rot-, Grün- und Blauanteile einer Farbe entscheidend. Mit diesem Modell ließen sich mehr als 95 Prozent der beobachteten Helligkeitsurteile erklären. Die anderen untersuchten photometrischen Modelle schnitten schlechter ab.Auch physiologische Messungen stützen das Ergebnis. Bei EEG-Messungen folgten die Reaktionen des Gehirns auf langsam wechselndes Licht dem neuen Modell, während schnell flackerndes Licht weiterhin der klassischen photometrischen Leuchtdichte folgte. In einem Raum mit farblich einstellbarer LED-Beleuchtung wählten die Teilnehmer zudem bevorzugt die Beleuchtung, die nach dem neuen Modell als heller bewertet wurde.Nach Einschätzung des Forschungsteams könnte der Ansatz künftig etwa für die Planung von Beleuchtung, die Kalibrierung von Bildschirmen und die Entwicklung energieeffizienter Lichtquellen relevant werden.
Studie der Universität Gießen zeigt: Farbe ist für empfundene Helligkeit entscheidend
Forscher der Justus-Liebig-Uni Gießen stellen die klassische Photometrie von Farblicht infrage. Ihre Studie zeigt: Helligkeit lässt sich offenbar einfacher vorhersagen als bisher angenommen.






