Der Ausflug zum Strand bringt an einem heißen Augusttag nicht die erhoffte Abkühlung, sondern Enttäuschung: Grünliche Schlieren treiben auf dem Wasser, es sieht wenig einladend aus. Messungen des Gesundheitsamts bestätigen den Verdacht, Cyanobakterien haben sich vermehrt. Bei Temperaturen über 25 Grad gelingt das diesen Organismen, die auch als Blaualgen bezeichnet werden, besonders gut. Wabern sie sichtbar durchs Wasser, sind sie ein Risiko für die Gesundheit. Vor dem Baden wird gewarnt oder der Strand ganz geschlossen. Allein in Hessen betrifft dies in diesen Tagen 15 Gewässer, das ist ein Drittel der Badeseen.Cyanobakterien können Toxine produzieren, leberschädigende Substanzen oder Nervengifte, die Wassersportler, planschende Kinder und Tiere gefährden. Allerdings sind hierzulande bei Menschen keine Vergiftungsfälle bekannt. Gefährlicher ist: Wenn Menschen untergehen, haben Rettungsschwimmer keine Chance mehr, sie in dem trüben, bläulich-grün gefärbten Wasser zu finden.Einzeller, die Kolonien bilden könnenAlgenblüte heißt das Phänomen, wenn sich Mikroorganismen in Gewässern so stark vermehren, dass sie als Film zu erkennen sind und als Schaum oder Schleim die Strände bedecken. Der Name täuscht. Cyanobakterien sind keine Algen. Es sind Einzeller ohne Zellkern, Prokaryonten, allerdings ziemlich große, größer als die meisten anderen Bakterienarten. Einige Cyanobakterienarten sondern Kohlenhydrate ab, mit denen sich die einzelnen Zellen zu langen Fäden zusammenkleben oder als Matten auf Steinen oder Sediment haften, sich um Finger und Zehen wickeln und die Steine glitschig werden lassen. Das erweckt den Eindruck, es handele sich um Pflanzen.
Cyanobakterien: Algenblüten im Badesee, Bioplastik im Labor
Cyanobakterien gibt es überall. Sie sind lästig, giftig – und vielleicht die Lösung einiger Umweltprobleme. Porträt einer missverstandenen Lebensform.






