Die Weißenhofsiedlung in Stuttgart ist der Inbegriff für die Moderne in der Architektur. Wer heute durch die Straßen schlendert und die ikonischen Gebäude bekannter Architekten wie Le Corbusier besichtigt, denkt vor allem an zeitlose Schönheit, die über ein Jahrhundert nichts an Strahlkraft verloren hat.
Dabei ging es in den 1920er-Jahren vor allem um preiswerten Wohnungsbau für Arbeiter und Angestellte. Durch die Industrialisierung war die Wohnungsnot groß. Unter der Leitung von Mies van der Rohe unterwarfen sich alle beteiligten Architekten der Aufgabe, eine entsprechende Mustersiedlung zu errichten, bei der sowohl innovative technische Einrichtungen als auch neue Materialien zum Einsatz kamen. Van der Rohe schuf einen Wohnblock in Skelettbauweise, der durch die Verwendung beweglicher Trennwände erstmals das Konzept eines frei zu gestaltenden Grundrisses verwirklichte.
Ein Dorf mitten im Wohngebiet
Herausforderungen, neue Wohnformen mit aktuellen technischen Entwicklungen zusammenzubringen und damit zur Lösung der Wohnungsnot beizutragen, sind aktueller denn je. Das kommunale Wohnungsunternehmen Jenawohnen hat Anfang Juli für sein „Smartes Quartier“ in Jena-Lobeda den DW-Zukunftspreis der Immobilienwirtschaft erhalten. Dieses Modellprojekt zeigt, dass sich der DDR-Plattenbau hervorragend eignet, um energetische Sanierung, digitale Technologien, Wohlbefinden und Bezahlbarkeit in Einklang zu bringen. „Der DW-Zukunftspreis bestätigt unseren Ansatz, Bestandsquartiere ganzheitlich weiterzuentwickeln. Energetische Sanierung, digitale Lösungen und soziale Angebote dürfen nicht nebeneinanderstehen, sondern müssen zusammenwirken“, so der Geschäftsführer von Jenawohnen, Tobias Wolfrum. Bei diesem Großversuch an einem Elfgeschosser vom Typ WBS 70 mit 250 Wohnungen ging das Wohnungsunternehmen in jeder Hinsicht neue Wege. Völlig undenkbar war bis dahin, dass das Gebäude nicht mit einer Dämmschicht eingepackt werden würde, um eine höhere Energieeffizienz zu erreichen. Untersuchungen hatten bestätigt, dass die Platten des Modularsystems aus drei Schichten bestehen und eine sechs Zentimeter starke Dämmung im Kern enthalten. Von außen nachzurüsten, hätte einen enormen Aufwand erfordert und weder wirtschaftlich noch wärmetechnisch Sinn ergeben. Vor diesem Hintergrund fiel die Entscheidung, die Fugen neu zu versiegeln und Schäden auszubessern. Diese Methode führte zum gewünschten Ergebnis.






