Was zu DDR-Zeiten gebaut wurde, kommt allmählich in die Jahre. Nach und nach zeigt sich nun das Potenzial der kompakten Grundrisse von Wohnungen aus der späten Nachkriegszeit, das heute meist unter Raufasertapete und einer dicken Schicht Putz verborgen liegt.„In den vergangenen 30 Jahren lag der Fokus auf Altbausanierungen“, sagt Christopher Sitzler. „Heute gibt es immer mehr Menschen, die die Qualitäten in Wohnungen von Nachkriegsgebäuden schätzen und bereit sind, Geld in die Hand zu nehmen, um diese von Grund auf zu sanieren.“

Joachim Näther, der Chefarchitekt der DDR, gestaltete die acht paarweise errichteten Wohnhochhäuser auf der Südseite der Straße, die bis heute die Nachbarschaft prägen.

© Ruben Riermeier

Der Berliner Architekt freut sich, wenn er an Projekten arbeiten darf, bei denen es nicht um Stuck oder Fischgrätparkett geht: „Altbauten wurden inzwischen in nahezu allen Varianten neu interpretiert. Typologien, mit denen noch nicht so viel gemacht wurde, finde ich aktuell spannender“, erzählt er. Sitzlers eigene Wohnung ist die beste Referenz: Im Jahr 2020 kaufte er gemeinsam mit seinem Mann eine 100-Quadratmeter-Einheit in einem der Hochhäuser von Joachim Näther und Werner Straßenmeier in der Leipziger Straße und legte die Bausubstanz frei. Den neuen, halboffenen Grundriss richtete er entlang der Betonträger aus.