Zwei Baustellen, zwei Zeitrechnungen, ein Stadtteil. Während in der Hauptstraße 44 Handwerker barocken Stuck aus dem 17. Jahrhundert freilegen, wachsen keine zwei Kilometer weiter an der Landsberger Allee acht-geschossige Wohnblöcke aus vorgefertigten Stahl-Beton-Modulen in den Himmel.

Alt-Hohenschönhausen erlebt gerade einen der auffälligsten Kontraste der Berliner Stadtentwicklung: hier die denkmalgerechte Wiederbelebung eines jahrhundertealten Gutshauses, dort Europas größtes Modulbauprojekt. Beide sollen 2026 an ihr Ziel kommen.

Das Gutshaus: Vom Verfall zum Kiez-Wohnzimmer

Wer die Hauptstraße 44 kennt, kennt meist nur die Ruine dahinter. Das Gebäude, im Volksmund „Schloss Hohenschönhausen“ genannt, zählt zu den ältesten erhaltenen Bauwerken im Ortsteil. Seine Wurzeln reichen unterschiedlichen Quellen zufolge bis ins späte 15. beziehungsweise ins 17. Jahrhundert zurück – die Adelsfamilie von Röbel ließ an dieser Stelle einst einen Gutshof errichten, der über die Jahrhunderte mehrfach umgebaut wurde.

Genutzt wurde das Haus seitdem für so ziemlich alles, was ein Gebäude in Berlin durchmachen kann. 1930 übernahm es die Stadt Berlin und richtete eine Sozialeinrichtung ein. Zwischen 1945 und 1989 diente es als Geburtsklinik – ein Ort, an dem buchstäblich Generationen von Hohenschönhausenern zur Welt kamen. Danach: jahrzehntelanger Leerstand.