Der Start ist schon mal typisch Robert Habeck. „Ich bin Robert Habeck und ich stehe nicht zur Wahl“, sagt der frühere Vizekanzler. Ein Seufzen und „Oh“-Rufe gehen durch den Biergarten in Magdeburg. Vor ihm drängen sich die Menschen an 200 Biertischen direkt an der Elbe, viele Kamerateams umringen ihn. Der frühere Vizekanzler sitzt da, als stünde er wieder zur Wahl: Lächeln, hochgekrempelte Ärmel. Aber er hilft hier nur. „Die Grünen sind die Partei der Stunde in Sachsen-Anhalt“, redet Habeck weiter. Mit ihrem Gast ist Spitzenkandidatin Suse Sziborra-Seidlitz zumindest eine Überraschung gelungen.Habeck hat sich eigentlich 2025 aus dem aktiven politischen Geschehen zurückgezogen und sein Bundestagsmandat abgegeben. Seitdem forscht der promovierte Philosoph in Kopenhagen, tritt an amerikanischen Eliteuniversitäten auf oder bei seiner Show „Habeck live“ am Berliner Ensemble. Seit August ist er Berater bei einer dänischen Immobiliengesellschaft. Sein letzter politischer Auftritt für die Grünen ist lange her. Beim Wahlkampf von Cem Özdemir zu Beginn des Jahres in Baden-Württemberg war er nicht willkommen. Habeck-Show im Biergarten Nach seinem Rücktritt aus der aktiven Politik unterstützt Habeck überraschend die Grünen im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt. © AFP/RONNY HARTMANN In Magdeburg jedoch ist die Unterstützung gewollt, gewünscht und wird auch benötigt. Sziborra-Seidlitz und Habeck haben zur gemeinsamen Mittagspause eingeladen. Essen und Trinken gibt es umsonst, dazu jede Menge Fotos und immer wieder Seitenhiebe gegen die in Umfragen weit führende AfD. „Es wird eine Wahl sein, bei der entschieden wird, ob seit 1945 erstmals wieder ein Bundesland faschistisch regiert wird, oder ob sich die Demokratie durchsetzt“, sagt Sziborra-Seidlitz. Tatsächlich könnte ein Einzug der Grünen in den Landtag, der nach den neuen Umfragen wieder möglich erscheint, eine absolute Mehrheit der AfD verhindern.Neun Tage vor der Wahl zählt deshalb jede Kleinigkeit und jede Hilfe. „Wir ringen um Aufmerksamkeit“, gibt Sziborra-Seidlitz im Tagesspiegel-Gespräch zu. „Durch solch prominente Gäste hoffen wir natürlich, noch mehr davon zu bekommen, als wir alleine in Sachsen-Anhalt erreichen können“.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Das anschließende Gespräch der beiden Politiker wirkt wie eine Show, durchchoreografiert vom erfahrenen Habeck, der sich wohlfühlt im Mittelpunkt. Er bringt die Menge mehrfach zum Lachen, unter anderem weil er seine Parteikollegin immer wieder in eine neue Richtung schiebt, damit alle Besuchenden die zwei zu Gesicht bekommen. Er witzelt, führt das durch das Gespräch, das sich vor allem um die Persönlichkeit der Spitzenkandidatin dreht, um sie noch nahbarer zu machen.„Morgens vor dem Spiegel fühle ich mich mittlerweile nicht mehr so frisch“, sagt Sziborra-Seidlitz nach wohl nur vier Stunden Schlaf in der letzten Nacht. „Psst, Suse, so was gibt man im Wahlkampf nicht zu“, kontert Habeck und erhält dafür wieder Lacher aus dem Publikum. Inhaltlich geht es um Klimaschutz, Hitzefolgen und Energie in Sachsen-Anhalt.Für die Anwesenden scheint das Inhaltliche jedoch eher nebensächlich. Der Großteil der Gäste wählt wohl ohnehin Grün und ist auch Fan des entschwundenen Politikers. Besucherin Karin ist seit Jahren bei „Omas gegen Rechts“ aktiv und möchte ihren Nachnamen daher nicht veröffentlicht wissen. An ihrer Kleidung trägt sie ein Badge des Vereins. Vor Habeck habe sie großen Respekt, erzählt sie.Fragen vom Tagesspiegel und anderen Medien beantwortet Habeck an diesem Freitag nicht. Nach der Veranstaltung sieht er müde aus und fragt sein Team regelmäßig nach der Uhrzeit. „Suse ist die Frau der Stunde“, sagt er lediglich. Ob sie das auch am kommenden Sonntag ist, könnte über vieles entscheiden in Deutschland.
Robert Habeck in Magdeburg: Kurz zurück im alten Stil
Der frühere Vizekanzler gibt ein kurzes Gastspiel im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt. Damit will er den Grünen über die Fünf-Prozent-Hürde helfen und so eine AfD-Regierung verhindern.








