Magdeburg, Halberstadt, Brocken. Der Parteichef fährt das Auto selbst. „Du hast ein Taxi bestellt?“, fragt Felix Banaszak den auf dem Bürgersteig wartenden Mann. „Ja, einmal nach Halberstadt bitte“, sagt dieser und steigt ein.Los geht’s, von Magdeburg nach Halberstadt, eine gute Dreiviertelstunde Zeit für ein Gespräch, für Kritik und Sorgen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September.Der Co-Chef der Grünen kurvt gerade im „Taxi Banaszak“ durchs Land und nimmt Menschen mit, die mit ihm ins Gespräch kommen wollen. An diesem Donnerstag sitzt Sascha im Taxi. „Ich habe an eine der üblichen politischen Floskeln gedacht, als Felix Banaszak in einer Talkshow von der Idee erzählte und dazu aufrief, sich bei Interesse zu melden“, sagt der eben Zugestiegene. „Aber jetzt bin ich wirklich dabei.“Der Druck vor der ersten Landtagswahl des Jahres ist erheblich, und so treibt er die Grünen zu ungewöhnlichen Ideen. Die Partei fürchtet, aus dem Magdeburger Landtag zu fliegen. Nicht nur, weil sie im Osten dann noch stärker in der politischen Bedeutungslosigkeit verschwinden könnte. Es geht auch darum, den Durchmarsch der AfD zu verhindern.„Es geht bei der Wahl um alles“, sagt Banaszak.Ob SPD, Grüne und FDP alle in den sachsen-anhaltinischen Landtag einziehen, könnte tatsächlich darüber entscheiden, ob die AfD eine absolute Mehrheit erreicht. Schaffen es alle drei, dürften sie eine AfD-Regierung verhindern. Gelingt das nur einer Partei oder keiner von ihnen, regiert die AfD das Land womöglich bald allein.Der Blick richtet sich ganz besonders auf die Grünen. In den jüngsten Umfragen bewegen sie sich genau um die Fünfprozenthürde.Erste Tour für das „Taxi Banaszak“Also legt sich Banaszak ins Zeug, steuert das Taxi von A nach B und weiter. „Politik soll ja Menschen da abholen, wo sie sind und an ihr Ziel bringen“, sagt Banaszak. „Ich habe gedacht, das mache ich wörtlich.“Die Idee ist nicht neu. Auf einem Parteitag im vergangenen Jahr hatte Banaszak davon erzählt, dass er in einer Familie aufgewachsen sei, in der es kein Auto gab. „Was glaubt ihr denn, was ich gemacht habe, als ich siebzehneinhalb war? Natürlich einen Führerschein“, sagte er damals.Dann habe er sich ein kleines Auto gekauft, einen kleinen roten Flitzer, für ihn „Taxi Banaszak“. Den kleinen roten Flitzer gibt es nicht mehr. Die Idee mit dem Taxi aber lebt weiter. Der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt ist der erste Anwendungsfall.Rastlos ist Banaszak unterwegs, nicht nur in seinem Taxi. Neulich war er auf dem Brocken. Über Instagram hatte er Wanderwillige eingeladen, mitzulaufen. In knapp zwei Stunden ging es auf den Gipfel auf 1142 Meter, schweißtreibend, aber ein Wohlfühltermin für ihn: Einige Mitläufer waren Parteimitglieder, andere zumindest Grünen-Sympathisanten.Grünen-Parteichef Banaszak (l.): Wanderung zum Brocken. Foto: Silke KerstingAber auch die wollen umsorgt werden, meint der Parteichef. Schließlich gehe es auch darum, dass Wähler, die vielleicht mit der Linkspartei liebäugelten, die Grünen wählten, damit diese sicher über die Fünfprozenthürde kämen.
Landtagswahl: Die Grünen setzen in Sachsen-Anhalt alles auf Anti-AfD
Erstaunliche Macht für die Grünen: Sie könnten eine AfD-Regierung verhindern. Klimaschutz spielt nur eine Nebenrolle. Stattdessen setzen sie auf eine Strategie, die zuvor bereits schiefging.











