Der Guru kämpft mit den Tränen. Im Hintergrund ist lautes Schluchzen zu vernehmen. Mit einem „tiefen Gefühl des Schmerzes und des Bedauerns“ müsse er verkünden, dass sich eine „fürchterliche Sturzflut“ ereignet habe, sagt der Inder Jagadish Vasudev, der von seinen Anhängern Sadhguru genannt wird.Eine von seiner Isha Foundation organisierte Reisegruppe mit 80 Teilnehmern sei ebenfalls von der Katastrophe betroffen. Sie hatte sich auf dem Rückweg ihrer Pilgerreise vom Berg Kailash in Richtung Nepal befunden. Anschließend nennt der Guru die Nationalitäten der Vermissten. Neben Amerikanern, Kanadiern, Briten waren auch vier Deutsche Teil der Gruppe. „Es gibt bisher keine offizielle Bestätigung. Angesichts des Ausmaßes der Zerstörung sieht es schlecht aus“, sagt er.Das Video wurde am Mittwoch in Tibet aufgenommen, nachdem eine gewaltige Schlammlawine dort und im Norden Nepals ganze Dörfer unter sich begraben hatte. Bis Freitag war die Zahl der Toten in Nepal auf 538 gestiegen, fast 1000 Menschen gelten noch als vermisst. Hinzu kommen Tote und Vermisste auf der chinesischen Seite in der Autonomen Region Tibet. Einer Liste der Tourismusbehörde zufolge sind unter den in Nepal vermissten Ausländern auch acht Deutsche. Am Freitag kommt plötzlich die Eilmeldung, dass eine vierköpfige deutsche Familie im Katastrophengebiet gerettet worden sei. Satellitenbilder vor und nach der Sturzflut Satellitenbilder von der nepalesisch-chinesischen Grenze am 25. August 2026 vor und nach der Sturzflut Reuters Die Familie sei zusammen mit anderen Geretteten per Hubschrauber zu einem Armeecamp in Battar Bazar gebracht worden, sagte ein Armeesprecher der dpa. Der Agentur berichtete die Familie aus dem Berchtesgadener Land, dass sie nach einer Trekking-Tour gerade in Trishuli Bazar war, einer Stadt im Norden Nepals, die ebenfalls zu Teilen von der Flut verwüstet wurde.Der 37 Jahre alte Vater Manuel Münch, seine nepalesische Frau und die beiden Kinder entkamen der Katastrophe aber dank einer kurzfristigen Planänderung. „Wenn wir unsere Trekking-Tour normal durchgeführt hätten, hätten wir an dem Tag in Syabrubesi übernachtet und wären gestorben“, sagte Münch der Agentur. Die Familie sollte dem Bericht zufolge von dem Armeecamp im Auto nach Kathmandu gebracht werden.Auswärtiges Amt spricht von zweistelliger VermisstenzahlAm Freitagmittag teilte ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin erstmals mit, es werde eine „niedrige zweistellige Zahl deutscher Staatsangehöriger“ vermisst. Weitere Details wolle er dazu aber nicht sagen. Jedoch kursieren längst Listen der ausländischen Vermissten im Internet.Neben den vier Pilgern, die mit der Isha Foundation unterwegs waren, sind vier weitere Deutsche als Teil einer Reisegruppe eines anderen Anbieters verzeichnet. Bei zwei von ihnen dürfte es sich Internetrecherchen nach um Personen handeln, die in Frankfurt im Finanzbereich tätig sind. Bei den Teilnehmern der Isha-Gruppe handelt es sich dem Dienstleister Trekking Solutions zufolge um zwei Männer und zwei Frauen.Einer der Männer war freiwilliger Helfer der Stiftung, wie Isha der F.A.Z. am Freitag bestätigte. Auf seinem Linkedin-Profil gab er an, dass er früher als Eventorganisator und zumindest bis Mai im Rahmen eines Sabbaticals als Freiwilliger für die Isha Foundation tätig war. Die Reise führt durch eine Region mit spektakulären Trekking- und Pilgerwegen, darunter zum heiligen Berg Kailash in Tibet, der sowohl für Hindus als auch Buddhisten ein bedeutender Pilgerort ist. Den Weg zum Kailash und zum heiligen See Manasarovar preist der zu der Stiftung gehörende Anbieter Isha Sacred Walks als eine „kraftvolle spirituelle Erfahrung“ an.Pilgergruppe am Grenzübergang Gyirong verschollenNoch am Tag vor der Katastrophe wurden auf Sadhgurus Instagram-Account, dem mehr als 13 Millionen Menschen folgen, Bilder von dem Inder mit dem heiligen Berg im Hintergrund gepostet. Am Mittwoch berichtete er dann in dem Video, dass am nepalesisch-chinesischen Grenzübergang sämtliche Gebäude fortgespült worden seien. An diesem Grenzübergang hätten er und seine Gruppe auf ihrer Reise nach Tibet nur eine Woche zuvor die Einreiseformalitäten erledigt.Gemeint ist der Grenzübergang Gyirong, den die Welle vollständig zerstört hatte, wie ein dramatisches Überwachungsvideo vom Mittwoch zeigt. „Um 9.05 Uhr erhielten wir eine Botschaft des Gruppenleiters, dass sie den Grenzübergang erreicht hätten“, sagt der Guru weiter.Etwa zehn Minuten später hätten sie gemerkt, dass der Reiseleiter mit seinem Handy nicht zu erreichen war, so der Inder weiter. Seitdem gebe es kein Lebenszeichen mehr. Nun bangt die Isha-Gemeinde, die laut Eigendarstellung unter anderem mit Yoga ihr Wohlbefinden verbessern will, um 77 Pilger, zwei Freiwillige und einen Arzt.International ist die Isha Foundation umstritten, da sie von Kritikern in der Vergangenheit mit einem Kult verglichen wurde. In einem offenen Brief hat der Guru die Behörden Nepals und Chinas mittlerweile gebeten, ihn und einige Freiwillige in das Katastrophengebiet vorzulassen. Er schreibe ihnen „in absoluter Qual“, und werde die Rettungsarbeiten „in keiner Weise behindern“, so der Inder. „Unser einziges Anliegen ist es, ihnen beizustehen und dabei zu helfen, nach Anhaltspunkten zu suchen, die den Familien weiterhelfen könnten.“
Flutwelle in Nepal: Mehrere Deutsche werden vermisst
Der Veranstalter war die Stiftung eines prominenten Gurus: Für mehrere Deutsche ist eine Pilgerreise in Nepal zur Falle geworden. Eine vierköpfige deutsche Familie wurde derweil gerettet.











