PfadnavigationHomePanoramaNach Sturzflut„Wir wären gestorben“ – Vierköpfige deutsche Familie aus Katastrophengebiet in Nepal gerettetStand: 14:42 UhrLesedauer: 4 MinutenDie Zahl der Todesopfer nach der schweren Flutkatastrophe im Himalaja-Gebirge ist auf 469 gestiegen. Rettungskräfte suchten weiter nach Hunderten Vermissten in der Region an der Grenze zu China.Eine niedrige zweistellige Zahl deutscher Staatsangehöriger wurde bisher noch im Katastrophengebiet in Nepal vermisst. Nun konnte eine vierköpfige deutsche Familie gerettet werden. Der Vater schildert dramatische Szenen.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenEine vierköpfige deutsche Familie ist aus dem Katastrophengebiet in Nepal evakuiert worden. Die Deutschen seien zusammen mit anderen Geretteten per Hubschrauber zu einem Armeecamp in Battar Bazar gebracht worden, sagte ein Armeesprecher der Deutschen Presse-Agentur. Manuel Münch (37), seine nepalesische Frau (35) und die beiden Kinder im Alter von zehn und sieben Jahren hatten tagelang bei Verwandten nahe Trishuli Bazar ausgeharrt, nachdem die Fluten Straßen und Brücken zerstört und den Weg aus dem Gebiet abgeschnitten hatten.Was die Familie rettete, war eine Planänderung. Münch und seine Familie hatten eine kurze Trekking-Tour in der Langtang-Region unternommen, mussten diese aber abbrechen, weil frühere Erdrutsche die Wege verschüttet hatten. Sie kehrten vorzeitig zurück und besuchten die Verwandten.Lesen Sie auchEinen Tag später kam die Flut. „Wir haben die Flutwelle gesehen und sind dann mit allem, was wir hatten, den Hügel hinaufgerannt“, erzählte Münch der Deutschen Presse-Agentur. Rund 800 Meter sei die Familie gelaufen, um sich in Sicherheit zu bringen. Von dem Haus der Verwandten nahe am Fluss habe man das herannahende Unheil schon von Weitem gehört. „Ein lautes Donnern, ein Grollen“, sagte Münch. Dann habe die Familie gesehen, wie die Flutwelle kam und Staub aufgewirbelt wurde.„Wenn wir unsere Trekking-Tour normal durchgeführt hätten, hätten wir an dem Tag in Syabrubesi übernachtet und wären gestorben“, sagte Münch. Die Familie nahm nach der Katastrophe Kontakt zur deutschen Botschaft auf und teilte mit, dass alle in Sicherheit seien. Zugleich bat sie um Hilfe bei der Evakuierung.Denn auf dem Landweg gab es kein Weiterkommen: Auf einer Strecke von rund 40 Kilometern seien mehr als 20 Brücken zerstört worden, sagte der Familienvater. Straßen und Verbindungen auf beiden Seiten des Flusses waren unterbrochen. Jetzt wurden die vier per Hubschrauber in ein Armeecamp in Battar Bazar gebracht. Nun wollen sie nur eins: so schnell wie möglich Deutschland zurück.Die Bundesregierung sprach am Mittag von einer „niedrigen zweistelligen Zahl deutscher Staatsangehöriger“, die derzeit noch vermisst würden. „Darüber hinaus möchte ich aber um Verständnis bitten, dass wir keine Angaben zu einzelnen Personen machen können“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Das Ministerium bemühe sich unter Hochdruck um Aufklärung. Zuvor hatte die nepalesische Tourismusbehörde von acht vermissten deutschen Staatsangehörigen gesprochen. Vier vermisste Deutsche gehörten zu einer Gruppe von ausländischen Pilgern – sie waren auf dem Rückweg von einer Pilgerreise zum heiligen Berg Kailash und zum Manasarovar-See in Tibet, als der Kontakt zu ihnen abriss, wie die nepalesische Reiseagentur Trekkers’ Society mitteilte. Ausmaß noch schwer abschätzbar„Wir haben alle diese schrecklichen Bilder gesehen. Insofern ist das gesamte Ausmaß dieser Sturzfluten noch sehr schwer abzuschätzen. Auch die Lage in der betroffenen Region ist noch sehr, sehr unübersichtlich“, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes. Deutschland sei über internationale Fonds an möglichen Hilfen beteiligt. Er sagte: „Wir stehen auch bereit, mit weiteren Mitteln die internationale Katastrophenhilfe zu unterstützen. Bislang allerdings, das ist Stand jetzt, haben die nepalesischen Behörden mitgeteilt, dass sie derzeit keine weitere internationale Unterstützung benötigen.“ Die Zahl der Toten in Nepal stieg unterdessen auf mehr als 500. Nach Angaben des Katastrophenschutzes wurden nach der Flutkatastrophe im Himalaja-Gebirge neben den 538 Toten weiterhin 977 Menschen vermisst, darunter 517 Ausländer. China hatte bislang 5 Tote und 558 Vermisste gemeldet. Damit liegt die Gesamtzahl der Toten, die durch die Sturzflut am Mittwoch an der Grenze zwischen China und Nepal ums Leben kamen, bei 543. Nepals Katastrophenschutz gab außerdem an, dass 3742 Menschen bislang gerettet wurden, darunter 25 Ausländer. Noch immer werden damit mehr als 1400 Menschen vermisst, darunter auch zahlreiche ausländische Touristen, die in Nepal unterwegs waren. Warnung vor neuer Flut Zuletzt hatte außerdem die Sorge vor einer erneuten Sturzflut die Bergungsarbeiten auf chinesischer Seite in Tibet und in Nepal erschwert. An einer Flussmündung oberhalb des chinesisch-nepalesischen Grenzpostens Gyirong hatte sich ein See angestaut, der sich nach der Sturzflut am Mittwoch gebildet hatte.Lesen Sie auchWeil das Gewässer bereits mehr als zwei Millionen Kubikmeter Wasser angestaut hatte – mehr als 800 olympische Schwimmbecken voll –, drohte ein Bruch. Rettungskräfte in China und Nepal unterbrachen deshalb zeitweise ihre Such- und Bergungsarbeiten. Nach einer Warnung der Polizei in Nepal war zudem Panik in der Bevölkerung ausgebrochen.Ein verheerender Gletscherabbruch im Himalaja riss nach Ansicht von Wissenschaftlern große Mengen Gestein mit in die Tiefe. Auf Satellitenbildern von Donnerstag sei zu erkennen, dass das Felsbett unter dem Gletscher kollabiert sei, sagten die Geomorphologen Kristen Cook und Dan Shugar.dpa/lay/coh/lfb