BenachrichtigungPfeil nach linksPfeil nach rechtsMerklisteAufklappenAbspielenPauseAbspielenWiederholen
Es gibt nicht viele Romane im Leben, die man fertigliest und die man sich dann, statt sie wegzulegen, sofort wieder vornehmen muss. Nicht aus Ratlosigkeit, sondern aufgrund einer fiebrigen Lust, das Gelesene noch genauer zu begreifen. Und weil man das weitverzweigte, so schöne und so schreckliche Reich, in das man geraten ist, einfach nicht verlassen will. Man hat sich so wunderbar eingerichtet, das kann und darf nicht schon vorbei sein. Nicht nach nur 640 Seiten.
Das Buch, von dem die Rede ist, trägt den schönen Namen Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle, und geschrieben hat es die 39 Jahre alte Schriftstellerin Valeria Gordeev. Teile ihres Romans wurden bereits in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht, und mit einem fulminanten Auszug daraus gewann sie vor drei Jahren den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt. Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle ist ein komplett unwahrscheinliches Werk. Weil es so stark ist, weil es so herausragt aus der Flut der Neuerscheinungen. Weil es voller Rätsel steckt und doch ganz und gar ausgereift ist. Weil es eine fantastische Zumutung ist. Weil darin ein Feuerwerk an Ideen, an literarischen Mitteln und Referenzen, waghalsigen Assoziationen, surrealen und absurden Szenen gezündet wird, dass man sich fast schämt, zur schnöden Inhaltsangabe zu kommen, die oft so wenig aussagt über wirklich große Literatur.









