„Halbroutinemäßig“ nannte Donald Trump den Besuch seines CIA-Direktors John Ratcliffe in Moskau. Doch auch zwei Tage nach dem spektakulären ranghohen amerikanischen Besuch im Kreml bestimmen weiterhin Verwirrung und Spekulationen den russischen wie den westlichen Blätterwald. Nach Ratcliffes Besuch bei Alexander Bortnikow, dem Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB, und bei SWR-Chef Sergej Naryschkin, seinem russischen Pendant, ist offiziell fast nichts bestätigt. Dafür kursieren umso mehr Deutungen.
Die New York Times berichtet unter Berufung auf amtierende und ehemalige amerikanische Beamte, Ratcliffe habe eine pessimistische Lageeinschätzung des Kriegsverlaufs übermittelt und Moskau nahegelegt, ein Abkommen zu schließen, „solange sich die militärische und wirtschaftliche Lage nicht weiter verschlechtert“ habe. Konkrete Drohungen für den Fall, dass Wladimir Putin diese Einschätzung ignoriere, habe der CIA-Direktor demnach nicht ausgesprochen.
In geopolitischen Kreisen wird Ratcliffes Reise auffällig oft mit dem Besuch seines Vorgängers William Burns im November 2021 verglichen – jener Visite, bei der die Amerikaner den Kreml von einer Invasion der Ukraine abzubringen versuchten. Drei Monate später begann der Krieg trotzdem. Zwischen Burns’ Warnung und dem 24. Februar 2022 lag allerdings ein Kapitel, das in der gegenwärtigen Berichterstattung in westlichen Medien oft übergangen wird: das russische Ultimatum vom Dezember 2021, mit dem Moskau von der Nato rechtlich bindende Garantien gegen eine weitere Osterweiterung verlangte. Washington und die Nato lehnten den russischen Entwurf damals kategorisch ab.











