Geheimnisvolle Reise von John Ratcliffe: Warum war der CIA-Chef in Moskau?Der Chef des amerikanischen Auslandgeheimdiensts war für einige Stunden in der russischen Hauptstadt. Zur Reise gibt es kaum bestätigte Informationen, aber viele offene Fragen.26.08.2026, 11.02 Uhr4 LeseminutenAuf überraschendem Kurzbesuch in Moskau: CIA-Direktor John Ratcliffe (Bild vom März in Washington).WILL OLIVER / POOL / EPA POOLGeheimdienste agieren im Geheimen, und mitunter tun das auch ihre Chefs. Der Direktor des amerikanischen Auslandnachrichtendiensts CIA, John Ratcliffe, hat am Dienstag einen Kurzbesuch in Moskau absolviert.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Offizielle Informationen zu Hintergrund oder Ziel der Reise, die vorab nicht angekündigt worden war, gibt es keine. Der Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte am Mittwochmorgen lediglich, dass Ratcliffe in Moskau gewesen sei. Dabei sei es zu Kontakten zwischen Nachrichtendiensten gekommen. Ein Treffen mit Präsident Wladimir Putin habe nicht stattgefunden. Ein russischer Kreml-Journalist hatte zuvor berichtet, dass Putin sein Programm für Dienstag kurzfristig umgestellt und seine Teilnahme an einer Grossveranstaltung abgesagt habe.Auf Websites wie Flightradar24, die internationale Flugbewegungen abbilden, war am Dienstag zu sehen gewesen, dass eine Transportmaschine der amerikanischen Luftwaffe aus Lettland kommend in Moskau landete und acht Stunden später zurückflog. Dies hatte insbesondere in den sozialen Netzwerken zu zahlreichen Spekulationen Anlass gegeben. Die CIA hat sich bisher nicht zum Besuch geäussert.Erste Reise seit KriegsbeginnRatcliffes Reise ist der erste Besuch eines CIA-Direktors in Russland seit dem Grossangriff auf die Ukraine. Im November 2021 war William Burns, der unter Präsident Joe Biden das Amt innehatte, nach Moskau gereist, um den Kreml vor den Folgen eines Überfalls auf die Ukraine zu warnen. Russland hatte zu diesem Zeitpunkt bereits grosse Militärverbände an der Grenze zum Nachbarland zusammengezogen.Dass auch Ratcliffes Besuch mit dem Ziel stattfand, Russland von einer weiteren Eskalation abzuhalten, ist eine von mehreren möglichen Erklärungen. Dabei könnte es einerseits um die immer häufigeren Provokationen gegenüber dem Westen gehen. Die Hinweise auf russische Sabotageaktionen in Nato-Staaten mehren sich. Beispiele sind der missglückte Drohnenangriff am Flughafen Leipzig oder der vereitelte Anschlag gegen eine Drohnenfabrik in der Slowakei, der erst diese Woche bekannt wurde.Gleichzeitig gibt es Spekulationen über russische Pläne, nach der Parlamentswahl vom September die Kriegsanstrengung gegen die Ukraine nochmals zu erhöhen, etwa durch eine allgemeine Mobilmachung. Auch der Krieg gegen wirtschaftliche Ziele, den beide Parteien bereits heute mit grosser Intensität verfolgen, könnte weiter an Schärfe zunehmen. Der russische Präsident Putin sagte am Wochenende drohend, die Ukraine habe mit ihren Angriffen auf Ziele im russischen Hinterland «die Büchse der Pandora» geöffnet.Auch für diese Form des «Eskalationsmanagements» gibt es Präzedenzfälle. Der frühere CIA-Direktor Burns traf im November 2022 Sergei Naryschkin, den Chef des russischen Auslandgeheimdiensts SWR, in Ankara. Dabei soll Burns den Russen explizit vor dem Einsatz von Atomwaffen gewarnt haben.Das Militärflugzeug des Typs C-17 Globemaster, das den CIA-Direktor John Ratcliffe nach Moskau transportiert hat, auf dem Flughafen Riga.Alfredspodins via ReutersEin Russland-Falke in Trumps RegierungAngesichts des grossen Verständnisses, das Präsident Trump für die russischen Forderungen an die Ukraine aufbringt, lösen hochrangige Treffen zwischen Russland und den USA in Kiew in der Regel Besorgnis aus. Allerdings gilt Ratcliffe in der amerikanischen Regierung als «Russland-Falke», also als Vertreter einer traditionellen harten Linie gegenüber Moskau. Der CIA-Direktor hat sich sowohl für amerikanische Militärhilfe wie für die Weitergabe amerikanischer Geheimdiensterkenntnisse an die Ukraine ausgesprochen.Die ukrainische Regierung war laut Medienberichten über die Reise informiert. Washington soll Kiew darum gebeten haben, Drohnenangriffe auf Moskau und das Überflugsgebiet von Montag bis Mittwoch einzustellen. Das russische Verteidigungsministerium teilte am Mittwochmorgen mit, dass in der Nacht 426 ukrainische Drohnen abgeschossen worden seien, auch im Gebiet Moskau. Ratcliffe hatte Moskau allerdings bereits am Dienstagabend wieder verlassen.Zur seit längerem angekündigten Reise des amerikanischen Sondergesandten Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner nach Moskau und Kiew gibt es weiterhin keine Informationen. Witkoff und Kushner sollen die beiden Parteien besuchen, um dem Verhandlungsprozess über ein Ende des Konflikts neues Leben einzuhauchen.Witkoff ist seit dem russischen Überfall noch nie in der Ukraine gewesen, aber schon mehrmals in Russland. Seine Reise nach Moskau im Januar dieses Jahres war bis zu Ratcliffes Visite am Dienstag der letzte hochrangige Besuch eines amerikanischen Regierungsvertreters gewesen. Der Posten des amerikanischen Botschafters in Moskau ist seit Juni 2025 vakant.Ukraine, Iran oder amerikanische Gefangene?Vielleicht stand bei den Gesprächen aber auch gar nicht die Ukraine im Mittelpunkt, sondern Iran. Russland ist ein wichtiger Partner des Mullah-Regimes. Laut ukrainischen Quellen konnte Iran bei seinen Raketenangriffen gegen amerikanische Verbündete am Golf auf russische Satellitendaten zurückgreifen. Trump hat am Montag angekündigt, den Druck auf Iran weiter zu erhöhen. Unter anderem hat er alle Länder aufgefordert, jegliche Geschäftsbeziehungen mit Teheran zu beenden.Einige Beobachter erwähnen zudem mögliche Verhandlungen über amerikanischer Staatsbürger, die in Russland in Haft sind. Genannt wird Chuck Zimmerman, der im Juni 2025 im Schwarzen Meer von Russland festgenommen wurde. Erst vor wenigen Wochen gelang es den USA, die Freilassung von Robert Gilman auszuhandeln, der mehr als vier Jahre in russischer Haft verbracht hatte.Die Rückführung amerikanischer Gefangener ist eine Priorität für Trump. Dabei ist oft auch die CIA involviert. Beim grossen Austausch im August 2024, bei dem unter anderem der Journalist Evan Gershkovich in die USA zurückkehrte, spielte der Dienst eine entscheidende Rolle.Passend zum Artikel
Ominöse Reise des CIA-Chefs: Warum war John Ratcliffe in Moskau?
Der Chef des amerikanischen Auslandgeheimdiensts war für einige Stunden in der russischen Hauptstadt. Zur Reise gibt es kaum bestätigte Informationen, aber viele offene Fragen.










