PfadnavigationHomePolitikJohn RatcliffeRätselhafte Reise des CIA-Chefs nach Moskau – Jetzt äußert sich der KremlStand: 17:07 UhrLesedauer: 4 MinutenDer Direktor des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, John Ratcliffe, ist unbestätigten US-Medienberichten zufolge nach Moskau geflogen.„Es ist nicht klar, was er da getan hat“, berichtet WELT-Korrespondent Gregor Schwung aus Washington.Der Besuch von CIA-Chef John Ratcliffe in Moskau sorgt für Spekulationen. Nun äußert sich der Kreml. In Litauen erwartet man zeitnah weitere Informationen.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenNach Berichten über eine Reise des CIA-Chefs John Ratcliffe nach Moskau bestätigt der Kreml Gespräche „zwischen den Geheimdiensten“. Gleichsam dämpfte Russland Hoffnungen auf eine Verbesserung der angespannten Beziehungen mit den Vereinigten Staaten.Bilaterale Gespräche zwischen den Geheimdiensten beider Länder gebe es zwar auch in den schwierigsten Momenten, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen. „Das ist für sich genommen ein positiver Prozess.“ Es sei aber noch zu früh, um zu sagen, inwieweit dies dazu beitragen könnte, das Verhältnis zwischen beiden Ländern aus der gegenwärtigen „tiefen Krise“ herauszubringen.Lesen Sie auchPeskow zufolge habe es auch kein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gegeben. Er sagte weiter, der Kreml plane momentan auch keine Begegnungen mit anderen hochrangigen Vertretern der USA. Er könne jedoch nicht für andere russische Behörden sprechen. Der Kreml hatte im Mai ein neues Treffen von Putin und US-Präsident Donald Trump im November beim Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in China nicht ausgeschlossen. Es ist aber bislang noch unklar, ob Trump überhaupt zu dem Gipfel kommt.Zu den Inhalten von Ratcliffes Gesprächen in Moskau machte Peskow keine Angaben. Fragen von Journalisten dazu, ob es dabei um die Ukraine oder den Iran gegangen sei, wich er aus.Kremlsprecher gab zunächst vor, von Visite nichts zu wissenAm Vortag hatte der Kremlsprecher nach der Landung eines US-Militärflugzeugs in Moskau noch behauptet, ihm sei nichts dazu bekannt. Russische Kommentatoren amüsierten sich über die Äußerungen, weil es Aufnahmen von dem Flugzeug in den sozialen Netzwerken gab. Viele fragten sich, wie eine solch riesige Maschine mit dem CIA-Chef an Bord ohne Wissen der russischen Staatsführung einfach auf dem Flughafen Wnukowo landen könne. In sozialen Medien gab es zudem Berichte über eine auffällige Fahrzeugkolonne mit Diplomatenkennzeichen in der Moskauer Innenstadt.Für Ratcliffe dürfte es der erste Besuch als CIA-Chef in Moskau gewesen sein. Zuletzt hatte 2021 der damalige CIA-Chef William Burns Russland besucht, der sich auch mit Putin traf. Burns sollte damals im Auftrag von US-Präsident Joe Biden eine Eskalation im Ukraine-Konflikt verhindern. Allerdings begann Putin dann seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine am 24. Februar 2022. Auch danach gab es jedoch weiter Kontakte zwischen Geheimdiensten und Militär.Über den Anlass der jüngsten Gespräche wurde spekuliert. Bekannt ist dazu offiziell nichts. Gemutmaßt wurde vielfach, dass Ratcliffe Russland vor einer weiteren Eskalation im Ukraine-Krieg warnen wollte. Die Ukraine hatte unter Berufung auf Geheimdienstinformationen mitgeteilt, Putin plane eine Mobilmachung nach der Parlamentswahl im September. Kremlsprecher Peskow wies das erst am Dienstag erneut als Falschinformation - als eine „Ente“ - zurück, die nur das Ziel habe, die Lage in Russland vor den Wahlen zu destabilisieren.Der kremlnahe Politologe Sergej Markow äußerte auch noch andere Thesen: etwa zu einem möglichen Zusammenhang mit dem Iran-Krieg. Moskau unterstützt die Führung in Teheran. Möglich sei auch eine Verbindung zu dem Fund von Sprengstoff-Drohnen auf dem Flughafen Halle-Leipzig, meinte er. Die US-Behörden vermuten, dass Russland hinter dem Vorfall steckt. In Deutschland laufen dazu Ermittlungen.Ratcliffes Flugzeug stand laut Medien acht Stunden in MoskauInnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte auf dem Flughafen von einem hybriden Angriff fremder Mächte gesprochen, ohne direkt Moskau verantwortlich zu machen. Kanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte am Dienstag an, dazu in Kürze Erkenntnisse bekanntzugeben. Die Urheber würden für diese Bedrohung „bezahlen“, sagte er.Am Dienstagabend hob das US-Flugzeug nach Berichten russischer Staatsmedien wieder in Richtung Riga ab. Wie die „New York Times“ berichtete, ergab sich aus Daten des Luftverkehr-Portals „Flightradar“, dass Ratcliffes Maschine acht Stunden in Moskau am Boden geblieben war. Auffällig war in Moskau, dass es am Dienstag keine ukrainischen Drohnenangriffe gab. Laut US-Medien hatten die Amerikaner Kiew gebeten, die Angriffe zeitweilig einzustellen.Die Entwicklungen werden auch in den baltischen Staaten aufmerksam verfolgt. Litauens Präsident Gitanas Nauseda wertete den direkten Austausch als Versuch, die angespannte Lage zwischen Washington und Moskau zu entspannen. Er konnte jedoch keine Angaben zum Inhalt des Treffens machen.Sein Land erwarte „möglicherweise bereits in der kommenden Woche“ Informationen über den Inhalt der Gespräche. Der lettische Präsident Edgars Rinkevics lehnte es am Mittwoch ebenfalls ab, nähere Einzelheiten zu einem Zwischenstopp von Ratcliffes Flugzeug in Riga zu nennen. Er sagte lediglich, dass die US-amerikanischen und lettischen Nachrichtendienste eng zusammenarbeiteten.„Wir bereiten uns vor und versuchen ständig, die verschiedenen Arten potenzieller Bedrohungen zu erfassen, denen wir ausgesetzt sind“, sagte Rinkevics vor Journalisten. Die Situation sei „dynamisch“, fügte er hinzu. Die Behörden seien jedoch darauf vorbereitet, sollte sich die Lage ändern.Bloomberg/dpa/ceb