Authentizität trotz äußerlicher Artifizialität war das Markenzeichen von Dolly Parton. Nachruf auf eine große Musikerin und opulente Feministin.
D olly Parton war 20 Jahre alt, als sie die Zeilen für ihr 1966 erschienenes Debütalbum schrieb: „Just because I’m blonde / Don’t think I’m dumb / 'Cause this dumb blonde ain’t nobody's fool“.
Das Coverfoto unterstreicht ihre Aussage – ein Lächeln umspielt den Mund, sie schaut das Gegenüber direkt an. Das Bild war eventuell die letzte Chance, Dollys bereits damals eindrucksvoll aufgetürmtes Echthaar zu sehen. Danach trug sie in der Öffentlichkeit überdimensionale, weißblond schimmernde Vamp-Perücken, sie sagte einmal: „Die Haare sind mein größtes Brandrisiko.“
Authentizität trotz äußerlicher Artifizialität und Hyper-Weiblichkeit – das führt oft zu Fehleinschätzungen. Die Hamburger Rapperin Shirin David, die ihre Haare und ihren Körper ähnlich offensiv-weiblich gestaltet, channelte Parton noch vor zwei Jahren in ihrem mal als feministisch, mal als das Gegenteil wahrgenommenen Hit „Bauch Beine Po“, in dem es heißt „Ich bin schlau, aber blond und supermegahot“. Das kleine Wörtchen „aber“ beweist es: Blond alias attraktiv und schlau geht in den Köpfen vieler Menschen einfach nicht zusammen.










