Mit ihrem glockenhellen Sopran hat Dolly Parton stets alle verzaubert: leichter Country-Twang, nasales Timbre - mit verblüffender Reinheit in den ganz, ganz hohen Lagen. Diese Stimme, die von kraftvoll-durchdringendem Uptempo („9 to 5“) bis zu würdevoll-zerbrechlich („Jolene“) alle Register beherrschte. Na gut, auch ihr Styling war spektakulär: das glamourös hochtoupierte blonde Haar; die eng anliegenden Kleider und Anzüge, oft mit Ausschnitt und betonter Taille. Viel Glitzer, Pailletten und Strass. Anleihen aus Vegas-Showbusiness und Country-Kitsch zugleich. Sie sehe aus wie eine Mischung aus einem „Dorfmädchen und einer Prostituierten“, meinte Dolly Parton mit dem ihr eigenen Witz, samt der von ihr beherrschten, aber gesamtgesellschaftlich selten gewordenen Fähigkeit, sich selbst souverän durch den Kakao zu ziehen und am Ende dabei sogar noch viel cooler dazustehen. Dolly Parton war extrem damit gesegnet. Die Inspiration für die „flitchenhaften“ Bühnen-Outfits kam übrigens von einer Frau aus ihrem Heimatort (in den Smoky Mountains von Tennessee), die von den Nachbarn verachtet wurde, die Dolly aber schon als kleines Kind wunderschön fand.
„It costs a lot of money to look this cheap“, wurde das Bonmot von Dolly Partons Leben. „Es kostet eine Menge Geld, so billig auszusehen.“ Auch hier wieder: diese Gewitztheit! Und natürlich ist viel Wahres drin: Dolly Parton, mit ihren mehr als 100 Millionen verkauften Tonträgern, ihrer eigenen Kosmetikmarke und ihrem eigenen Themenpark Dollywood, war eine geniale Geschäftsfrau. Sie wusste, wie sie sich als Frau in der seinerzeit von Männern dominierten Country-Welt zur Marke macht. Und sie wurde damit nicht zuletzt zur Blaupause für jüngere Megastars von Miley Cyrus (deren Patentante sie war) bis von zu (vor allem!) Taylor Swift.











