Dolly Parton ist gestorben. Mit ihr verliert die Countrywelt eine grossartige Musikerin, die auch mit ihrem Denken und Handeln beeindruckte. Und mit ihren Looks.Die Familie Parton teilte gestern über die sozialen Medien mit, dass die Musikerin, Unternehmerin und Schauspielerin Dolly Parton «friedlich» in Nashville verstorben ist. In einem People-Interview vor ein paar Monaten sagte die Sängerin: «Ich wollte immer ich sein können, wenn ich einen Raum betrat». Und wahrscheinlich war das auch ihr Rezept für ein selbstbestimmtes, erfolgreiches und erfülltes Leben. In Interviews erschien sie äusserst witzig, offen und authentisch. Selbst Menschen, die nichts mit Countrymusik anfangen konnten, entlockte sie Sympathien.Zu Parton gehörte neben ihrer Stimme und ihrem Auftreten auch immer ihre Garderobe. Hyperfemininer Cowboy-Glamour mit Fransen und Glitzer, dazu voluminöse Frisuren – Perücken, um ihr eigenes Haar zu schonen und Zeit zu sparen. Auf ihre wundervoll überkandidelten Looks angesprochen, hatte sie immer eine Antwort parat. Auf die Frage, wie lange es dauere, ihre Haare zu frisieren, sagte sie einst lapidar: «Keine Ahnung. Ich bin nie dabei.» Auch legendär ist ihr Spruch: «Es kostet viel Geld, so billig auszusehen.» Zu ihren zahlreichen Schönheitsoperationen stand sie: «Nichts an mir ist echt, aber alles kommt von Herzen».Parton wurde 1946 im Sevier County, im Gliedstaat Tennessee, in eine grosse, musikalische Familie mit elf Geschwistern hineingeboren. Ihre musikalische Karriere begann als 10-Jährige. Bereits als 25-Jährige konnte sie auf 10 Alben zurückblicken. Schon fast schwindelerregend ihr Output an Songs: Über 3000 sollen aus ihrer Feder stammen. Ihr wohl berühmtester: «Jolene», erschienen 1973. 2026 war sie mit über vierzig Alben, 11 Grammys, 25 Nummer-eins-Hits und Plattenverkäufen in Millionenhöhen eine der erfolgreichsten Musikerinnen der Welt. Privat verlief ihr Leben konstant: Parton war fast sechzig Jahre mit ihrem Mann Carl Thomas Dean verheiratet, der die Öffentlichkeit mied. Dean starb 2025 im Alter von 82 Jahren.Toleranz, Respekt – und BücherUnvergessen bleibt ihr soziales Engagement: Kurz nach ihrer Beteiligung 1986 beim Freizeitpark Dollywood, womit sie auch Namensgeberin wurde, gründete sie 1986 die Dollywood Foundation, die zunächst Stipendien vergab. Seit 1995 verschickte ihre Stiftung Imagination Library Millionen von Büchern an Kinder. Toleranz und Respekt waren ihr sehr wichtig, was sich auch darin zeigte, dass Themen wie Suizid, Depressionen oder Armut in ihren Songs nicht unter den Teppich kehrte.Dolly Parton war eine durch und durch authentische Persönlichkeit, deren artifizielle Erscheinung sie selbst erschuf. Dabei blieb sie stets nahbar. Genau diese Kontraste machten ihren besonderen Zauber aus.Dolly Partons Leben und Stil in Bildern Bereits mit zehn Jahren performte Dolly Parton. Hier auf einer Aufnahme um 1955. Beim Radiosender Grand Ole Opry sang sie als 13-Jährige erstmals ihren Song «Puppy Love». Getty Images 1964 zog Dolly Parton nach Nashville. Diese Aufnahme mit hochtoupiertem Haar stammt von 1965. Getty Images Gitarre, Glitzer und Volumen: Dolly Parton bei einem Auftritt in Grossbritannien, 1976. David Redfern/Getty Images Hippie-Einfluss? Gerne. Aber «dollyfiziert», hier bei einem Auftritt 1977 in Illinois. Getty Images Unterschiedlicher könnten sie nicht sein: Dolly Parton umarmt Rockmusiker Mick Jagger backstage nach einem Auftritt in New York, 1977. Allan Tannenbaum/Getty Images Keine Scheu vor grossen Gesten: Dolly Parton bei einer Porträt-Session 1978 in Los Angeles. Harry Langdon/Getty Images Wer glitzert mehr? Dolly Parton und Cher in wehendem Kleid und Bluse mit Goldprint. 1978 in Los Angeles. Harry Langdon Dolly Parton spielte mit Jane Fonda und Lily Tomlin in der Komödie «Nine to Five», zu deutsch «Warum eigentlich … bringen wir den Chef nicht um?», dem zweiterfolgreichsten Film 1980. Auch in der Rolle der Doralee Rhodes blieb sie ihrem Look treu. Imago Images Kokettieren mit dem typischen Cowgirl-Look: Dolly Parton posiert für den Film «Rhinestone», 1984. 20th Century-Fox/Getty Images Vergleichsweise zurückhaltend: Dolly Parton bei der «Oprah Winfrey Show», 1992. Paul Natkin/Getty Images Der breiten Masse bekannt wurde Dolly Partons Song «I Will Always Love You» von 1974 mit dem Film «The Bodyguard» 1992, gesungen von Whitney Houston. 1996 nahm Dolly Parton für eine neu eingesungene Version den in Country-Kreisen renommierten Vocal Event of the Year Award in einem weissen Spitzenkleid entgegen. Getty Images Dolly Parton war die Patentante von Musikerin Miley Cyrus. Hier sind die beiden im Jahr 2007 in der populären TV-Show «Hannah Montana» zu sehen. Getty Images Die Musikerin konnte die Menschen abholen, auch modisch – hier singt sie 1995 in Jeans und T-Shirt in Nashville. Getty Images Die Gitarre passend zum Outfit: 2014 trat Parton in Glastonbury auf. Getty Images Zwei Generationen, zwei Outfits, zwei Stile, aber Funkeln ist ein Muss: Dolly Parton und Miley Cyrus bei den 61. Grammy Awards 2019 in Los Angeles. Kevin Winter/Getty Images Jedes Detail stimmte, man beachte die Nägel: 2022 wurde Dolly Parton in die «Rock and Roll Hall of Fame» aufgenommen. Getty Images Cheerleader mit bald achtzig Jahren: Dolly Parton bei einem Auftritt an einer Football-Halftime-Show 2023 in Arlington, Texas. Ron Jenkins/Getty Images Was wäre, wenn Dolly die Welt regiert hätte? Die Frau der grossen Auftritte mit einem Kleid, das die ganze Bühne einnimmt. 2023 in Frisco, Texas. Theo Wargo/Getty Images Sie scherte sich nie um Konventionen – Dolly Parton konnte auf eine sechzig Jahre erfolgreiche Musikerkarriere zurückblicken. Hier ein Auftritt 2025. Getty Images Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.
Zum Tod von Dolly Parton – sie scherte sich nie um Konventionen
Dolly Parton ist gestorben. Mit ihr verliert die Countrywelt eine grosse Musikerin, die auch mit ihrem Denken und Handeln beeindruckte. Und mit ihren Looks.










