Auto-Auktionen: Die Monterey Car Week feiert einen Rekord – und zeigt die Grenzen des BoomsNoch nie wechselten bei den Auktionen der Monterey Car Week Automobile für eine höhere Gesamtsumme den Besitzer. 747,9 Millionen Dollar markieren einen historischen Höchststand. Doch die Zahlen täuschen: Der Markt für Sammlerautos sortiert sich neu.Fabian Hoberg28.08.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenAn der Monterey Car Week geht es jedes Jahr im August rund bei Auktionen von edlen Fahrzeugen. Diesmal aber standen die älteren Autos weniger hoch im Kurs als neuere Supersportwagen.Fabian HobergBlankpoliertes Blech und Stossstangen aus Chrom. Dazu filigrane Räder und ein Innenraum, der nach Leder duftet. Klassische Automobile begeistern viele Autofans, meist durch Design, Anmutung und Leistung. Doch für einige Autofans sind klassische Autos vor allem eine Wertanlage.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Monterey Car Week in Kalifornien ist alljährlich Mitte August ein Treffpunkt der internationalen Oldtimer-Szene und der wichtigste Auktionsmarathon des Jahres. Innerhalb weniger Tage konzentriert sich hier ein Angebot, das in dieser Dichte weltweit seinesgleichen sucht. Von Mittwoch bis Samstag bringen RM Sotheby’s, Gooding & Company, Broad Arrow, Mecum und Bonhams ihre wertvollsten Fahrzeuge unter den Hammer. In neun Auktionen kommen über tausend Klassiker, Sportwagen und moderne Sammlerfahrzeuge zusammen – vom seltenen Vorkriegsautomobil bis zu neuen Supersportwagen.Zu einem der Höhepunkte bei den diesjährigen Monterey Car Week-Versteigerung zählte das Shelby Daytona Coupé. Lediglich sechs Fahrzeuge entstanden zwischen 1964 und 1965. «Er hat den bisher höchsten Preis für ein amerikanisches Auto be ieiner Versteigerung erzielt – 43 Millionen Dollar. Das war eine Überraschung», sagt Frank Wilke, Geschäftsführer von Classic Analytics, einem Unternehmen zur Marktbeobachtung und Bewertung von Oldtimern. Eine Chevrolet Corvette Grand Sport von 1963 wechselte für 18,7 Millionen Dollar den Besitzer – ebenfalls Bestwert, diesmal für eine Corvette.Der Shelby Cobra Daytona Coupé CSX2300 von 1964 erzielte mit 43 Millionen Dollar den bisher höchsten Auktionspreis für ein amerikanisches Auto.Gooding & Christie'sDieses Jahr stellte die Monterey Car Week mit 748 Millionen US-Dollar Auktionsumsatz einen neuen Rekord auf und übertraf sogar deutlich das Ausnahmejahr 2022 mit damals 471 Millionen US-Dollar. Mehr als drei Viertel der gut 1100 Fahrzeuge gingen an neue Besitzer, im Schnitt für rund 870 000 US-Dollar. Doch die nackten Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte. Der Markt für klassische und moderne Sammlerautos spaltet sich: Seltene Spitzenautos erzielen spektakuläre Preise, während viele gewöhnlichere Fahrzeuge unter den Erwartungen bleiben.Supersportwagen interessieren besondersEinen Trend bei Auto-Versteigerungen sieht Frank Wilke bei Supercars und Hypercars, wie von Bugatti, Pagani, Koenigsegg oder Hennessy, deren Umsatz um 35 Prozent gewachsen ist. Aber auch deren Wegbereiter, die Supersportwagen der 1990er-Jahre wie Modelle von Ferrari, Lamborghini, Porsche oder McLaren werden beliebter. «Autos des neuen Jahrtausends mit viel Leistung und einfacher Handhabung begeistern jüngere Autofans. Die können mit Autos aus den 1960er-Jahren weniger anfangen», sagt Frank Wilke.Bei einem 20 bis 30 Jahre alten Supersportwagen wie einem Bugatti Veyron 16.4 müssen Fahrer lediglich auf den Startknopf drücken und die Automatik auf D stellen, um loszufahren. Bei historischen Modellen mit Vergasern, manuellem Getriebe und Sportkupplung kann sich der Startvorgang etwas aufwendiger gestalten. Und auch Fahrverhalten und Beschleunigung können jüngere Käufer weniger begeistern.Newsletter «Weg & Ziel»Fortbewegung damals, heute und in Zukunft: Historie, Neuheiten und Trends aus der Welt der Mobilität.Jetzt kostenlos abonnierenDer Vorteil der noch eher jungen Fahrzeuge liegt in der nachvollziehbaren Herkunft und Pflege. «Es gibt keinen nachgemachten Pagani oder Koenigsegg, wie bei manchen Vorkriegsrennwagen. Die Autos sind in der Regel original und ihre Geschichte nachvollziehbar», sagt Frank Wilke. Dennoch sollten Interessenten auf eine saubere Historie mit ausgefülltem Serviceheft und Unfallfreiheit achten. Die meisten Kunden seien aber gut informiert und würden Daten wie mögliche Preise kennen. «Gesucht wird meist das Beste vom Besten, weil sich diese Fahrzeuge auch am besten wiederverkaufen lassen», erklärt Frank Wilke.Auch bei den Lacken gebe es einen neuen Trend – knallig sei beliebt, solange es eine originale Farbe sei. «Es ist ähnlich wie bei einem speziellen Ziffernblatt einer Luxusuhr oder einer Luxus-Handtasche. Das Aussergewöhnliche bietet das höchste Mass an Exklusivität», sagt Frank Wilke.An der Spitze stehen daher moderne Ferrari in kleiner Stückzahl, die bei Anhängern der Marke einen besonderen Status geniessen. Sieben der zehn bestverkauften Autos stammen dieses Jahr von Ferrari. Für diese Fans geht es um mehr als den Besitz eines besonderen Autos. Ein exklusiver Ferrari gilt zugleich als Eintrittskarte in eine anspruchsvolle Sammlerwelt und kann die Chancen erhöhen, bei künftigen Sondermodellen berücksichtigt zu werden. Diese zusätzliche, strategische Nachfrage treibt die Preise in neue Höhen.Neuere Ferrari-Raritäten wie Enzo, F50 Spider, La Ferrari und 812 Superfast (von rechts) erzielten hohe Auktionspreise an der Monterey Car Week 2026.Fabian HobergModerne Supersportwagen dominierten die Auktionen in Monterey und sorgten für Preisrekorde. Ferrari-Ikonen erreichen neue Bestmarken. Ein Ferrari 288 GTO erzielt mit 11,6 Millionen Dollar ebenso einen Rekord wie der F50 mit 14,6 Millionen Dollar. Weitere Rekorde brachen ein McLaren F1 GTR, ein Bugatti Veyron Grand Sport und ein Hennessey Venom F5. Den Spitzenplatz unter den britischen Autos sichert sich ein McLaren F1 GTR von 1996 mit 34,7 Millionen Dollar.Oldtimer ziehen nicht mehr so wie früherAm anderen Ende des Marktes zeigt sich dagegen ein anderes Bild: Viele Fahrzeuge aus den 1950er- und 1960er-Jahren kommen in Monterey unter den Hammer. Sie machen mehr als ein Drittel aller Auktionen aus, bleiben aber im Durchschnitt der erzielten Preise unter den vom Markforschungs-Unternehmen Hagerty ermittelten Werten für Fahrzeuge entsprechenden Zustands. Hingegen erzielen Modelle der 1980er bis 2020er Jahre Zuwächse von 31 bis 38 Prozent.Gleichzeitig kehren Vorkriegsautos auf die Bühne zurück. Ein Duesenberg Model JN Rollston Convertible Coupé von 1935 (Vorbesitzer: Clark Gable) bringt bei RM Sotheby’s 9,08 Millionen Dollar und damit den dritthöchsten Preis, der jemals für einen Duesenberg erzielt wurde. Ein Packard 1108 Twelve von 1934 stellt mit 4,3 Millionen Dollar ebenfalls einen neuen Markenrekord auf. «Vorkriegs-Klassiker mit einer besonderen Geschichte und historische Rennwagen mit Siegen bei einem bedeutenden Rennen oder prominente Vorbesitzer oder Piloten haben keineswegs an Reiz verloren», weiss Frank Wilke.Gut 9 Millionen Dollar erzielte das Duesenberg Model JN Rollston Convertible Coupé von 1935 an der Monterey-Auktion von RM Sotheby's 1926.RM Sotheby'sGesucht seien nicht mehr einfach alte, schnelle oder teure Autos, sondern Fahrzeuge, die durch Seltenheit, Geschichte, Herkunft und Zustand aus der Masse herausragen. Wie der Ferrari Luce. Für das allererste Modell mit einer Sonderlackierung und einem individuellen Innenraum des neuen Elektro-Ferrari bezahlt ein amerikanischer Autofan 40 Millionen Dollar – allerdings als Spende über die Ferrari Foundation für wohltätige Projekte.Passend zum Artikel
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